Das Burgenland gilt in Österreich als eine der Kernregionen für Streuobst. 3.000 Hektar mit etwa 220.000 Bäumen gibt es hier. Etwa 70 Prozent der Bestände liegen im Landessüden. Das Quereinsteiger-Paar Birgit Braunrath und Georg Hurka haben sich ihrem Erhalt verschrieben – höchst erfolgreich.
Jetzt im April, wenn die Wiesen in sattem Grün erstrahlen und die uralten Obstbäume in voller Blüte stehen, beginnt für viele Landwirte im Südburgenland eine besonders arbeitsintensive Zeit: die Pflege der Streuobstwiesen. Diese traditionellen Kulturlandschaften gelten als wertvoller Bestandteil der Natur. Zu den hochstämmigen Obstbäumen, die locker verteilt sind, gehören etwa Apfel, Birne, Kirsche und Zwetschke.
Ökologische Schatzkammern
Im Gegensatz zu Obstplantagen werden kaum chemische Mittel und Maschinen eingesetzt. Diese Form der Nutzung macht Streuobstwiesen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas und ermöglicht eine außerordentlich hohe Biodiversität. Schließlich finden hier tausende Tier- und Pflanzenarten Nahrung, Schutz und Brutplätze – etwa Schmetterlinge, Wildbienen, Heuschrecken, Vögel und Fledermäuse.
Ein Fulltime-Job fürs ganze Jahr
Trotz ihrer Bedeutung sind Streuobstwiesen zunehmend gefährdet. Viele Bestände sind überaltet. Der Arbeitsaufwand ist enorm. Außerdem ist die Konkurrenz durch intensiven Obstbau groß. Deshalb verschwinden im Burgenland jedes Jahr etwa 6.000 Bäume. Doch es gibt naturverbundene Menschen, die sie erhalten, weil sie darin ein Stück Kulturerbe und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz sehen. Georg Hurka und seine Frau Birgit Braunrath aus Deutsch Kaltenbrunn zum Beispiel.
Der Architekt, er ist zertifizierter Obstbaumwärter, und die Kolumnistin und Kochbuchautorin (beide 58) haben vor drei Jahren als Quereinsteiger einen Bio-Obsthof mit 58 Apfel-, sechs Kirschen- und vier Uhudler-Sorten übernommen und sind seither das ganze Jahr über beschäftigt: „Im Jänner nutzten wir die Eiseskälte, um zwei Rückhaltebecken zu graben, damit die Wiesen auch im heißen, trockenen Sommer bewässert werden können. Im Februar mussten wir nach dem Schneebruch Schäden beseitigen, weil viele tragende Äste abgebrochen waren. Danach folgten der Winterbaumschnitt und Uhudler-Rebschnitt sowie das Veredeln und Auspflanzen der Jungbäume, die man mit Drahtzäunen vor Wühlmäusen und Rehen schützen muss.“
Viele köstliche Nebenprodukte
Nun, wenn Bestäuber wie Bienen und Hummeln verstärkt unterwegs sind, entscheidet sich die spätere Beschaffenheit des Obstes: „Die Blüten entwickeln sich wunderbar. Wir werden sogar ausdünnen müssen. Natürlich kann noch Frost kommen. Auch zu viel Regen und Sonne wären ungünstig. Aber aktuell deutet alles auf eine gute Ernte hin. Im Mai geht’s mit den Kirschen schon los!“
Weil ihre Streuobstäpfel – darunter der Ilzer Rosenapfel, der Steirische Maschanzker, der Kaltenbrunner, der Bocksdorfer Grüne, der Virginisch Rosenapfel und die Champagnerrenette – einen hohen Polyphenolgehalt aufweisen und besonders gut verträglich sind, bereitet Braunrath sie mit großer Leidenschaft aromatische Genussprodukte wie Marmeladen, Chutneys und Fruchtzungen zu, die vor Ort verkauft werden. Und ihre naturtrüben und sortenreinen Bio-Säfte, die alle direkt am Hof gepresst, pasteurisiert und abgefüllt werden, sind sowieso echte Kraftpakete.
Medaillenregen
„Im ersten Jahr konnten wir unseren Erfolg selbst noch nicht glauben, aber heuer, beim zweiten Mal, sind auch wir überzeugt, dass wir vieles richtig machen“, schmunzeln Hurka und Braunrath, die erst vor kurzem bei der burgenländischen „Landesprämierung für Edelbrände, Säfte, Nektare, Moste, Essige, Sirupe und Liköre 2026“ sieben Bio-Säfte einreichten und dafür zweimal mit Gold, zweimal mit Silber sowie drei Prämierungen ausgezeichnet wurden.Verkosten kann man sie ab Hof, beim „Apfelkulinarium“ in Burgauberg oder in Philip Kroboths Gourmetlokal „Am Marbach“ in Königsdorf.
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