Trotz westlicher Sanktionen reisen enge Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin weiterhin mit westlich produzierten Privatjets um die Welt. Das „Wall Street Journal“ veröffentlichte nun Importdokumente und Unterlagen aus der Luftfahrtbranche. Darin taucht auch eine österreichische Gesellschaft auf.
Im Zentrum der Enthüllung steht ein Netzwerk von Vermittlern und Flugzeugmanagement-Firmen, das gebrauchte Bombardier- und Gulfstream-Jets aufkauft, in Drittstaaten registriert und anschließend russischen Oligarchen und Kreml-nahen Geschäftsleuten zugänglich macht. Zu den Nutzern sollen unter anderem der Putin-Vertraute Arkadi Rotenberg, Rostec-Chef Sergej Tschemesow sowie der Waffen- und Handelsunternehmer Igor Kesaev zählen.
Via Bermuda Richtung Russland
In der aktuellen Berichterstattung des „Wall Street Journal“ spielt auch eine bekannte österreichische Bedarfsfluggesellschaft eine Rolle: Laut den ausgewerteten Dokumenten fungierte Avcon Jet beziehungsweise eine Tochtergesellschaft als Zwischenstation bei der Überführung mehrerer Jets. So soll ein von Sergej Tschemesow genutztes Flugzeug vom Typ Bombardier Global Express zunächst auf Bermuda registriert und von Avcon verwaltet worden sein, bevor es später auf eine russische Gesellschaft umgeschrieben werden sollte. Auch bei weiteren Flugzeugen soll Avcon Jet laut Unterlagen als Betreiber oder Verwalter aufgetreten sein, bevor die Maschinen später russischen Eigentümern oder Nutzern zugeordnet wurden.
Avcon Jet erklärte gegenüber dem Medium, man halte sich strikt an die Sanktionen der Europäischen Union und der USA. Das Unternehmen betont, alle Geschäfte würden unter Einhaltung der geltenden Vorschriften abgewickelt.
Putin-Freund mit Kitzbühel-Bezug
Der langjährige Putin-Mann Arkadi Rotenberg hatte bereits in der Vergangenheit Bezugspunkte zu Österreich: Im Juni 2023 legte eine internationale Recherche nahe, dass der Oligarch, dessen Vermögen auf gut fünf Milliarden Euro geschätzt wird, mit seinem Netzwerk in Kitzbühel indirekt den Kauf eines noblen Chalets finanziert haben könnte. Das Anwesen soll auch von Putins Tochter genutzt worden sein.
Spekulationen in Ungarn
Avcon Jet, dessen größter Gesellschafter laut österreichischem Firmenbuch eine Marblealpha Enterprises Limited auf Zypern ist, war schon im April 2026 im Zusammenhang mit Bedarfsflügen in die Schlagzeilen geraten. Dabei ging es laut „ZackZack“ um zwei von Ungarns vermögendstem Mann und Orban-Vertrauten Lörinc Meszaros genutzte Privatjets mit österreichischer Registrierung. Ein Flug nach Abu Dhabi sorgte damals für Spekulationen über eine mögliche Kapitalflucht. Antworten von Avcon Jet blieben aus.
Die Firmengruppe von Lörinc Meszaros hatte sich im Jahr 2024 übrigens für Sport-Investments in Österreich interessiert: Damals kam es zu Verhandlungen mit dem Fußball-Traditionsklub FK Austria Wien, der Geldgeber für Anteile an der Aktiengesellschaft suchte und überdies einen Abnehmer für das Stadion benötigte. Am Ende wurde die Generali Arena um 39,4 Millionen Euro an die Stadt Wien verkauft.
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