Er war eine "Sie"

Londoner Wal wurde obduziert

Ausland
25.01.2006 14:28
Der vor London aufgetauchte und wenig später trotz einer dramatischen Rettungsaktion verendete Wal „Wally“ ist an einer Kombination aus Austrocknung, Muskelschäden und Nierenversagen gestorben. Das teilten britische Veterinäre und Meeresbiologen am Mittwoch nach einer Obduktion der 5,85 Meter langen Walkuh mit. Londoner Medien hatten das Tier am Montag nachträglich "Wally" getauft - in Anlehnung an den Hollywood-Wal namens Willy.

Das Meeressäugetier hatte sich aus der Nordsee in die Themse verirrt und war am vergangenen Freitag unter den Augen Zehntausender an Sehenswürdigkeiten mitten in London vorbeigeschwommen. Die Walkuh, die sich mehrfach verletzte, strandete am Samstag bei Ebbe. Bei einem dramatischen Versuch, sie mit einer Barkasse ins offene Meer zu bringen, starb sie am Samstagabend.

Überreste gehören eigentlich der Queen
Was mit ihren sterblichen Überresten geschehen soll, darüber rätselten Londoner Medien: Die Boulevardzeitung "Sun" schlug vor, aus dem Skelett ein Denkmal zu gestalten, mit dem an das Aufsehen erregende Auftauchen der Meeresriesin mitten in der britischen Metropole erinnert wird.

Das Blatt stellte für die Sicherung der Wal-Gebeine 10.000 Pfund (15.000 Euro) bereit und rief zu Spenden auf. Offiziell gehöre der Walkadaver nach den Bestimmungen eines Bergungsgesetzes von 1324 Königin Elizabeth II., berichtete die Zeitung. Sie habe sich deshalb mit dem Hof sowie mit dem Britischen Naturkundemuseum in Verbindung gesetzt und die Errichtung eines Denkmals aus dem Walskelett angeregt.

Strafe für freiwillige Helfer?
Für mehrere der freiwilligen Helfer, die sich um die Walkuh kümmerten, soll der Einsatz nach dem Willen der Londoner Verkehrspolizei ein finanzielles Nachspiel haben. Sie hatten wegen des Rettungseinsatzes auf der Themse die Parkuhren nicht füttern können, an denen ihre Autos abgestellt waren. Dafür verlangt die Polizei nun nach Angaben des Senders BBC mehr als 300 Pfund Strafgeld (450 Euro).

Ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums wies inzwischen Vorwürfe zurück, wonach das Orientierungssystem des Wals durch starke Sonargeräte der Marine gestört worden war. Derartige Überlegungen seien "völlig spekulativ". Die Marine habe keine Schiffe in der Nähe der Themsemündung gehabt, als der Wal in der vergangenen Woche den Fluss hinaufschwamm. Zudem hätten Untersuchungen der Echolot-Systeme keine Hinweise auf negative Folgen für die Umwelt erbracht.

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