Trotzdem ESC-Kritiker

Songcontest war für Poier „mehr Segen als Fluch“

Steiermark
10.05.2026 11:00

Cosmo tritt heuer beim Songcontest mit dem „Tanzschein“ für Österreich an. Währenddessen macht Alf Poier seinen „Kunstschein“. Zwischen Provokation und ESC-Abrechnung blickt der „Unberechenbare“ auf seinen legendären Katzerl-Auftritt zurück – brachte es mehr Segen oder Fluch?

Während die ersten Proben zum Songcontest in der Wiener Stadthalle laufen, läuft Alf Poier (59) bei seiner Ausstellungseröffnung zur Hochform auf.Viele sind in die Wiener Galerie Kaiblinger gekommen, um den „Meister der gepflegten Absurdität“ live zu erleben. „Für diesen Termin zeitnah zum Songcontest habe ich mich erst vor drei Wochen entschieden“, verrät Alf Poier. Mit „blauem Stern“ im Gesicht kokettiert der Murtaler unübersehbar mit seiner ESC-Vergangenheit, die er mit den ausgestellten Requisiten seines Auftritts beim Songcontest 2003 lebendig hält.

Unter dem Moto „Cosmo hat den Tanzschein, Poier hat den Kunstschein“ zückt das Publikum den Geldschein, um einen „echten Poier“ zu ergattern. „Bei meiner letzten Ausstellung habe ich sehr viele Bilder und Zeichnungen verkauft, aktuell schaut’s wieder sehr gut aus“, freut sich der dadaistische Bühnenmensch, dem der lukrative Kunstmarkt trotz Ressentiments nicht verwehrt blieb. Seine originellen Arbeiten werden im fünfstelligen Euro-Bereich verortet. Und es zeigt sich, dass Poier weniger als klassischer Kabarettist, sondern vielmehr als Gesamtkunstfigur wahrgenommen wird.

Nach ESC-Auftritt: „Wurde wie der neue Messias gefeiert“
Alf Poier blickt auf lukrative Non-Stopp Tourneen mit 250 Kabarettaufritten im Jahr zurück. Befeuert wurden diese Glanzzeiten unbestritten vom Auftritt beim Songcontest 2003 in Riga. Kurze Rückblende. Mit dem Liedchen über die kleinen Haserln mit den kurzen Naserln landete der von allen Wettbüros abgewertete Kabarettist auf den respektablen sechsten Platz. Von der Bühne geflüchtet, verkroch sich Poier monatelang zum Meditieren und Buddhismus-Inhalieren in eine Höhle in der Obersteiermark, während Medien aus halb Europa fieberhaft nach dem Verschollenen suchten. „Ich bin dann mit neuer DVD aufgetaucht, die sofort die Charts stürmte. Ich wurde wie der Messias gefeiert. Alle Kabarettabende waren auf lange Zeit restlos ausverkauft. Mir hat der Songcontest eindeutig mehr Segen als Fluch gebracht“, bilanziert der HAK-Maturant die Zeit nach dem ESC-Auftritt.

Fernab von posttraumatischen Belastungsstörungen könne sich Poier sogar nochmals eine Teilnahme beim Songcontest vorstellen. „Ja, aber nicht als Künstler, sondern als Texter, Komponist oder Berater künftiger Teilnehmer“, lässt der ESC-Rebell aufhorchen, der dem weltgrößten Musikwettbewerb nur mehr ein Klagelied singt. „Früher hat es noch eingängige Refrains und Lieder gegeben, die noch immer gespielt werden. Wie „Waterloo“ von Abba, Toto Cutugnos „Insieme“ oder „Love Shine a Light” von Katrina and The Waves. Wenn man nun den ganzen Firlefanz von der Bühne nimmt, bleibt nix mehr von den Interpreten übrig“.

Seiner Meinung nach ist der Bewerb komplett von Lobbys vereinnahmt worden. In diesem Zusammenhang will Poiers Bemerkung über die „verschwulte Zumpferl-Romantik“ nicht verjähren.„Der ESC ist ein einziges Politikum, das sich heuer besonders mit den Absagen traditioneller Teilnehmerländer aufdeckt“.

Apropos Absage: Die hat Alf Poier unserem Bundespräsidenten Van der Bellen erteilt, der alle heimischen Songcontest-Vertreter zum Klassentreffen versammelte. Alf Poier schwänzte, warum? „Als ich in der Einladung von der „kulturellen Vielfalt“ gelesen habe, war die Sache für mich schon erledigt“. Dennoch kann sich Alf Poier dem Musikspektakel nicht ganz entziehen. „Ich schaue mir das ESC-Finale mit einigen ehemaligen Teilnehmern bei einer Party am Wiener Graben an. Da kann ich jederzeit gehen, wenn’s mir zu viel wird. Ja – noch was. Ich möchte meiner Mama über die „Steirerkrone“ alles Gute zum Muttertag wünschen. Aufgrund vieler Termine in Wien komme ich leider nicht heim“. Am Geschenk wird noch „gebastelt“ – Alf Poier schreibt an seiner ersten Biografie, die im Herbst erscheinen wird.

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