Freitagabend – und was gibt es Besseres, als sich ein Rap-Konzert anzuschauen? Wenn die Künstlerin dann noch aus Wien kommt und Vicky heißt, ist der Abend für viele junge Erwachsene gerettet. Die österreichische Newcomerin sorgte für ein ausverkauftes WUK und heizte mit ihren vulgären Rhymes ordentlich ein. Die „Krone“ war live dabei.
„Bunte Scheine in meiner Baggy Jeans und du dummer kleiner Hundesohn bist leise“, rappt die österreichische Musikerin Vicky am Freitagabend im ausverkauften Wiener WUK. Rund 800 Leute gehen sofort zum rave-lastigen Sound der in Paderborn geborenen Rapperin ab.
Mit ihrer Debütsingle 2024 „T-Shirt hoch, Titten raus“, die auch auf TikTok viral ging, fing alles an. Seitdem versucht sie, sich konstant im Musikbusiness zu halten – und wie man an diesem Abend merkt, gelingt ihr das ziemlich gut. Ihre Texte sind teilweise nichts für unter 16-Jährige, trotzdem wird die 24-Jährige gefeiert. Mehr als zehn Millionen Streams hat sie bereits gesammelt. Vor wenigen Wochen erschien ihr neues Mixtape „swaglord“ – und genau das wird heute ordentlich zelebriert. Für viele junge Erwachsene ist dieser Freitagabend damit gerettet.
Einlass ist ab 19 Uhr, und schnell versammelt sich ein Publikum zwischen 16 und 25 Jahren zum aktuell einzigen Wien-Termin ihrer ersten Tour „Vicky, wann Welttournee?“. Kaum zu glauben, dass sie erst seit rund einem Jahr ernsthaft Musik macht. Es ist ein milder Frühlingsabend, als im WUK bereits der aufstrebende Rapper Karl Amur einheizt, bevor die 24-Jährige die Bühne betritt.
Mit „Bunte Scheine“ eröffnet sie ihr Set, direkt danach folgt „Hot Girl Summer“. Erst dann begrüßt sie ihre Fans: „Hi Wien, wie geht’s euch? Viele haben mir gesagt, dass ihr krass seid – ihr wisst ja, Wien ist meine Heimatstadt.“ Die Crowd schreit sofort los. Kurz darauf legt sie nach: „Sogar mein alter Chef ist hier, aber der soll sich nicht fi**en, meine alte Chefin soll sich fi**en“ – sie kichert. „Dieser Song brachte mich dahin, wo ich jetzt bin, dank euch“, sagt sie und leitet in „Achterbahn fahren“ über. Die Stimmung ist ausgelassen, das Publikum textsicher. Spätestens bei „Geh dumm“ und „Liebe machen“ sind alle Hände oben.
Das Konzert läuft rund, gut getaktet, mit viel Interaktion. Immer wieder fragt Vicky, ob es allen gut gehe – das scheint ihr wichtig zu sein. „Wer hat mein neues Mixtape gehört?“, ruft sie und geht direkt in den nächsten Track über, während sie sich tänzerisch über die Bühne bewegt. Nach einem Song folgt ein überraschtes „Sorry Oma“ – und tatsächlich: Ihre Oma ist im Publikum, gemeinsam mit ihrem Vater und weiteren Familienmitgliedern. Ein Highlight, denn bei den expliziten Texten und Moves ist eine Entschuldigung zumindest angebracht.
Stilistisch erinnert Vicky stellenweise an die deutsche Rapperin Ikkimel – nicht ohne Grund: Deren Song „Unisexklo“ war Inspiration für sie. Daraus entstand letztlich auch die Idee zu „T-Shirt hoch, Titten raus“. Auch sonst lassen sich in vielen Liedern Parallelen erkennen.
„Hey hey Vicky, hey Vicky …“, schreit die Menge, bevor „aufwachen blaumachen“ startet. Gemeinsam mit dem Publikum rappt sie: „Ich mach einen Party Song und alle Atzen drehen durch, wenn ich auf die Party komm.“ Danach erzählt sie: „Als ich hier gewohnt hab, hab ich jeden Freitag gesoffen – wer ist hier FSK?“ – eine Überleitung zum nächsten Track. Bei „Mein Arsch wie ein Apfel“ dominieren harte Beats und wummernder Bass. „Mirror, mirror on the wall, we the finest of them all, I don‘t pick up when you call, still make all the players fall“, rappt sie. Der Sound erinnert an Afterhour – nur dass es gerade mal 21:30 Uhr ist.
