„Das LKH Rottenmann ist für eine moderne Spitalsstruktur nicht geeignet.“ Ein Gutachten aus dem Jahr 2023, das zu diesem Schluss kommt, sorgt für Aufsehen. Für den Gesundheitslandesrat ist die Analyse mittlerweile „gegenstandslos“. Kritiker wollen das nicht hinnehmen.
Mittlerweile ist das Leitspital in Stainach politisch abgeblasen, im Jahr 2023 wurde aber noch intensiv am Projekt geplant. Ein renommiertes Grazer Ziviltechnikbüro analysierte damals im Auftrag der Kages das LKH Rottenmann, das immer wieder als mögliches „Ersatz-Leitspital“ ins Spiel gebracht wurde. Drei Jahre später sorgt das 28-seitige Gutachten für Wirbel.
Festgehalten wird in dem Schreiben, dass die Bausubstanz des etwa 40 Jahre alten Gebäudes in gutem Zustand ist. Weniger positiv fällt der Befund in anderen Bereichen aus. „Der Stützenraster ist im Vergleich zu heutigen Bauweisen teilweise eng gesetzt, dies schränkt moderne Nutzungen massiv ein“, heißt es beispielsweise. Zudem sei eine Erweiterung oder ein Umbau der haustechnischen Anlagen für die Anforderungen eines modernen Krankenhauses nur bei einer gänzlichen Neustrukturierung des Gebäudes möglich.
Ein Umbau müsste unter laufendem Betrieb erfolgen, dabei müssten große Teile des Bestands abgebrochen und neu errichtet werden. Die Hanglage und die nahe Autobahn schränken den Spielraum ein. Fazit: „Das LKH Rottenmann ist für eine moderne Spitalsstruktur nicht geeignet.“
Umbau dauert bis zu 16 Jahre
Und dennoch soll es jetzt zwar nicht zu einem Leitspital erweitert, aber umfassend umgebaut werden – und das bis zu 16 Jahre lang. Die Befürworter eines Leitspitals in Stainach sind entrüstet. Das Gutachten sei verschwiegen, die Bevölkerung vor der Landtagswahl 2024 getäuscht worden, heißt es vom Verein „Pro Klinikum Stainach“. Er fordert, den Umbau in Rottenmann zu stoppen, und schrieb einen offenen Brief an Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP).
Die Antwort liegt nun vor. Kornhäusl erklärt, dass ihm das Gutachten aus dem Jahr 2023 bekannt gewesen sei. Ob es auch anderen Regierungsmitgliedern oder Parteien vorlag, wisse er nicht. Der Landesrat argumentiert im Einklang mit der Spitalsgesellschaft Kages: Das Gutachten sollte damals prüfen, ob die Umsetzung eines Leitspitals mit 268 Betten am Standort Rottenmann möglich wäre – das sei nicht der Fall und auch nicht mehr geplant. Das Gutachten sei daher mittlerweile „gegenstandslos“. Vorgesehen ist jetzt ein Umbau ohne Erweiterung, und das sei sehr wohl baulich möglich.
„Wir ersuchen Sie, Ihre Aussagen zu korrigieren“
Angemerkt sei an dieser Stelle: Im Gutachten wurde nicht ausdrücklich erwähnt, dass es sich mit einem möglichen Ausbau Rottenmanns zum Leitspital beschäftigt. In der Aufgebenstellung heißt es: „In der gegenständlichen Analyse soll untersucht werden, ob sich der bestehende Spitalsstandort LKH Rottenmann unter Nutzung der Bestandsstruktur mit entsprechender Erweiterung grundsätzlich für ein Neubauspital eignet oder ob ein wirtschaftlich begründeter Abbruch des Objektes zu empfehlen wäre.“
Darauf verweist auch der Verein Pro Klinikum Stainach. „Die Formulierung im Gutachten widerspricht vollständig Ihrer Darstellung im Antwortbrief“, wird Kornhäusl vorgeworfen. „Wir ersuchen Sie daher, Ihre Aussagen öffentlich zu korrigieren.“
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