Fr, 22. Juni 2018

Neue Belastungsprobe

09.07.2014 21:23

Zweiter US-Spion in Deutschland aufgeflogen

Die Freundschaft zwischen Deutschland und den USA steht vor einer weiteren Belastungsprobe: Nachdem erst in der Vorwoche ein Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes als Spion für den US-Geheimdienst CIA aufgeflogen war, haben deutsche Medien am Mittwoch übereinstimmend von einem zweiten Spionagefall berichtet. Demnach soll ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums ebenfalls einem US-Geheimdienst zu Diensten gewesen sein. Neue Empörung in Deutschland dürfte vorprogrammiert sein.

Laut Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" durchsuchten Beamte des Bundeskriminalamts und der Bundesanwaltschaft am Mittwoch Wohn- und Büroräume eines Mitarbeiters des Bundesverteidigungsministeriums, der für einen US-Geheimdienst spioniert haben soll. Bisher liege aber noch kein dringender Tatverdacht vor, der einen Haftbefehl begründen würde, hieß es. Deswegen sei der Mann nach der Durchsuchung seines Ministeriumsbüros, seiner Wohnung außerhalb von Berlin und einer ausführlichen Befragung auf freien Fuß gesetzt worden, berichtete "Spiegel Online" am Mittwochabend.

Ministerium, Bundeswehr oder Abschirmdienst betroffen
Gegen den Mitarbeiter des Ministeriums werde demnach wegen des Anfangsverdachts der geheimdienstlichen Tätigkeit ermittelt. Unbestätigten Angaben zufolge könnten das Verteidigungsministerium, die Bundeswehr oder auch der Militärische Abschirmdienst (MAD) in der neuen Spionageaffäre betroffen sein. Nach Informationen der "Welt" handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen Bundeswehr-Soldaten, der vor einiger Zeit durch intensive Kontakte mit mutmaßlichen US-Geheimdienstlern ins Visier des Militärischen Abschirmdienstes geraten sein soll.

Der neue Fall wird den Berichten zufolge von Insidern noch "ernster" eingeschätzt als der Fall des in der vergangenen Woche verhafteten BND-Beamten (siehe Story in der Infobox). Dieser hatte sich nach eigenen Angaben vor zwei Jahren den US-amerikanischen Geheimdiensten als Spitzel angeboten - und dürfte der CIA für rund 25.000 Euro mehr als zweihundert geheime Dokumente geliefert haben. Den Deal hatten der Deutsche und die US-amerikanischen Spione bei einem Treffen in Salzburg eingefädelt.

Laut Ermittlern keine Verbindung zwischen den Fällen
Der 31-Jährige war Mitte vergangener Woche festgenommen worden und sitzt seither in Haft. Bei seiner Einvernahme gestand er laut Angaben der Ermittler bereits seine Arbeit für die CIA. Die Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Doppelagenten im Verteidigungsministerium sollen allerdings nicht in Zusammenhang mit dem BND-Fall stehen, berichtete die "SZ" weiter.

Die Regierung in Washington bemüht sich unterdessen offenbar um Schadensbegrenzung. Der Chef der CIA, John Brennan, soll am Dienstagnachmittag mit dem Geheimdienstkoordinator im Berliner Kanzleramt, Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche, telefoniert haben. Die Einzelheiten des Gesprächs sind jedoch nicht bekannt.

Deutschland - USA: "Wir brauchen uns wechselseitig"
Die Affäre überschattet auch die Gespräche einer derzeit in den USA weilenden Delegation des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags. "Wir haben hier deutlich gemacht, dass durch diese Dummheiten, die stattfinden in den US-Geheimdiensten, ein wirklicher außenpolitischer Schaden angerichtet wird", sagte der Ausschussvorsitzende Norbert Röttgen im ZDF. Es dürfe aber nicht zu einer dauerhaften Beschädigung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses kommen. "Wir können uns das nicht leisten. Wir brauchen uns wechselseitig."

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