Nach „I Love Girls“ verschwindet sie kurz von der Bühne, während der DJ mit noch härteren Beats das Publikum weiter antreibt. Es wird geschrien, gesprungen – mehr Techno-Party als klassisches Konzert. Wenige Minuten später ist sie zurück: „Barkeeper gibt mir gratis Drinks … mach ne Party nur für mich“ – diesmal mit etwas mehr Melodie. „Dankeschön, das bedeutet mir so viel – Jetzt folgt ein Fotodump“, kündigt sie an und reißt noch einmal alle Hände nach oben. Bei „Good Girls“ übernimmt die Crowd einen Teil: „Die F*tzen tanzen oben ohne in nem Swimmingpool.“ Einer der neuen Tracks vom Mixtape „swaglord“, das am 26. März erschienen ist.
Dann wird es persönlicher: Sie spielt einen unveröffentlichten Song namens „Fallen“. Entstanden in einer Phase, in der sie nicht wusste, wohin es gehen soll. Eigentlich wollte sie ihn nie veröffentlichen – bis sie ihn eines Tages im Uber wiederhörte und dachte: „Fu*k, der ist gut.“ Der Track ist ungewöhnlich melodisch und, wie sie selbst sagt, „sehr deep“. Den Fans gefällt's, ich glaube alles, was Vicky an diesem Abend machen würde, würde ihnen gefallen. Spätestens bei „Katz und Maus“ und „Hose runter“ ist die Party wieder voll da – vulgär, direkt, aber das Publikum liebt es. Auffällig: viele junge Frauen im Raum, die hier klar dominieren. Wieder ein „Sorry Oma“ folgt und alle lachen. Denn: diese Oma scheint wohl wirklich die coolste im Raum zu sein.
Nach all dem Party-Modus wird es kurz emotional. Vicky bittet darum, beim Merch-Stand vorbeizuschauen – das ermögliche ihre Tour. Dann spricht sie über ihren Vater, der extra Shirts mit „WUK 17.4“ gedruckt hat. Ihre Stimme bricht und ein paar Tränen fließen. Ein kurzer Moment der Ehrlichkeit, bevor es weitergeht – ganz nach dem Motto „The Show must go on“, Geld hin oder her.
Mit „Vodka Eis“ zieht sie das Tempo wieder an. „Ich bin immer wütend, am meisten auf die Männer – lasst uns alle schreien“, ruft sie und steigt direkt in den Titeltrack „swaglord“. Die Crowd grölt jede Zeile mit: „Swag swag swag ich fi*k die Polizei, zeig dir den Mittelfinger und dann steck ich ihn dir rein.“ Auch bei „P*rno“ wird lautstark mitgerappt. „Das war insane“, kichert sie. „Denkt ihr, dass ich dumm bin, nur weil ich mit meinem Arsch wackel?“ teasert sie auf „FKK“ an.
„Danke, dass ihr hier seid, das war toll“, danach verlässt sie die Bühne. Folgt hier eine Zugabe? – aber natürlich. Mit „Hose runter“ eskaliert der Raum ein letztes Mal: „Ich hab den größten…“ – alle springen, schreien „Vicky! Vicky! Vicky!“ Zum Glück hat an diesem Abend niemand wirklich die Hosen heruntergelassen.
Zum Abschluss noch einmal „aufwachen, blaumachen“ – und alle Atzen drehen komplett durch, genau so, wie sie es selbst rappt ...
Fazit: Die Newcomerin ist gerade in einer starken Phase und dürfte mit ihrer bestehenden Fanbase bald größere Hallen füllen. Ihre vulgären Texte sind sicher nicht für alle gemacht, doch mit ihrer Energie, Bühnenpräsenz und ihrer überraschend herzlichen Art zieht Vicky das Publikum komplett in ihren Bann. Hinter der harten Fassade steckt eine emotionale, junge Künstlerin mit viel Potenzial.
Kritikpunkte bleiben Kleinigkeiten: Die Lichtverhältnisse waren nicht immer optimal, kleinere Besucher hatten durch die niedrige Bühne teilweise schlechte Sicht – und auch das Personal im Hintergrund hätte stellenweise freundlicher sein können. Aber naja, typisch für solche Locations in Wien, oder? Insgesamt gilt: Wer eine kompromisslose Rave-Party mit zugespitzten Lyrics sucht, ist bei Vicky genau richtig.
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