24.01.2006 12:22 |

"Sturmfreie Bude"

Wilde Teenager-Partys im Palast

Tanz und Flirt, Alkohol und Drogen im estnischen Präsidentenpalast beschäftigen seit Tagen die Bürger der kleinen Ostseerepublik. Ein Fernsehbericht des Senders ETV deckte vorige Woche auf, was viele verwunderte. Staatsoberhaupt Arnold Rüütel (77) und Gattin Ingrid (70) beherbergen in ihrem Amts-und Wohnsitz die Enkel Helena (15) und Maria (13) - und die machten, was Kindern in jenem Alter so einfällt: Teenager-Partys.

Dabei ist es offensichtlich hoch hergegangen. Wenn Großpapa auf Staatsbesuchen weilte, nutzten Helena und Maria die "sturmfreie Bude" und luden Freunde zu sich nach Hause ein, in den ehrwürdig barocken Kadriorg-Palast. Gute Weine, importierte Spirituosen, Zigaretten, halb nackte Jungs - der Sender gab Fotodokumente an estnische Zeitungen weiter. Es soll Discostimmung inmitten jener Räume geherrscht haben, die sonst hohen Besuchern vorbehalten sind. Seit Oktober 2005 seien die Festzimmer mehrfach von den Minderjährigen zweckentfremdet worden.

Problemkinder
Nach dem Gang in den Weinkeller sollen die Jugendlichen weiter auf das Dach des Palasts geklettert sein, um von dort den Ausblick über die Altstadt und Hafen zu genießen. Aber wohl auch, um in den Hof zu pinkeln, dorthin, wo sonst die Ehrenwache Stellung nimmt. Bunte Blätter mutmaßten nicht nur per Fotos über den Konsum illegaler Drogen. "Wir entschuldigen uns dafür, was in der Residenz passiert ist", ließ das Ehepaar Rüütel zunächst verlauten. Politikerkinder seien nicht immer problemlos.

Aus dem Ruder gelaufen
Doch waren vielleicht sogar Amtsräume zugänglich, geheime Dokumente in Reichweite? Immerhin mussten in dieser estnischen Legislaturperiode bereits zwei Minister wegen unverantwortlichen Umgangs mit vertraulichen Akten ihren Rücktritt einreichen. "Selbst wenn einige Feiern wohl aus dem Ruder gelaufen sind", so sagte Präsident Rüütel am Montag vage, habe nie Gefahr für Staatsgeheimnisse bestanden. Der Sicherheitsdienst werde eine Revision durchlaufen.

In der Neujahrsansprache hatte sich der ehemalige Kommunist mit Erziehungsfragen auseinander gesetzt. Helena und Maria leben bei ihm offiziell auf Grund einer "Familienvereinbarung". Rüütels Tochter Maris Leif, Mutter der Sorgenkinder und Künstlerin, nannte im Fernsehen ihre eigenen "finanzielle Sorgen" als Grund.

"Sie haben verstanden, was sie falsch gemacht haben und bereuen es zutiefst", ließ die Familie Rüütel am Montag nach der Rückkehr von einer US-Visite zum Verhalten der Enkelinnen bekannt geben, um den Zoff diplomatisch zu beschreiben.

Foto: Symbolbild