Zum 100-Jahr-Jubiläum

US-Milliardär unterstützt Austro-Amerika-Institut

Außenpolitik
16.06.2026 21:30

Während die Beziehungen zwischen Europa und den USA politisch derzeit auf die Probe gestellt werden, setzte das Austro-Amerikanische Institute of Education in Wien ein Zeichen der Verbundenheit. Beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen standen Austausch, Freundschaft und gemeinsame Zukunftsperspektiven im Mittelpunkt.

Seit 100 Jahren schlägt das Austro-Amerikanische Institute of Education (AAIE) Brücken über den Atlantik. Was 1926 als Initiative zur Förderung des Austauschs zwischen Österreich und den Vereinigten Staaten begann, hat sich zur zentralen Plattform für kulturellen, wissenschaftlichen und akademischen Dialog zwischen den beiden Ländern entwickelt. Generationen von Studierenden, Forschenden und Lehrenden profitierten seither von den Programmen und Netzwerken des Instituts.

Doch die Beziehungen zwischen den USA und Europa sind aktuell angespannt: Aggressive Zollpolitik, Trumps Pläne rund um Grönland und Unstimmigkeiten in der NATO stellen eine Belastungsprobe dar. Doch im Raiffeisenhaus in Wien war am Montagabend kein Platz für Trennendes – viel mehr wurde das 100-Jahr-Jubiläum des AAIE gefeiert – unter anderem mit einem Kurz-Konzert eines Ensembles der Wiener Philharmonika.

„Es ist ein Wunder, dass eine gemeinnützige Organisation im Bildungsbereich so lange existieren kann. Selbst in guten Zeiten muss man schauen, dass man über die Runden kommt. Aber das Entscheidende ist: Wir haben vielen jungen Menschen neue Perspektiven aufgezeigt“, zeigt sich der langjährige Obmann Alexander Janda erfreut. Lob gab es auch vom US-Botschafter Art Fischer: „Eure Arbeit hat dabei geholfen, unzähligen jungen Menschen die Türen zu öffnen und ihren Horizont zu erweitern – Sie haben dadurch lebenslange Erfahrungen geschaffen“.

120 Gäste feierten gemeinsam im Raiffeisenhaus in Wien.
120 Gäste feierten gemeinsam im Raiffeisenhaus in Wien.(Bild: Yasemin Gezgin)

Neben rund 120 Wegbegleitern des AAIE – manche von ihnen sind tausende Kilometer aus den USA angereist – zählte auch US-Milliardär Marc Benioff zu den Gästen des Geburtstagsfestes. Benioff, der zum ersten Mal Österreich besuchte, stieg erst kürzlich als Partner in das gemeinnützige Projekt ein. Der Tech-Unternehmer hat österreichische Wurzeln: „Mein Großvater kam aus Baden und wanderte Ende des 18. Jahrhunderts nach San Francisco aus“, erklärte er seine Beweggründe, das Institut finanziell zu unterstützen: „Durch diese Verbindung zu Österreich wollte ich auch etwas zurückgeben.“ Denn die Beziehungen zwischen Österreich und Amerika seien noch nie so wichtig gewesen wie heute: „Wir alle müssen viel arbeiten, um Vertrauen aufzubauen und zu erhalten.“

Ein ganzes Leben mit dem Institut verbunden
Gegründet wurde das traditionsreiche Institut von prominenten Persönlichkeiten wie Anna Freud, der Tochter Sigmund Freuds, dem damaligen Bundeskanzler Johann Schober, dem Komponisten Richard Strauss – und Alfred Weissgärber. Dessen Familie sollte die Geschichte des Amerika-Instituts über Generationen hinweg prägen.

Seine Tochter Margarete Weissgärber kam bereits in den 1960er-Jahren zum Institut und leitete es von 1981 bis 2000 als Direktorin. Auch ihr Sohn Hermann war dem Amerika-Institut von klein auf verbunden. Schon als Schüler arbeitete er dort, ab 2000 stand er selbst an der Spitze der Einrichtung.

Nach seinem plötzlichen Tod im Jahr 2022 kehrte Margarete noch einmal zurück und übernahm die Leitung. Bis 2025 führte sie das Institut weiter – ehe sie im vergangenen Jahr im Alter von 86 Jahren verstarb. Kaum eine Familie hat das Amerika-Institut so nachhaltig geprägt wie die Weissgärbers. Für Margarete und Hermann war es weit mehr als ein Arbeitsplatz – es war ihr Lebenswerk.

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