Mit einer perfekten Masche gelang es Betrügern vor Kurzem, eine Tiroler Transportfirma zu täuschen und Ware im Wert von 60.000 Euro zu stehlen (die „Krone“ berichtete). Nun kam die italienische Polizei den Gaunern auf die Spur und stieß dabei auf Diebesgut in Millionenhöhe. Doch die Gefahr, mit dem viele Transporteure kämpfen, besteht weiterhin ...
„Fünf bis zehn E-Mails von Fake-Frächtern bekommt man jeden Tag“, benennt Thomas Oberhammer, Niederlassungsleiter von Haberl Logistik in Kematen, das Problem: Betrüger nehmen Transportfirmen ins Visier. Zuletzt traf es trotz aller Vorsicht Haberl Logistik selbst.
„Wir haben von einem italienischen Kunden einen Frachtauftrag bekommen, Edelstahlbleche im Wert von 60.000 Euro von Italien nach Deutschland zu liefern“, erklärt Oberhammer. Weil die eigenen Frächter keine Kapazitäten hatten, wurde der Auftrag über eine Internet-Frachtbörse weiterverkauft. Hier wird es gefährlich: Betrüger geben sich als Transportfirma aus, etwa, indem sie echte Unternehmen hacken oder deren Identitäten stehlen. „Da muss man so vorsichtig sein. Auch, weil KI immer besser wird“, klagt Oberhammer.
Es ist schlimm, wenn man nur mehr so arbeiten kann: mit null Vertrauen.
Thomas Oberhammer, Haberl Logistik
Ware abgeholt, aber nie angekommen
Auf sein Gesuch nach einem Transporteur meldete sich letztlich eine Firma, die einen seriösen Eindruck machte: „Es hat alles gepasst, die Dokumente waren okay, eine Telefonnummer war angegeben, ich habe sogar mit jemandem telefoniert“, erinnert sich der Niederlassungsleiter. Er übergab den Auftrag – und die Falle schnappte zu.
Denn die Bleche wurden abgeholt, kamen aber – wie berichtet – nie beim Empfänger an. „Zunächst wurde ich telefonisch noch vertröstet, aber irgendwann war niemand mehr erreichbar“, sagt Oberhammer.
Behörden eingeschaltet – mit Erfolg
Doch der ließ sich nicht unterkriegen, schaltete Versicherung und Polizei ein. Sein Kunde erstattete in Italien ebenfalls Anzeige. Knapp zwei Wochen später wurde die Ware dann tatsächlich in Süditalien gefunden, zusammen mit weiterem gestohlenem Material im Wert von ca. 3,5 Millionen Euro.
Oberhammer ist erleichtert und wird in Zukunft noch mehr Vorsicht walten lassen – so gut das eben geht. Denn: „Schützen kann man sich nur, indem man nur mehr Firmen beauftragt, die einem bekannt sind“, meint er. „Aber auch die werden gehackt. Und es ist schlimm, wenn man nur mehr so arbeiten kann: mit null Vertrauen.“
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