„Hier enthüllte sich am 24. Juli 1895 dem Dr. Sigmund Freud das Geheimnis des Traums?“ Hoch über den Dächern von Wien nächtigte Freud einst im Hotel Bellevue – und im Schlaf tat sich ihm die „Traumdeutung als Königsweg zum Unbewussten“ auf. Das Hotel gibt es nicht mehr, dafür steht hier ein Denkmal zur Erinnerung an die Geburtsstunde der Psychoanalyse und ihren Begründer, der heute seinen 170. Geburtstag feiern würde.
Nicht einmal im Traum wäre dem Jubilar aber wohl eingefallen, dass sich Menschen in aller Öffentlichkeit auf die symbolische Couch legen. #Mentalhealth ist ein echter Trend auf Social Media. Was einerseits gut ist, weil es bei der Aufklärung und Entstigmatisierung psychischer Krankheiten hilft. Andererseits aber – wie so vieles bei TikTok & Co. – absonderliche Ausmaße angenommen hat. ADHS wird als Lifestyle glorifiziert, alles Schwere zum Trauma „getriggert“, und sogar Depressionen werden in Videos mit schön geschminkten, weinenden Mädchen romantisiert. Mit dem Leidensdruck tatsächlich Erkrankter haben diese inszenierten Selbstdiagnosen wenig zu tun.
Freud mag in vielem nicht mehr zeitgemäß sein. In den sozialen Medien jedoch wäre er durchaus fündig geworden. Die auf Hochglanz polierten Scheinwelten sind die Bühne des Ichs, moralische Empörung die Stimme des Über-Ichs und Wut-Kommentare ein Ausdruck des impulsiven Es. Dazu die Selfie-Flut als Spiegelbild des Narzissmus. Was für ein Traum für den Traumdeuter.
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