Mi, 20. Juni 2018

Kriminalitätswelle

06.07.2014 14:14

Übergriffe auf Roma-Wohnungen in Südspanien

Frankreich, Rumänien und jetzt auch in Spanien: Roma sehen sich derzeit in Teilen Europas vermehrt mit Hass und Gewalt konfrontiert. So kam es am Wochenende bei einer Kundgebung gegen eine Welle von Einbrüchen in der südspanischen Kleinstadt Estepa zu Übergriffen auf Unterkünfte von Roma. Der rumänische Außenminister hatte erst Mitte Juni die "rassistische Rhetorik" in einigen europäischen Staaten beklagt.

Die Demonstranten in Spanien machten Angehörige der Minderheit für eine Zunahme der Kriminalität in der Ortschaft in der Provinz Sevilla verantwortlich. Sie griffen nach Medienberichten vom Sonntag fünf Roma-Wohnungen an und setzten zwei in Brand. Menschen wurden bei den Zwischenfällen am Samstag nicht verletzt.

Zu der nicht angemeldeten Kundgebung war über soziale Netzwerke aufgerufen worden. Die Stadtverwaltung von Estepa hatte kurz zuvor selbst eingeräumt, dass die Zahl der Einbrüche in dem Ort mit 12.000 Einwohnern drastisch zugenommen habe. Sie berief eine Krisensitzung ein und kündigte eine Verstärkung der Polizeikräfte an.

Roma-Bub (17) nahe Paris ins Koma geprügelt
In Frankreich war es Mitte Juni zu einem Lynchjustiz-Angriff gegen einen Roma-Buben gekommen, der 17-Jährige liegt seither mit lebensgefährlichen Verletzungen im Koma. Er war am Stadtrand von Paris von rund einem Dutzend Anwohnern einer Wohnsiedlung wegen eines Einbruchs verprügelt und in einem Einkaufswagen zurückgelassen worden. Der Angriff hatte vor allem in Frankreich und Rumänien Empörung ausgelöst. Wie sich mittlerweile herausstellte, war der Teenager aus einer psychiatrischen Anstalt in Rumänien zu seinen Adoptiveltern nach Frankreich geflüchtet.

Der rumänische Außenminister Titus Corlatean hatte im Zusammenhang mit dem Gewaltakt in Frankreich erklärt, es bestehe "der ernsthafte Verdacht", dass die Gewalt gegen zentral- und osteuropäische Staatsbürger durch die "xenophobe, populistische, und nicht selten rassistische politische Rhetorik einiger Politiker in europäischen Staaten" verursacht werde.

Hasstiraden gegen Roma-Ausstellung in Bukarest
Doch auch Rumänien selbst hat mit Hass gegen Roma zu kämpfen. So sah sich vergangene Woche eine Ausstellung mit großformatigen Porträts von Roma-Musikern in der Hauptstadt Bukarest mit rassistischen Hasstiraden konfrontiert. "Ich habe Aufforderungen zum Rücktritt erhalten - und Behauptungen, es sei eine 'Schande, Porträts von Zigeunern auszustellen'", sagte Museumsdirektor Virgil Nitulescu am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Die Bilder stammen von dem Künstler George Vasilescu, der ebenfalls einen "Sturm rassistischer Nachrichten" beklagte. Der sozialdemokratische Abgeordnete Bogdan Diaconu bezeichnete in einem Facebook-Eintrag die Ausstellung als "nationale Schande". Er gestand ein, sich die Ausstellung nicht angesehen zu haben, sprach aber dennoch von "abscheulichem Kitsch", einer "falschen Kultur" und dem "endgültigen Untergang im Elend".

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