Kollege entkam
Zwei deutsche Ingenieure im Irak entführt
Der Sprecher der Chemiefabrik, in der die beiden Männer arbeiteten, berichtete, die Kidnapper hätten den Deutschen, die in einer irakischen Kaserne in Beji übernachtet hätten, am Morgen auf dem Weg zur Arbeit aufgelauert. Die Entführer seien in zwei Fahrzeugen vorgefahren und hätten Uniformen der irakischen Nationalgarde getragen. Sie zwangen die Deutschen nach Aussage des Sprechers, aus ihrem Auto auszusteigen, und fesselten ihnen die Hände. Dann hätten sie die Ingenieure in den Kofferraum ihrer zwei Autos geworfen und seien davongefahren.
Die beiden Ingenieure seien mit einem weiteren deutschen Kollegen und einem Iraker unterwegs gewesen, sagte der Sprecher der arabischen Firma für Reinigungsmittel weiter. Den Iraker und den dritten Deutschen hätten sie verschont, weil sie beide für Araber gehalten hätten.
Die Polizei hatte erst berichtet, die Entführer hätten traditionelle irakische Kleidung getragen. Mit welchem deutschen Unternehmen die Reinigungsmittelfirma zusammenarbeitete, war zunächst unklar.
Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte in Berlin, der Krisenstab im Auswärtigen Amt habe am Vormittag bereits das erste Mal getagt. "Wir sind bemüht, alle erreichbaren Informationen zu bekommen." Der Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Rüdiger von Fritsch, sagte, die Meldungen über die Entführung würden geprüft. Dabei seien auch BND-Beamte im Einsatz.
Osthoff war erste deutsche Geisel
Osthoff war am 25. November als erste Deutsche seit dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein im Irak entführt worden. Am 18. Dezember wurde sie freigelassen. Berichte, wonach sie gegen Zahlung von Lösegeld freikam, kommentierte die Bundesregierung nicht. Das Auswärtige Amt rät in seinen Reiseempfehlungen für den Irak allen Deutschen dringend, das Land zu verlassen. "Das Risiko von Entführungen ist sehr hoch", heißt es in der aktuellen Reisewarnung.
Beji liegt etwa 200 Kilometer nördlich von Bagdad im so genannten sunnitischen Dreieck. Rund um die Ölraffinerie von Beji befinden sich in einem Industriegebiet mehrere Betriebe der chemischen Industrie. In der Stadt hat es seit dem Sturz von Saddam Hussein zahlreiche Anschläge von Aufständischen und Terroristen gegeben. Saboteure hatten zudem mehrfach die Pipeline, die die Ölfelder von Kirkuk mit der Bedschi-Raffinerie verbindet, beschädigt.
Seit der US-Invasion im Irak und dem Sturz des Präsidenten Saddam Hussein sind im Irak Tausende Menschen entführt worden, darunter Hunderte Ausländer. Die meisten wurden wieder freigelassen, Dutzende wurden jedoch getötet.
Foto: Symbolbild
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