Kein Büro, kein Mitarbeiter, kein Vorzimmer: Drei Wochen lang veröffentlichte Grünen-Landesrat Stefan Kaineder seine private Handynummer und lud zum direkten Gespräch ein. Die Resonanz überraschte selbst den Politiker: Sein Handy läutete mehr als 600-mal.
Es war ein ungewöhnliches politisches Experiment: Wer mit Grünen-Landesrat Stefan Kaineder sprechen wollte, musste keinen Termin vereinbaren und keine E-Mail schreiben. Der Politiker veröffentlichte seine private Telefonnummer und stellte sich drei Wochen lang direkt den Fragen, Sorgen und Anliegen der Bevölkerung.
2300 Minuten oder 38 Stunden telefoniert
Die Bilanz fiel am Montag beachtlich aus. Mehr als 600 Anrufe gingen bei Kaineder ein. Die Gespräche dauerten zusammengerechnet rund 2300 Minuten oder mehr als 38 Stunden. „Es gab Tage, da hat das Handy beinahe durchgehend geläutet“, berichtet der Landesrat.
Vom Maturanten bis zum Pensionisten
Die Themen reichten von Arbeitsplätzen und Wirtschaft über Energieversorgung und Windkraft bis hin zu Pflege, Teuerung und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Angerufen hätten Menschen aller Altersgruppen und aus unterschiedlichsten Lebensbereichen.
„Jede Minute war es wert“
Besonders in Erinnerung geblieben seien Kaineder dabei einzelne Gespräche. So diskutierte ein 18-jähriger Maturant einer Landwirtschaftsschule mit ihm über Bodenverbrauch und Verantwortung gegenüber künftigen Generationen. Ein 13-jähriger Schüler wollte über Steuerpolitik sprechen. Viele ältere Menschen erzählten von ihren persönlichen Sorgen und Erfahrungen.
Für den Grünen-Politiker war die Aktion nach eigenen Angaben eine organisatorische Herausforderung. Gleichzeitig zieht er ein positives Fazit: „Diese drei Wochen waren wahrscheinlich die intensivsten, lehrreichsten und bewegendsten Wochen meines politischen Lebens.“
Die Telefonnummer bleibt übrigens auch nach dem Ende der Aktion aktiv. Kaineder kündigt allerdings an, künftig häufiger zurückzurufen, statt jeden Anruf sofort entgegenzunehmen.
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