Ein Kommentar von Claus Meinert, Chefredakteur der „Tiroler Krone“, zur Verkehrssituation am Brenner und zu möglichen Folgen der Sperre.
13,6 Millionen Fahrzeuge passierten im Vorjahr die Mautstelle am Schönberg und nutzten somit die wichtige Nord-Süd-Verbindung. Der Löwenanteil davon ging auf die Kappe der Pkw mit 10,9 Millionen (sechs Prozent weniger als 2024). Dazu kamen 2,4 Millionen Lkw (ein Plus 2,4 Prozent), vorwiegend sogenannter Transit. Dass die Belastung der Bevölkerung im Wipptal durch Lärm, Abgase und Staus groß ist, steht zweifelsfrei fest.
Diese Zahlen lassen sich nicht wegdiskutieren. Ebenso nicht, dass die politischen Beteuerungen aller Couleur inklusive der Grünen in den vergangenen Jahrzehnten genau Null Erfolg hatten.
Sehr wohl darüber diskutieren kann man, ob die heutige Demonstration und damit verbunden die achtstündige Totalsperre der Brennerautobahn samt aller Nebenrouten der Weisheit letzter Schluss ist. Eine der wohl wichtigsten Fragen lautet: Was bringt diese Sperre, wem hilft oder schadet sie? In den Nachbarländern Italien und Deutschland (vor allem in Bayern) ist man stinksauer. Man spricht von purer Schikane. Die Sperre schaffe Ärger und Frust bei allen Beteiligten, treffe Familien am Weg in den Urlaub und sei „Gift für die Logistikbranche“.
Wenn es heute am Abend ab 19 Uhr wieder freie Fahrt über den Brenner heißt, drängt sich noch eine finale Frage auf: Wie geht es nun weiter? Klar ist: Zur Förderung eines guten Klimas bei künftigen (politischen) Gesprächen war diese Demo wenig dienlich. Eher ist zu befürchten, dass die Fronten weiter verhärtet sind.
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