Schauspielhaus Graz

„Das Orakel spricht“: Reigen der Selbstoptimierung

Steiermark
11.04.2026 10:43

Kann man Glück und Wohlbefinden kaufen – und wenn ja, wieviel kostet es? Die Grenzen der Selbstoptimierung lotet das Schauspielhaus Graz mit „ Das Orakel spricht“ aus. Der rasant-ironische Abend basiert auf einer Graphic Novel von Liv Strömquist.

Das Streben nach Glück und Schönheit ist eigentlich ja nichts Verwerfliches. Wir alle wollen ein schönes und glückliches Leben führen. Aber wer sagt uns eigentlich, wie dieses auszusehen hat? Die Götter von einst – egal ob am griechischen Olymp oder hinter den christilichen Himmelstüren – sind uns im Laufe der Menschheitsgeschichte abhanden gekommen. Was geblieben ist, das sind wir selbst: der Mensch als Induviduum, der sein Schicksal selbst zu verantworten hat. Und weil wir alle nicht gerne hören, dass die einzige Gemeinsamkeit unseres Lebens der Tod ist, bleibt nur eine Möglichkeit, um das Gefühl zu haben, der Sterblichkeit etwas entgegenhalten zu können: die Selbstoptimierung.

Das Glück ist eine Leistung
Bunt, ausufernd und voller Ironie ist die Graphic Novel „Das Orakel spricht“ der feministischen Kultautorin Liv Strömquist, in dem sie collagenhaft die skurrilen Ausmaße unseres Selbstoptimierungszwangs thematisiert und dafür einen wilden Ritt von der Heiligen Katharina bis Gwyneth Paltrow, vom Orakel von Delphi bis in die toxische Manosphere und von Astrologen der alten Schule bis hin zu aktuellen Wellness- und Beauty-Influencern unternimmt. Denn Glück und Schönheit, aber auch Freundschaft und Liebe, sind längst zur Ware geworden – und wer sie sich nicht leisten kann und nicht bereit ist, dafür etwas zu leisten, ist selber schuld!

Tolle Bühne, grandioses Ensemble: „Das Orakel spricht“ im Schauspielhaus Graz
Tolle Bühne, grandioses Ensemble: „Das Orakel spricht“ im Schauspielhaus Graz(Bild: Lex Karelly)

Dieses grandios-wilde Monster von Buch auf die Bühne zu hieven, ist keine leichte Aufgabe – doch Regisseurin Katrin Plötner und ihrem Team gelingt das ausgesprochen gut: Vor und auf einer schwarzen Steilwand, die eingebettet in überdimensionale Smileys liegt (Bühne: Bettina Pommer), kreieren sie einen Reigen der Selbstoptimierung: In überzeichneten Sportoutfits (Kostüme: Johanna Hlawica) startet das grandiose Ensemble (Oliver Chomik, Otiti Engelhardt, Annsa Klimovitskaya, Thomas Kramer, Marielle Layher, Dominik Puhl und Luisa Schwab) einen Staffellauf der Figuren, hantelt sich von einer Szene in die nächste und hält den Dopaminlevel im Publikum mit Witz, Spielfreude und aberwitzigenen musikalischen Einlagen (Musik: Benno Hit) hoch.

Unterhaltsamer und cleverer Reigen
Mit etwas über zwei Stunden Laufzeit hat dieser Abend zwar auch seine Längen und ist nicht in jeder einzelnen Szene ganz so pointiert, wie er sein könnte. Aber im Kern lenkt dieser unterhaltsame und clevere Reigen unseren Blick auf eine Gegenwart, in der dauernd eine bessere Alternative verfügbar ist, und stellt die Frage: Wann ist eigentlich genug?

Egal, ob Sie dafür eine Einheit im Fitness-Studio absagen, eine Yogastunde canceln oder einfach ihre „Me-Time“ verschieben müssen: Der Besuch von „Das Orakel spricht“ lohnt sich. Er könnte sie glücklich machen – und vielleicht sogar schöner.

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