Ökologischer Albtraum

Hunderte Goldfische einfach in Teich gekippt

Tierecke
15.04.2026 11:02
Porträt von Tierecke
Von Tierecke

Was als gut gemeinte „Freiheit“ beginnt, endet oft im ökologischen Chaos. Hunderte ausgesetzte Goldfische sorgen laut Medienberichten derzeit in St. Pölten für Aufsehen – und zeigen, wie schnell der Mensch die Natur aus dem Gleichgewicht bringt. Ein stilles Drama unter der Wasseroberfläche.

In einem Retentionsbecken am Eisberg in St. Pölten tummeln sich plötzlich 200 bis 300 Goldfische – ausgesetzt, vermutlich von Menschen, die sie loswerden wollten. Was harmlos klingt, ist in Wahrheit ein massives Problem. Denn Goldfische gehören nicht in unsere heimischen Gewässer.

Ursprünglich aus Asien stammend, sind sie hier ein Fremdkörper – und einer, der sich rasant vermehrt. Die Tiere sind anpassungsfähig und robust. Genau das wird ihnen zum Vorteil – und für andere Arten zur Gefahr. Sie wühlen den Boden auf, fressen Pflanzen und Laich anderer Fische und trüben das Wasser. Dadurch wird das sensible Gleichgewicht im Ökosystem gestört: Wasserpflanzen sterben ab, Lebensräume verschwinden, und heimische Arten werden verdrängt.

Kleine Veränderungen durch den Menschen – wie das Aussetzen von Goldfischen – bringen ein fein ...
Kleine Veränderungen durch den Menschen – wie das Aussetzen von Goldfischen – bringen ein fein abgestimmtes Ökosystem ins Wanken.(Bild: Klemens Groh)
Der Goldfisch ist im Zierbecken hübsch anzusehen. In unseren Breitengraden hat er in der freien ...
Der Goldfisch ist im Zierbecken hübsch anzusehen. In unseren Breitengraden hat er in der freien Wildbahn allerdings nichts verloren.(Bild: Klemens Groh)

Schaden für Umwelt
Was bleibt, ist ein verarmtes, instabiles Gewässer. Besonders problematisch: Solche Eingriffe wirken oft langfristig. Einmal etabliert, lassen sich invasive Arten nur schwer wieder entfernen. Genau deshalb sollen die Goldfische in den kommenden Wochen abgefischt werden – eine aufwendige, aber notwendige Maßnahme. Der Tierschutzverein St. Pölten sucht nun dringend Menschen, die die Tiere aufnehmen können, bevor noch größerer Schaden entsteht.

Bekanntes Problem
Doch der Fall ist kein Einzelfall. Immer wieder werden exotische Tiere ausgesetzt – ob Schildkröten in Seen, Aquarienfische in Flüssen oder sogar Pflanzen aus fremden Regionen. Auch sie können heimische Arten verdrängen, Krankheiten einschleppen oder ganze Lebensräume verändern. Es ist ein schleichendes Problem, das oft unterschätzt wird.

Die Botschaft ist klar: Tiere auszusetzen ist kein Akt der Tierliebe – sondern Verantwortungslosigkeit mit weitreichenden Folgen. Wer ein Haustier nicht mehr halten kann, muss nach Lösungen suchen, die Tiere und Umwelt schützen. Denn unsere Natur ist ein fein abgestimmtes System – und jeder Eingriff kann es zum Kippen bringen.

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