Es war ein rabenschwarzer Montag für die ÖVP. Ihr langjähriger Klubobmann August Wöginger wurde des Amtsmissbrauchs schuldig gesprochen. Ein noch nicht rechtskräftiges Urteil, das einem politischen Erdbeben gleichkam. Überraschender als der Schuldspruch im Linzer Landesgericht wurde in Wien die rasche Reaktion Wögingers aufgenommen. Etwas Mitleid mit „dem Gust“ war bei vertraulichen Telefonaten mit Funktionären quer durch fast alle Parteien zu hören und zu spüren gewesen, schreibt Claus Pándi in seinem Kommentar. Das mag auch mit Wögingers leutseliger Art zu tun haben. Doch die Sache liegt wohl tiefer und reicht bis zu den Wurzeln des heutigen Österreichs. In den Parteiseelen hat sich seit Beginn der Zweiten Republik ein Verständnis vom Wert und Wesen der politischen Bewegungen eingenistet. Eine Partei hat für einen da zu sein. So wie früher einmal bei den alten Stammesvölkern sich die Häuptlinge für ihre Gefolgsleute einsetzten.
Bis es wieder schiefgeht. Den Sprung in die moderne Gegenwart haben die Parteien nicht geschafft. Ideen, die größere Gruppen mit Zuversicht anstecken, sind kaum noch zu finden. Zusammenhalt wird oft nur noch durch Gehässigkeit gegen andere Gruppen hergestellt. Oder eben durch diskrete oder nicht ganz saubere Serviceleistungen für Parteifreunde mit dem Wunsch nach Karrieren oder Wohnungen oder Leistungen im Bereich der Gesundheitsversorgung, meint Claus Pándi. Viele Parteifunktionäre sind mit einem ungesunden Selbstverständnis sehr weit hinaufgekommen. Und sie tun sich schwer, Urteile wie das im Fall von August Wöginger zu verstehen. Manchen mag die Linzer Gerichtsentscheidung eine Genugtuung sein. Vielleicht hat sie ja eine lehrreiche Wirkung? Allzu optimistisch sollte man freilich nicht sein. Die Parteien werden wie immer neue Mittel und Wege finden, ihren Leuten zu helfen. Bis auch die wieder schiefgehen.
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