Soziale Medien als gefährliches Pflaster: Beim Verfassungsschutz schrillen immer wieder die Alarmglocken. Top-Ermittler der Landespolizei müssen oft heikle Fälle klären. Auch Landeshauptmann Hans Peter Doskozil ist vor Drohungen und Beleidigungen im Netz nicht gefeit.
„Wir wissen, wo du wohnst. Tritt zurück, sonst schneid ma da in Kehlkopf auf, du Sau!“ Mit derart brutalen Drohungen sieht sich Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil immer wieder konfrontiert. Soziale Medien sind längst zum Schlachtfeld der Politik geworden. Was einerseits direkte Kommunikation mit den Bürgern ermöglicht, kann andererseits grausame Züge annehmen.
Drohung löste Alarm aus
Die dunkle Seite des Internets offenbart sich, wenn die betroffenen Zielpersonen pure Aggression zu spüren bekommen. „Morddrohungen gehören mittlerweile im Netz zur Realität politischer Akteure“, wissen Cybercrime-Fahnder aus eigener beruflicher Erfahrung. Im Fall von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, der sich auf das Frühjahr 2025 bezieht, ließ ein ungezügelter verbaler Angriff auf sein Leben sofort alle Alarmglocken schrillen.
Täter rasch überführt
Der Verfassungsschutz hatte sich eingeschaltet, die Landespolizeidirektion ermittelte auf Hochtouren. Bereits eine Stunde nach der Morddrohung konnte der Verdächtige – übrigens kein Burgenländer – ausgeforscht und einvernommen werden. Wie die Aufarbeitung des Falles ergab, dürfte es sich um „a bsoffene Gschicht“ gehandelt haben. „Die Behörden haben damals professionell reagiert. Für uns ist die Sache damit erledigt und wird nicht weiterverfolgt“, heißt es aus dem Büro des Landeshauptmannes auf „Krone“-Anfrage.
Landeshauptmann behält die Ruhe
Doskozil selbst betont, dass ihn persönliche Angriffe oder virale Shitstorms grundsätzlich nicht aus der Ruhe bringen. „Prinzipiell lässt mich das kalt. Wer in der Politik tätig ist, darf kein Glaskinn haben, schon gar nicht in der politischen Auseinandersetzung. Kritik gehört dazu, auch harte. Das halte ich aus“, bleibt Doskozil, dem erst vor wenigen Wochen der Kehlkopf entfernt und eine Stimmprothese eingesetzt worden ist, gelassen.
Wüste Beschimpfungen, Shitstorms, Fake-Profile – unverschämte Angriffe über das Internet werden für Politiker immer mehr zur Belastungsprobe.
Ein Ermittler des Landeskriminalamtes
Den Tätern ist die Tragweite ihres strafrechtlich relevanten Vorgehens oft gar nicht bewusst. „Mich persönlich beschäftigen derartige Angriffe nicht länger als notwendig. Als Verantwortlicher muss ich aber dafür sorgen, dass dort, wo Grenzen überschritten werden, konsequent reagiert wird. Es geht vor allem um den Schutz jener, die sich nicht so leicht wehren können“, erklärt der Landeshauptmann.
Fake-Profile, um Falschmeldungen zu verbreiten
Ein wachsendes Problem sind Fake-Accounts, die gezielt eingesetzt werden, um politische Stimmungen zu beeinflussen. Diese Profile, die sich als Hans Peter Doskozil ausgeben und täuschend echt wirken, treten in seinem Fall oft nicht vereinzelt auf, sondern agieren koordiniert. „Über etliche Online-Plattformen werden zeitgleich ähnliche oder identische Inhalte verbreitet. Ob beleidigende Kommentare, verzerrte Darstellungen oder schlichtweg falsche Behauptungen – diese Form der digitalen Einflussnahme ist im Vorfeld der letzten Landtagswahl besonders häufig aufgetreten“, ist aus Doskozils Büro zu erfahren.
Die ernüchternde Erkenntnis: „Viele dieser Profile, darunter echte Nutzerkonten, lassen sich anhand der veröffentlichten Inhalte und ihres Auftretens im Feed oft klar einem bestimmten politischen Lager zuordnen.“
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