
Die Tour in den sozialen Medien gefunden, unter 20 Jahre alt, keine Bergerfahrung, sich dramatisch selbst überschätzend und schließlich in akuter Gefahr: Diese Klientel hält derzeit die Bergretter im Tiroler Ehrwald (Bezirk Reutte) auf Trab. Die warnen vor der gefährlichen neuen Entwicklung.
Sie kommen aus aller Herren Ländern – aus Deutschland, Italien, Tunesien, den USA und sogar aus Indien. Eines eint sie, weiß Robin Lutnig, Chef der Bergrettung Ehrwald: „Sie sind über die sozialen Medien auf Touren gestoßen und sehen die Berge als Spielplatz.“
„Spielplatz“ Zugspitze, Sperren werden ignoriert
Besonders gern „spielen“ die jungen Pseudoalpinisten auf der Zugspitze (2962 m), dem höchsten Berg Deutschlands, auf den eine beliebte Route von Ehrwald aus führt. Allein am vergangenen Sonntag mussten die Bergretter dort gleich drei feststeckende Bergsteiger sicher ins Tal bringen. Sie haben alle sogar eine deutlich erkennbare Steigsperre ignoriert. „Je extremer eine Tour zu sein scheint, desto lieber haben sie es“, bedauert Lutnig.
Die jungen Leute haben zwar oft eine gute Ausrüstung dabei, wissen aber nicht, wie man damit umgeht.

Robin Lutnig, Ortsstellenleiter Bergrettung Ehrwald
Bild: Bergrettung Ehrwald
Ohne Tourenplanung ins Verderben
Oftmals handelt es sich um Freundesgruppen, die ein „schönes“ Video in den sozialen Medien quasi inspiriert haben. Sie starten ohne Tourenplanung in der Überzeugung, dass „da eh nichts dabei sei“.
Gespür für TikTok, aber nicht für die Berge
Eindrucksvolle Videos, eventuell noch präsentiert von einer hübschen jungen Influencerin, und die Realität am Berg stellen freilich zwei komplett verschiedene Paar Schuhe dar. „Diese meist unter 20-Jährigen sind in der Regel gut ausgerüstet und konditionell auf der Höhe, es fehlt ihnen aber jede Erfahrung und jedes Gespür für die Berge“, schüttelt Lutnig ungläubig den Kopf.
Umdrehen gibt es nicht
Regina Poberschnigg, Stellvertreterin von Lutnig, spricht von einem erschreckenden neuen Trend. „Diese jungen Leute gehen häufig stundenlang im Schnee, ohne zu bedenken, dass sie auch noch zurück oder die letzte Talfahrt der Zugspitzbahn erwischen müssen. Umdrehen gibt es für sie nicht“, ärgert sie sich.
Dramatische Konsequenzen
Die Konsequenz laut der erfahrenen Bergretterin: „Schließlich fehlt ihnen die Kraft für den Rückweg, sie geraten in die Dunkelheit und in Panik. Dann weinen sie Rotz und Wasser und schlagen Alarm.“
Schließlich fehlt ihnen die Kraft für den Rückweg, sie geraten in die Dunkelheit und in Panik. Dann weinen sie Rotz und Wasser und schlagen Alarm.“

Regina Poberschnigg, Bergrettung Ehrwald
Bild: Christof Birbaumer
30 „blockierte“ Wanderer gerettet
Rund 30 solcher Pseudoalpinisten, die nicht mehr weiterkamen bzw. sich nicht mehr weitertrauten, holten die Ehrwalder Bergretter in der noch sehr jungen Wandersaison schon aus ihren misslichen Lagen. Zum Glück blieben alle praktisch unverletzt.
Lawinentoter Anfang Dezember
Im Dezember des Vorjahres wurde hingegen ein 19-jähriger Deutscher von einer Lawine aus dem Klettersteig zur Zugspitze gerissen und verschüttet. Für den jungen Mann kam damals jede Hilfe zu spät.
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