Langer Luxus

Range Rover P615: Zwischen Wüste und Wohlstand

Nachrichten
28.04.2026 20:10

Er ist groß, mächtig, dunkelgrün, britisch as can be, teuer auch – aber er ist kein Rolls-Royce. Und kein Bentley. Und doch wirkt er so unnötig luxuriös, dass er ins Protzige geht. Der Range Rover SV LWB P615 ist einer für die Wüste. Ersatzweise tut’s auch eine Service-Wüste – die in Österreich bekanntlich häufiger vorkommt als dieses Auto.

Letzteres überrascht wenig, denn die Klientel ist hierzulande überschaubar, nicht zuletzt wegen der NoVA, die mit 100.000 Euro einen erklecklichen Anteil zum Kaufpreis von 382.148 Euro beiträgt.

Man muss es also wirklich wollen, dieses rollende Statement mit seinem 4,4-Liter-V8. Als Trotzreaktion gegen jede Vernunft. Als demonstratives „Ich kann es mir leisten“. Oder schlicht aus Lust an der Maßlosigkeit. Knapp 2,9 Tonnen Leergewicht machen das Leben nicht leichter, aber vielleicht angenehmer. Und fürs Gewissen gibt es einen Hauch Elektrifizierung: Mildhybrid nennt sich das dann. Man lächelt milde über den Verbrauch, der kaum unter 14 Liter zu bringen ist.

Der Achtzylinder stammt aus München, klingt entsprechend weniger aristokratisch brabbelnd als vielmehr sportlich aufgeladen. 750 Newtonmeter werden über eine Achtgangautomatik und Allradantrieb verteilt. Da fliegen beim Ampelstart zwar nicht die Asphaltbrocken, aber in 4,7 Sekunden muss man so einen Koloss erst einmal von 0 auf 100 bewegen.

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Aber eigentlich ist das hier nebensächlich. Es geht ums Dahingleiten, ums entspannte Reisen. Sportlichkeit wäre fehl am Platz, Komfort ist die Währung. Die optionalen 23-Zoll-Räder sehen hervorragend aus, sind aber eher ein Hindernis für das vielzitierte Schweben. Das sollte man sich vor dem Kauf überlegen, um dann nicht enttäuscht zu sein.

Vor dem Gasthof Post in Traunkirchen macht das alles dennoch Eindruck. Vor der Boutique im Kreis der lokalen Hautevolee die Heckklappen öffnen, Sitzpolster einsetzen – etwas umständlich zwar – und dann ein Glas Champagner mit Blick auf den Traunsee. Stil hat das. Allerdings sollte man es nicht übertreiben, es sei denn, man plant ohnehin, gleich dort zu übernachten. Kulinarisch überzeugt die „Post“, das Frühstück ebenso – vom Kaffee einmal abgesehen. Der Service hingegen bleibt ein wiederkehrendes Thema. Stichwort Servicewüste.

Also vielleicht doch auf die andere Seeseite fahren, direkt am Wasser parken und dort die Beine baumeln lassen. Das Essen beim Grünbergwirt oder beim Hoisn ist zwar etwas rustikaler, aber auch ganz hervorragend, und der Service um Welten besser.

Dass hier die Langversion im Einsatz ist, liegt weniger am Wunsch nach überbordendem Raumgefühl, sondern daran, dass es im Fond der Standardversion erstaunlich eng zugeht. „Long Wheelbase“ bedeutet hier in erster Linie: endlich ausreichend Platz. In dieser Ausführung kommen dann noch Lounge-Sitze und alle erdenklichen Annehmlichkeiten dazu. Besonders dann, wenn man sich selbst zum Chef erklärt, den Beifahrersitz nach vorne schiebt und hinten rechts die Beine ausstreckt.

Der Gedanke drängt sich auf, dass hier sehr viel Geld für sehr viel Auto bezahlt wird – vielleicht ein wenig zu viel. Wer sich daran nicht stört und Gefallen an der demonstrativen Opulenz findet, wird das kaum hinterfragen. Aber man sollte es zumindest wissen.

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Unstrittig ist: Der Innenraum ist eine Klasse für sich. Edle Materialien, feine Holzintarsien – ein echtes Highlight. Die Sitze sind exzellent, die Massagefunktion könnte kräftiger sein. Und dieser Duft – Leder in seiner schönsten Form. Weniger gelungen: die seltsamen Gnubbel an den verstellbaren Armlehnen. Sie erinnern eher an Pflegebetten als an ein Luxus-SUV. Die Kundschaft dürfte sich dadurch kaum jünger fühlen.

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Das Navitainment-Display ist aufgesetzt, wirkt aber dennoch elegant. Die Menüführung hingegen nicht so. Also ja, elegant vielleicht schon, aber umständlich. Da gibt es mittlerweile Besseres, Übersichtlicheres. Schnelleres auch. Und Schalter? Fehlanzeige! Wenn der Beifahrer die Lautstärke ändern will, muss er sich in den Touchscreen vertiefen. Der Fahrer kann das immerhin per Walze am Lenkrad erledigen.

Armlehnenverstellung vom Bständig?
Armlehnenverstellung vom Bständig?(Bild: Stephan Schätzl)

Der darf sich über andere Dinge ärgern. Etwa über den wenig überzeugenden Autopiloten, Scheinwerfer mit begrenzter Reichweite oder den Tempolimitwarner, der schon warnt, bevor man das Limit überschreitet, also bei exakt korrekter Geschwindigkeit. Oder die immer wieder störenden Aussetzer bei Apple CarPlay.

In Wahrheit alles Kleinigkeiten, über die man hinwegsehen kann. Was mir beim Fahrzeug an sich nicht gelingt: Es ist mit 1,87 Meter nur einen Zentimeter kleiner als ich. 5,26 Meter misst es in der Länge, was beim Fahren dank Allradlenkung nicht so sehr zum Tragen kommt: Der Wendekreis ist mit 11,96 Meter sogar eine Spur geringer als beim aktuellen Mazda CX-5!

(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)
(Bild: Stephan Schätzl)

Das hilft im Alltag ebenso wie im Gelände. Klar, da wären dann andere Räder bzw. Reifen hilfreich. Was helfen 29 Zentimeter Bodenfreiheit und 90 Zentimeter Wattiefe, wenn das Profil nicht greift?

Und dann noch eine Überraschung ganz zum Schluss: Der Blinker klingt nicht mehr wie eine alte Standuhr. Ein kleines Detail, das fehlt. Vielleicht ein Zeichen der Zeit. Vielleicht aber auch einfach schade.

Warum?
Hedonismus als Lebensform
Ziemlich exklusiv bei uns

Warum nicht?
Unvernünftig und teuer (könnte auch bei „warum?“ stehen)

Oder vielleicht …
… Rolls-Royce Cullinan, Bentley Bentayga, eine mittelgroße Wohnung als Studentenbude für den Nachwuchs. Oder die Enkel.

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