Nachdem das Frühjahr heuer warm und trocken war, wächst das heimische Steinobst besonders gut. Während der Blütezeit gab es kaum Frost – aufgrund des relativ trockenen Wetters blieb der Pilzbefall aus. Der nötige Regen in den vergangenen Tagen sorgte dafür, dass die Bäume nun voller Früchte hängen. In den Tälern hat die Ernte bereits begonnen.
Obwohl die Vorarlberger Obstbauern Kirschen eher im kleinen Stil anbauen, ist die Frucht fest in der Region verwurzelt. Neben den traditionellen, hohen Bäumen setzen die Betriebe immer mehr auf niedrigere Anlagen, die sich leichter bewirtschaften lassen, informieren die Experten der Landwirtschaftskammer Vorarlberg. Dafür veredeln die Landwirte die Bäume auf schwach wachsende Unterlagen und schneiden sie so, dass sie nicht höher als 4,50 Meter werden.
Viel Licht und Vorteile bei der Ernte
Immer mehr Ländle-Betriebe nutzen das sogenannte „Drapeau-Marchand-System“. Bei dieser Methode pflanzt man die jungen Bäume schräg und hält sie an den Seiten sehr schmal. Es entstehen Fruchthecken, bei denen alle Kirschen genug Licht bekommen. Das bremst das Wachstum nach oben ab und macht es den Erntehelfern deutlich leichter, die Früchte zu pflücken.
Schutz vor Hagel, Starkregen und Insekten
Diese niedrigen Anlagen bieten vor allem einen Vorteil: Man kann sie gut schützen. Anders als die alten, hohen Bäume lassen sich die kleinen Varianten schnell mit Folien und Netzen abdecken, wenn Hagel, Starkregen oder Schadinsekten drohen. Ein weiterer Vorteil: Die Bauern müssen viel weniger chemische Spritzmittel einsetzen. Zudem können die Früchte länger am Baum reifen, wodurch sie größer werden und besser schmecken. Sobald die Ernte vorbei ist, öffnen die Bauern die Dächer und Netze wieder.
Unterschiedliche Erntezeiten
Wann genau die Kirschen reif sind, hängt stark von der Höhenlage ab. Im Rheintal und im Walgau pflücken die Bauern bereits frühe Sorten wie „Burlat“. Im Kirschendorf Fraxern auf rund 700 Metern Seehöhe startet die Ernte dagegen erst in zwei bis drei Wochen. Sie wandert dann langsam den Hang hinauf, bis auch die Bäume am oberen Dorfende auf etwa 1000 Metern Seehöhe reif sind.
Die Vorarlberger verkaufen ihre Kirschen meistens direkt ab Hof oder auf den Wochenmärkten in der Region. Viele Kunden essen sie frisch, ein Teil der Ernte wird aber auch zu Kompott, Kuchen oder zu Schnaps wie dem bekannten „Fraxner Kirschbrand“ verarbeitet.
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