„Sie sind so dumm“
22-jähriger Inder verdrehte Trump-Fans den Kopf
Die MAGA-Blase hat mit einer kuriosen Identitätskrise zu kämpfen. Millionen Fans von Donald Trump fallen immer wieder auf sogenannte KI-Influencer herein. Ein Fall sorgte nun für besondere Aufmerksamkeit.
Wie viele andere Studenten war auch der 22-jährige Sam (Pseudonym) aus Indien pleite. Auf der Suche nach einem lukrativen Nebenverdienst kam er auf eine kuriose Idee. Der angehende Mediziner wollte mit einer KI-generierten Frau online Geld verdienen. Der Erfolg blieb zunächst aus.
Ein KI-Chatbot gab ihm daraufhin den entscheidenden Tipp, berichtet „Wired“: Die Nische der konservativen Trump-Anhänger, auch MAGA-Bewegung genannt, sei besonders anfällig für solche „Fakes“. Das Publikum sei kaufkräftiger, loyaler und bestehe vor allem aus älteren Männern aus den USA – ein wahrer „Cheatcode“.
Account explodierte förmlich
So wurde im Jänner die ultrakonservative Influencerin Emily Hart geboren: eine KI-generierte Krankenschwester, die der Schauspielerin Sydney Sweeney ähneln sollte. Auf ihrem Instagram-Konto postete Sam Bilder von Emily beim Eisfischen, mit Dosenbier in der Hand oder am Schießstand.
Die Bildunterschriften waren stets gespickt mit provokanten Parolen wie „Wenn du einen Grund zum Entfolgen suchst: Christus ist König, Abtreibung ist Mord und alle Illegalen müssen abgeschoben werden“.
Obwohl Sam noch nie in den USA war, studierte er die MAGA-Ideologie penibel. „Jeden Tag schrieb ich etwas Pro-Christentum, Pro-Waffenrecht, Pro-Leben, Anti-Abtreibung, Anti-Woke und Anti-Einwanderung“, erklärt der 22-Jährige. Zu seiner Überraschung explodierte der Account förmlich.
„Jedes Reel, das ich postete, bekam drei, fünf oder zehn Millionen Aufrufe. Der Algorithmus hat es geliebt.“ Innerhalb eines Monats hatte Emily Hart über 10.000 Follower. Mit Abonnements auf der Erotikplattform Fanvue und dem Verkauf von T-Shirts mit Slogans wie „PTSD: Pretty Tired of Stupid Democrats“ verdiente Sam monatlich mehrere Tausend Dollar. „Ich habe vielleicht 30 bis 50 Minuten am Tag investiert und für einen Medizinstudenten gutes Geld verdient.“
Richtig lukrativ wurde der „Fake“ durch den Verkauf pornografischer Inhalte. Die Monetarisierung erfolgte hauptsächlich über Fanvue, da die Plattform KI-generierte Inhalte explizit ermöglicht. Sam nutzte eine KI (Grok von Elon Musk), um Nacktbilder von Emily zu erstellen und verdiente mit exklusiven Inhalten und Direktnachrichten binnen weniger Tage Tausende Dollar.
Emily Hart ist kein Einzelfall. Eine wahre Flut an KI-generierten, attraktiven MAGA-Influencerinnen überschwemmt die sozialen Medien, erschaffen von technisch versierten jungen Männern. Das Muster ist oft dasselbe: Die Frauen sind weiß, blond und arbeiten in heldenhaften Berufen wie Polizistin oder Feuerwehrfrau. Ihre Inhalte sind stets mit rechter Ideologie durchsetzt – pornografische Inhalte sind dabei keine Seltenheit.
„MAGA-Leute sind dumm – super dumm“
Sam hätte zudem versucht, sein „Fake-Portfolio“ auszubauen. Ein liberales Gegenstück zu Hart zu erschaffen, scheiterte jedoch kläglich. Seine unverblümte Erklärung: „Die MAGA-Leute sind dumm – super dumm. Und sie fallen darauf herein. Demokraten durchschauen den KI-Schrott“, erklärte der Inder gegenüber „Wired“.
Der Algorithmus sei besonders auf kontroverse Inhalte angesprungen. Sam bezeichnete seine Strategie als „Rage Bait“ (Wut-Köder) – je mehr Angriffsfläche, desto besser. Selbst wütende Kommentare steigerten die Reichweite. Ein besorgniserregender Trend. In letzter Zeit sei dem Studenten aufgefallen, dass „pro-Hitler-Inhalte“ auf diversen Plattformen besonders viel Resonanz erhalten würden. Eine KI-generierte Influencerin im Nazi-Look würde laut Sam „durch die Decke gehen“.
Auf diese Behauptung angesprochen, erklärte ein Sprecher von Meta: „Wir verbieten Inhalte, die den Nationalsozialismus verherrlichen, unterstützen oder darstellen, und entfernen sie, sobald wir sie entdecken.“
Bizarre Interaktionen mit MAGA-Fans
Die Interaktionen waren teils bizarr. „Ein Mann schickte mir ein Video, in dem er ein Kissen mit Emilys Nacktbild auf einem Tablet missbrauchte“, so Sam. „Es war unglaublich seltsam, aber er gab mir 50 Dollar Trinkgeld.“ Den meisten Fans sei es ohnehin egal gewesen, ob Emily echt ist.
Im Februar wurde Emilys Instagram-Konto wegen „betrügerischer Aktivitäten“ gesperrt. Sam meinte gegenüber „Wired“, er hätte ohnehin aufgehört, um sich auf sein Studium zu konzentrieren. Er bereue aber nichts: „Ich habe nicht das Gefühl, Leute betrogen zu haben.“ Er wurde bezahlt – und seine Abonnenten seien mit den Inhalten zufrieden gewesen.











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