Eine österreichische Familiengeschichte, geprägt von Stille und Traumata: 2021 bekam Lisa Wentz für „Adern“ den Retzhofer Dramapreis. Ursula Leitner bringt das Stück nun auf die Bühne des Gold & Pech Theaters in Höf-Präbach.
Ein Stollen, Gesteinsbrocken, Schienen. Das Innere des Bergs dominiert nicht nur das Leben dieser Familie, sondern auch die Bühne von „Adern“ in Jula Zanggers Gold & Pech Theater in Höf-Präbach. Mit der zweiten Eigenproduktion seit der Eröffnung im Herbst setzt man auf ein Stück, mit dem die 31-jährige Tiroler Dramatikerin Lisa Wentz große Erfolge feierte: 2021 gewann sie dafür den Retzhofer Dramapreis, es folgten umjubelte Inszenierungen, unter anderem am Akademietheater in Wien.
Karg, wie das Leben damals war, in den Tiroler Bergen direkt nach dem Krieg, wirkt das Stück in der Inszenierung von Ursula Leitner von Beginn an. Aloisia, eine alleinerziehende Mutter aus Niederösterreich, reagiert auf eine unübliche Zeitungsannonce: Rudolf, ein verwitweter, fünffacher Vater aus Tirol, sucht eine Frau. Immerhin schauen die Leute, wenn ein Mann den Kinderwagen durchs Dorf schiebt. Das Haus der Familie ist nur eine Holztruhe: Auf dieser imaginären Küchenbank lehnen sich die Eheleute aneinander an. Sie mögen einander, lieben sich sogar, und doch bleibt vieles unausgesprochen. Nachts schreckt Rudi auf, wird immer wieder eingeholt von dem, was im Krieg mit den Zwangsarbeitern im Berg passiert ist. Und auch Aloisia hat ein Geheimnis.
Ein Mann, aus der Zeit gefallen
Zwischen Traumata, Geldsorgen und Alkoholismus ringen Wentz‘ Protagonisten um Nähe und Autonomie. Selina Heindl und Kilian Klapper spielen das Paar facettenreich und einander zugewandt. Die Jahre ziehen ins Land, der Staatsvertrag wird unterzeichnet, und doch wirkt diese Welt wie stehen geblieben: Je weiter das Stück fortschreitet, desto mehr wird Rudolf zum sturköpfigen alten Mann. Im Streit mit seiner ältesten Tochter Theres (vielseitig: Henrietta Rauth) sorgt das auch für einen gewissen Humor.
Benjamin Klug erweckt das Bergwerk akustisch zum Leben und liefert bedrohliche Soundeffekte am Schlagwerk, Frieda Zangger entzückt zum Schluss mit ihrem Bühnen-Debüt. Am lautesten ist an diesem Abend dennoch oft die Stille.
Weitere Termine: 13., 14., 15., 20., 21., 22. März 2026, jeweils 19.30 Uhr. Am 13. März findet im Anschluss ein Publikumsgespräch mit Lisa Wentz statt.
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