Vernissage, Konzert und Theaterstück – geht das in einem? Ja, zeigt die neue Produktion von Jula Zangger im Gold und Pech Theater in Höf-Präbach nahe Graz. „Frauen leben, Frauen sterben“ ist eine Galerie an Grausamkeiten, die Frauen angetan werden – und endet doch hoffnungsvoll.
Wer als Frau mit offenen Augen und Ohren durchs Leben geht, kann die Schlagzeilen nicht übersehen: 13 Frauen, die alleine in diesem Jahr von einem Mann umgebracht wurden. Gisèle Pelicot, betäubt und vergewaltigt von Dutzenden Männern. Kein Wunder, dass Jula Zangger – wie so viele andere – kein „chill girl“ mehr sein will, das alles erträgt. Die weibliche Wut packt sie. Sie schlüpft in die Rolle von Feminismus-Influencerin Tara-Louise Wittwer und zertrümmert einen Tisch.
„Frauen leben, Frauen sterben“ ist ein Destillat feministischer Problemfelder, das Vernissage, Konzert und Performance im Gold & Pech Theater vereint. Isabella Müller-Fuchs‘ Bilder werden eines nach dem anderen angeleuchtet: Frauen mit blutunterlaufenen Augen, Frauen, die nur aus Gliedmaßen bestehen, Frauen, die friedlich zu schlafen scheinen – bis man die Blutlache unter ihrem Kopf sieht. Vesna Petkovic ist genau die Richtige dafür, diese Bilder zu singen. Bassist Reinhard Ziegerhofer begleitet sie. Auch dank dem Duo driftet der Abend nichts ins Depressive ab.
Insgesamt ist „Frauen leben, Frauen sterben“ ein umfassendes Bildungsstück vor allem für jene (Männer), die sich der Thematik noch kaum angenommen haben. Stark ist Zanggers Performance dort, wo sie menschlich ist: Als sie in der Rolle einer Tochter um ihre Mutter, eine 2024 in Wien ermordete Gynäkologin, klagt, oder als Mutter um eine Achtjährige – entführt, missbraucht und getötet von einem Pädophilen.
Ein Raum voller Täter
Am Ende steht aber nicht Verzweiflung, sondern eine Kampfrede: „Wieso hört keiner zu?“, fragt Zangger. Rein statistisch ist jede fünfte Frau von Gewalt betroffen – und jede Tat hat einen Täter. „Es ist bestimmt jemand da“, sagt sie. Die Luft ist dick. Sie hebt die Faust wie im Widerstandskampf, Petkovic singt Bob Marleys „Get Up, Stand Up“ – das ist zwar etwas dick aufgetragen, aber gibt zumindest das Gefühl mit nach Hause, dem Patriarchat nicht ganz alleine gegenüberzustehen.
Weitere Termine: 12. & 27. Juni 2026, jeweils 19.30 Uhr. Ausstellung: 31. Mai–27. Juni; Mi–Sa, 8–20 Uhr.
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