Walter Tschon, stellvertretender Umweltanwalt von Tirol, legt seine Sicht der Dinge zu den Kraftwerksplänen des Landesenergieversorgers Tiwag dar.
Als vorbildliches Projekt auf allen Linien bezeichnet Tirols Vize-Landesumweltanwalt Walter Tschon das Innkraftwerk Haiming-Imst, das die „Krone“ am Sonntag detailliert erklärte. 60.000 Haushalte können künftig mit sauberem Strom versorgt werden.
Der Bau des 680-Millionen-Euro-Vorhabens erfolge sorgsam, umwelt- und ressourcenschonend sowie unter Einbindung der Bevölkerung. „Wir als Landesumweltanwaltschaft hatten bereits in der Projektierungsphase die Möglichkeit, entsprechende Vorschläge im Sinne der Natur und Umwelt einzubringen. Der Großteil dieser Aspekte fand bereits im erstinstanzlichen Verfahren Berücksichtigung“, so Tschon.
Seit 2012 wurden 80 Kraftwerke genehmigt
Seit 2012 sind übrigens mehr als 80 neue Wasserkraftwerke kleiner und mittlerer Größe in Tirol projektiert und genehmigt worden und mehrere dieser Kraftwerke sind auch schon im Betrieb bzw. derzeit aktuell im Bau befindlich (Kühtai, Imst-Haiming, Tauernbach-Gruben etc.).
„All diese Wasserkraftwerke wurden in gutem Einvernehmen und im Rahmen von zahlreichen Vorbesprechungen akkordiert und fanden schlussendlich auch nach entsprechenden Projektadaptierungen die Unterstützung und Zustimmung der Landesumweltanwaltschaft“, verweist Tschon auf das Miteinander in dieser Causa.
Große Wasserkraftwerke, insbesondere Pumpspeicherkraftwerke, sollen auch weiterhin möglich sein, müssen aber ökologisch vertretbar sein.

Walter Tschon
Bild: Christof Birbaumer
Natürlich ist er nicht immer einer Meinung mit den Projektwerbern – Stichwort Kaunertal. „Wir haben schon vor zehn Jahren angemerkt, dass das in dieser Form projektierte Kraftwerk im Kaunertal unter Heranziehung des Platzertales nicht die Zustimmung der Landesumweltanwaltschaft findet.“ Das sei aber keinesfalls als generelles Nein für Groß-Kraftwerke zu verstehen. „Große Wasserkraftwerke, insbesondere Pumpspeicherkraftwerke, sollen auch weiterhin möglich sein, müssen aber ökologisch vertretbar sein. Das Kopswerk II in Vorarlberg kann man sich als Vorbild nehmen.“
„Gewusst wo, gewusst wie“
Dabei gelte es aber zu beachten, dass gänzlich neue Wasserkraftwerke stets nach dem Motto „Gewusst wo, gewusst wie“ abzuprüfen sind, um eine unserer wichtigsten Ressourcen – intakte Gewässerlebensräume – nicht über die Maße zu beanspruchen. Grundsätzlich sei es aber vorerst besser, das Augenmerk auf den Ausbau und die Erhaltung bestehender Anlagen zu legen und auch Revitalisierungen von Kleinwasserkraftwerken vorzunehmen.
„Gerade dem offiziellen Land Tirol und damit den Entscheidungsträgern des Landesenergieversorgers kommt in diesem Zusammenhang große Verantwortung zu. Dies schon aus Klimaschutzgründen!
Das majestätisch erhabene Platzertal liegt auf 2300 Metern Seehöhe. Einzigartige Lebensräume wie alpine Moorlandschaften, Trockenbiotope und selten gewordene mäandrierende (gewundene) Gewässerabschnitte sind dort zu finden. Solche besonderen Lebensräume sind so bedeutend für den gesamten Alpenraum, dass sie unter rechtlichem Schutz der EU stehen“, sagt Walter Tschon abschließend.
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