Während die Lebenshaltungskosten im Ländle Rekordwerte erreichen, wird bei den Investitionen in die Zukunft gespart, klagt AK-Präsident Bernhard Heinzle. Besonders bei der Kinderbetreuung wäre Handeln angesagt.
„Die Politik muss heute die Weichen stellen, damit Vorarlberg auch übermorgen noch ein Land mit hoher Lebensqualität ist“, forderte Bernhard Heinzle bei der Präsentation des aktuellen Standort-Ratings der Vorarlberger Arbeiterkammer. Dieses zeichnet kein allzu rosiges Bild, Heinzle sprach gar von einer „bedrohlichen Schieflage“.
Unterm Strich nämlich komme die hohe Wirtschaftsleistung nicht mehr bei den Arbeitnehmern an. Trotz der hohen Stundenproduktivität ist die Brutto-Lohnquote (jener Anteil am erwirtschafteten Wohlstand, der tatsächlich als Einkommen bei den Beschäftigten ankommt) eine der niedrigsten in ganz Österreich. Zudem setzen unbezahlte Überstunden und Mietpreise auf Rekordniveau die Familien unter Druck. Um die hohen Kosten zu decken, versuchen viele, das Erwerbsausmaß zu erhöhen – doch sie scheitern an den mangelnden Rahmenbedingungen.
Frühe Bildung ist kein bloßer Kostenfaktor, sondern ein entscheidender Standortfaktor.
Bernhard Heinzle
Besonderen Handlungsbedarf ortet der AK-Chef beim Thema Frauen im Berufsleben: Das Land habe den höchsten Gender-Pay-Gap Österreichs und eine der höchsten Teilzeitquoten bei Frauen. Zudem würden sich veraltete Rollenbilder hartnäckig halten: Über die Hälfte der Vorarlberger Männer glaube noch immer, dass Kinder unter der Erwerbstätigkeit von Müttern leiden. So würden Rahmenbedingungen zementiert, die eine Vollzeitarbeit für beide Elternteile de facto unmöglich machen. „Frühe Bildung ist kein Luxus. Sie schafft für Frauen erst echte Wahlfreiheit und sorgt dafür, dass sie Familie und Beruf endlich vereinbaren können“, erläuterte Heinzle. Vor diesem Hintergrund sei der Ausbau und die Verbesserung der frühen Bildung in Vorarlberg keine politische Option mehr, sondern eine ökonomische Notwendigkeit für den Standort.
Auch zeige das Rating in der Debatte um die Wahlfreiheit hinsichtlich der Kinderbetreuung ein differenziertes Bild: „Für viele ist diese Freiheit reine Theorie“, resümierte Heinzle. „Viele Mütter würden ihr Erwerbsausmaß gerne erhöhen, finden aber keine passenden Rahmenbedingungen vor. Wenn Öffnungszeiten der Einrichtungen nicht mit der Arbeitswelt korrespondieren, ist die Entscheidung gegen den Beruf kein freier Wunsch, sondern ein Mangel an Alternativen.“
Frühe Bildung auch für Zukunft wichtig
Dass es beim Ausbau der frühen Bildung nicht nur um Betreuungsplätze, sondern auch um die Substanz geht, habe die Personalbefragung der AK Ende 2024 gezeigt: „Fast jede fünfte Fachkraft hatte angegeben, den eigentlichen Bildungsauftrag unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht mehr ausreichend erfüllen zu können“, so Heinzle.
Ein weiteres großes Handlungsfeld ist das Thema leistbares Wohnen. Wie das Ranking zeigt, ist mit einer durchschnittlichen Bruttomiete von 11,80 Euro pro Quadratmeter der finanzielle Druck auf Familien so hoch, dass ein einzelnes Erwerbseinkommen angesichts der hohen Lebenshaltungskosten kaum noch zur wirtschaftlichen Stabilität einer Familie reicht.
Nicht zuletzt müsste auch in Sachen Erwachsenenbild Gas gegeben werden. Vorarlberg weist mit 17,3 Prozent den österreichweit höchsten Anteil an Personen mit maximal Pflichtschulabschluss auf. Das wiederum wirkt sich negativ bei der Arbeitssuche aus.
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