Live in Salzburg

Lady Blackbird: Spätstarterin mit famoser Stimme

Musik
27.04.2026 05:00

Jahrelang strampelte sich die famose Jazz- und Soul-Stimme Marley Munroe aka Lady Blackbird hinter den Kulissen ab, um eine einträgliche Karriere in Gang zu bringen – erst mit Mitte 30 gelang der Amerikanerin der Durchbruch. Wie das gelang und was jetzt anders läuft, erzählt sie uns im „Krone“-Talk. Heute Abend konzertiert sie im ausverkauften Salzburger Jazzit.

kmm

Im ruralen Farmington bei New Mexico in den USA stellte sich die kleine Marley Munroe gerne vor den Spiegel und ahmte ihren großen Heldinnen nach. Gladys Knight, Billie Holiday oder Nina Simone. „Ich habe Videos von ihnen gesehen und mir vorgestellt, wie mir diese großen Bühnen stehen würden“, lacht sie im „Krone“-Interview, „diese Stimmen haben mich in ihren Bann gezogen und der Zauber ist seitdem nie mehr verflogen.“ Christlich erzogen trat sie schon als Kind bei diversen Veranstaltungen als Sängerin in Szene. Soul, Gospel und diverse andere Subrichtungen waren das bevorzugte Klanggebiet, doch mit der eigenen Karriere wollte es nicht und nicht klappen. Und das obwohl Munroe später eine der Hauptsongwriterinnen für Anastacias Album „Resurrection“ sein würde und einen eigenen Plattenvertrag hatte. Der allerdings ohne nennenswerte Ergebnisse verpuffte.

Entscheidende Kreativpartnerschaft
Heute nennt sich Munroe Lady Blackbird, angelehnt an den antirassistischen Song „Blackbird“ von Nina Simone aus dem Jahr 1966, und überzeugt mit Jazz, Gospel und Soul eine steigende Fanschar. Mitentscheidend dafür ist die Zusammenarbeit mit ihrem musikalischen Partner in Crime, Chris Seefried. Die beiden wohnen in Los Angeles ums Eck voneinander und nützten die Pandemie, um Ende 2021 das Coveralbum „Black Acid Soul“ zusammenzustellen und zu veröffentlichen. Darauf interpretiert Lady Blackbird Lieder von eben Simone, Tim Hardin, Eugene Dixon oder Joe Walsh von den Eagles. Vor allem in Europa wusste die Scheibe zu überzeugen und machte die seit Jahrzehnten in der Musikindustrie strampelte Künstlerin endlich breitflächiger bekannt. Ein später, aber umso verdienterer Erfolg.

Im Herbst 2024 legte Munroe im stolzen Alter von 39 Jahren mit „Slang Spirituals“ endlich das erste Album mit eigenen Songs vor, das den Erfolg der Künstlerin festigte und ihr auch in der amerikanischen Heimat verstärkt Zulauf brachte. „Ich wollte nie ein Coveralbum machen, das stand nicht auf meiner Agenda“, so die stimmstarke Lady, „aber es hat sich ergeben und erwies sich schließlich als Glücksfall für meine Karriere. Wir hatten mit ,Let Not (Your Heart Be Troubled)‘ dann ein eigenes Lied geschrieben, von dem aus wir das ganze Album aufgebaut haben. Die Texte fielen sehr persönlich und zuweilen verletzlich aus, das Album hat ein markantes Gospel-Feeling. Auch das war nicht auf dem Reißbrett geplant, sondern hat sich aus dem Tun heraus entwickelt. Als wir erkannten, dass sich ein gewisses Konzept entwickeln würde, haben wir es aber fokussierter verfolgt.“

Kraft der gemeinsamen Sprache
Für Lady Blackbird war die Arbeit an „Slang Spirituals“ gleichbedeutend mit dem Finden der eigenen Identität. „Ich musste meinen Platz im Leben suchen. Mich von gewissen Dogmen aus Kindheit und Jugend freistrampeln und auf mich hören. Das war eine große Erleichterung, die mit dem Erschaffen der Musik einherging.“ Durch die Musik kann sich die 41-Jährige klarer und offener artikulieren. Ein Ventil, das ihren Gedanken zupasskommt. „Mit Chris habe ich einen Produzenten, Songwritingpartner und Freund an meiner Seite, der mich und meine Gedanken versteht und teilt. Hätte ich nicht die Musik, würde ich mich anders ausdrücken, aber dieses Freilassen ist mir wichtig. Chris und ich haben von Anfang an eine gemeinsame Sprache gefunden, die sich in den Liedern niederschlägt. Es ist so, wie wenn du lange in einer Band spielst und vieles schon ohne extra Anmerkungen funktioniert. Eine sehr angenehme Arbeitsweise.“

Auf „Slang Spirituals“ grenzt sich Lady Blackbird jedenfalls nicht ein, sondern springt behände und locker zwischen diversen Subgenres wie Soul, Gospel, Jazz und Psychedelic hin und her. „Auch das liegt an der Zusammenarbeit mit Chris. Er hat früh erkannt, dass mir die Starrheit eines Klangs nicht liegt, sondern ich mehr probieren möchte. Das hat er gefördert und das hört man dem Album auch an.“ Nach dem Cover-Debütalbum und diesem ersten selbstgeschriebenen Album hat sich die Sängerin auch selbst besser kennengelernt. „Ich habe eine gute Vorstellung davon, wohin das dritte Album gehen könnte, weil wir die Schreibsessions nie ganz stoppen, sondern immer nur unterbrechen. Die Ideen folgen einem ganz natürlichen Fluss und dieser Fluss weist in eine spannende Richtung. Wir haben schon so viele großartige Songideen, die nur darauf warten, ausgefeilt und umgesetzt zu werden. Ich kann es selbst kaum erwarten, damit loszulegen.“

Der richtige Sound zur Stimme
Genaugenommen findet man schon beim Übergang vom ersten zum zweiten Album eine kongruente Entwicklung. Dafür, dass bei den beiden Songwritern wenig nach Plan verläuft, wirkt vieles gut ausgetüftelt und durchdacht. „Im Laufe der Arbeiten an ,Black Acid Soul‘ haben wir ein Gefühl dafür bekommen, welcher Sound am besten zu meiner Stimme passt und das hat sich auf ,Slang Spirituals‘ übertragen. Wahrscheinlich wirkt der Übergang deshalb so natürlich. Es gibt solche Momente in einem musikalischen Leben, die kann man nicht herbeiarbeiten, die passieren einem einfach.“ Dass Lady Blackbird der Durchbruch jetzt im gestandenen Alter gelang, sieht sie mittlerweile positiv. „Gott weiß, ob ich mit 18 oder 19 schon dafür bereit gewesen wäre. Man ist ja nicht nur Künstler, es steckt so viel Marketing und Wirtschaft dahinter und das war mir damals völlig egal. Auch beim Nein-Sagen tue ich mir heute wesentlich leichter. Das Wichtigste für einen Künstler ist die künstlerische Freiheit. Dafür habe ich hart gekämpft“.

Heute Abend live in Salzburg
Nach einem gefeierten Auftritt im Wiener Porgy & Bess letztes Jahr kehrt Lady Blackbird heute Abend nach Österreich zurück und spielt im Salzburger Jazzit. Das Konzert ist leider bereits restlos ausverkauft. Der nächste Besuch bei uns könnte dann wohl schon mit dem dritten Studioalbum stattfinden …

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