Eine solche Forderung haben die Einsatzkräfte im Tiroler Ehrwald (Bezirk Reutte) noch nie erlebt. In einer E-Mail verlangt ein Bergsteiger allen Ernstes, gratis gerettet zu werden, falls er bei einer Tour auf die Zugspitze im kommenden Frühjahr in Schwierigkeiten geraten sollte.
Tiroler Bergretter und Hubschrauber mussten in den vergangenen Tagen verstärkt zur Rettung von Teenagern in Bergnot ausrücken. Anfang Dezember starb ein 19-Jähriger unter einer Lawine bei einer Tour zur Zugspitze – sein Begleiter überlebte.
Wenige Tage später gerieten ein 15- und ein 16-Jähriger dort in Bergnot. Am Neujahrstag holte der Polizeihubschrauber „Libelle“ Tirol vier völlig erschöpfte Alpinisten – drei davon 18 bzw. 20 Jahre alt – aus der Stopselzieherroute zur Zugspitze. Und am selben Tage rettete der Notarztheli „RK-2“ einen im Lechtal abgestürzten 17-jährigen Belgier.
Skurrile E-Mail
Von dem Einsatz auf der Zugspitze und anderen Einsätzen mit Helikopter-Beteiligung hat auch ein der Redaktion namentlich bekannter – mutmaßlicher – Alpinist erfahren und sich daraufhin in einer ganz speziellen E-Mail an die Bergrettung Ehrwald gewandt.
Darin ist unter anderem folgendes zu lesen: „Ich plane im Frühjahr die Zugspitze auch über den Stopselzieher (sic!) und rechne damit, dass mich auch der Hubschrauber holt, wenn ich nicht mehr weiterkomme, und zwar kostenlos.“
Nachsatz: „Das meine ich ernst!“
Beim Lesen dieser Mail verstummte zunächst sogar die sonst wortgewaltige Ortsstellenleiterin der Bergrettung Ehrwald, Regina Poberschnigg.
Laufend Rettungseinsätze für Teenager
Ob Zeit für eine ausführliche Antwort bleibt, ist fraglich. Denn Poberschnigg und ihre Kollegen stehen derzeit fast im Dauereinsatz für junge Alpinisten, den sie auch auf Beiträge in sozialen Medien zurückführen.
Inzwischen habe ich immer wieder das Gefühl, dass manche denken, bei einer Notlage würde sie ohnehin der Hubschrauber retten.

Riccardo Mizio, Einsatzleiter Bergrettung Ehrwald
Bild: Bergrettung Ehrwald
„Beiträge in sozialen Medien locken viele in die Berge – vor allem dann, wenn von tollen Bedingungen zu lesen ist“, weiß sie. „Von Restrisiko und Kälte ist da allerdings kaum etwas zu lesen“, ärgert sie sich. Und Riccardo Mizio, Einsatzleiter der Bergrettung Ehrwald am Neujahrstag, bestätigt: „Die sozialen Medien machen in diesem Zusammenhang tatsächlich sehr viel aus.“
Auch Junge überschätzen sich
„Mit 19 Jahren meint jeder, er sei so gut“, ortet Poberschnigg Selbstüberschätzung bei der ganz jungen Generation. „Aber Winterbegehungen sind sehr speziell, einmal von der Route abgekommen, wird es in Schnee und Eis kritisch“, warnt sie. Da nütze den Jungen die beste Ausrüstung nichts.
Vogelwild in den Bergen
„Vogelwild seien einige zur Zugspitze unterwegs. Das ist nicht mehr normal“, schütteln Einsatzkräfte inzwischen ungläubig den Kopf. Wie Lemminge folgten am Neujahrstag auch die drei Deutschen und ein Slowake Fußspuren abseits der Route. Gegen 13 Uhr steckten sie dann entkräftet fest.
„Wir sind ja versichert!“
Einsatzleiter Riccardo Mizio telefonierte mit einem der Bergsteiger, um die Rettung zu koordinieren. „Wir wollten das Quartett, das eine Rettungsdecke gegen die Kälte hatte, zunächst terrestrisch bergen“, schildert Mizio. Er hat die Alpinisten informiert, dass die Einsatzkräfte in einer Stunde bei ihnen seien. Die Antwort: „Das halten wir nicht so lange aus.“ Nachsatz: „Wir sind ja versichert!“
„Libelle“ Tirol als rettender Engel
Die Konsequenz: Die Bergretter alarmierten den Polizeihubschrauber „Libelle“ Tirol. Dieser flog die vier Unverletzten ins Tal.
Den erfahrenen Bergretter beschlich darauf – nicht zum ersten Mal – das Gefühl, dass inzwischen viele in den Bergen unterwegs sind, mit dem Kalkül, im Notfall komme ohnehin der Helikopter angeflogen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.