Instagram & Linear-TV

Ein crossmedialer Blick auf das „Wunderteam“

Unterhaltung
03.06.2026 05:00

Von Instagram hinein ins lineare Fernsehen – dieses Experiment wagt der ORF mit einem ballesterischen Projekt, das heute um 20.15 Uhr auf ORF 1 zu sehen ist und mehr als nur eine Einstimmung auf die bald startende Fußball-WM in Kanada, Mexiko und den USA ist.

Als Österreich mit Armut, hoher Arbeitslosigkeit und politischen Spannungen zu kämpfen hatte, sorgte das Fußballnationalteam Anfang der 30er-Jahre für seltene Freuden und eroberte 1932 sogar den Europapokal, den Vorläufer der heute alle vier Jahre ausgetragenen Europameisterschaft. Ein bunt zusammengewürfeltes Team aus einzelnen Persönlichkeiten schrieb Fußballgeschichte und machte Österreich für wenige Jahre zur besten Mannschaft der Welt. Passend zum baldigen Start der Fußball-WM hat der ORF dieses ambitionierte Projekt in die Hand genommen und daraus ein „Multiplattform-Storyprojekt“ erzeugt, wie man es selbst bezeichnet. Übersetzt bedeutet das, dass mein seit Ende März regelmäßig auf Instagram postet und von der Digitalplattform hinüber ins lineare Format geht, wo heute um 20.15 Uhr auf ORF 1 „True Stories: Das Wunderteam“ ausgestrahlt wird.

Doch Achtung: Die Produktion rund um Aufstieg und Glanzzeit des Wunderteams ist keine reine Doku, sondern mit fiktionalen Elementen vermischt. So verkörpert Christian Strasser etwa die raue Trainer-Legende Hugo Meisl, während Lukas Hanus „den papierenen“ Kultkicker Matthias Sindelar personifiziert.

Im Laufe der Dreharbeiten wurde auch das Ernst-Happel-Stadion bei einem Länderspiel spontan ...
Im Laufe der Dreharbeiten wurde auch das Ernst-Happel-Stadion bei einem Länderspiel spontan okkupiert.(Bild: Roman Zach-Kiesling)

Eine Brücke bauen
„Uns war es wichtig, den Fußball im Einklang mit der Geschichte zu vermitteln“, erzählt Gerald Heidegger, beim ORF-Ressortleiter für Zeitgeschichte, „wir wollen damit eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart bauen.“ Auch klar: Durch den Fokus auf Instagram, mit dessen bisherigem Verlauf man sich zufrieden zeigt, soll vor allem das junge Publikum abgeholt werden, das der Öffentlich-Rechtliche linear nicht mehr so einfach erreicht. „Es geht darum, Geschichte lustig und unterhaltsam zu präsentieren“, ergänzt die Sendungsverantwortliche Caroline Haidacher, „auf Instagram findet ein viel direkterer und dichterer Austausch statt. Die User kommen selbst mit Wissen und Ideen und fragen viel nach.“

Zeitlich war die Umsetzung des crossmedialen Projekts ein Husarenstück. Die Grundidee wurde im November des Vorjahres geboren, Regisseur Paul Poet, auch kein deklarierter Fußballfan, las sich erst einmal intensiv in die Geschichte des „Wunderteams“ ein. „Ich habe mir Sindelar wie einen Popstar vorgestellt, so wie Voodoo Jürgens oder Manu Chao. Er war in der Zeit vor dem ,Anschluss‘ weder Mitläufer noch Widerstandskämpfer.“ Bei der Fiktionalisierung der realen Figur Sindelar war es dem Regisseur wichtig, keine „Geschichtsreinwaschung“ zu betreiben. „Mit der Macht hat er sich gewandelt und wurde selbst zu einem Werbefuzzi, der Ruhm und Geld nachlief. Auch das von ihm gekaufte arisierte Café verschweigen wir nicht.“

Bei Erfolg können sich die Macher durchaus weitere Geschichten als crossmediale Projekte vorstellen. „Das Wunderteam“ könnte den Weg bereiten.

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