Gemeinden fehlt Geld

Aus für Jugendzentren: Sparkurs trifft die Jungen

Steiermark
07.04.2026 16:40

Innerhalb nur eines Jahres wurden in der Steiermark zehn Jugendzentren geschlossen, auch beim Streetwork wird gespart – und weitere Einschränkungen, gerade im ländlichen Raum, drohen. Die NEOS schlagen Alarm und fordern die blau-schwarze Landesregierung rasch zum Handeln auf.

Nach 14 Jahren war Schluss in Leibnitz: Ende 2025 wurde das Jugendzentrum Wave ersatzlos zugesperrt – das hatten zuvor FPÖ, ÖVP und Bürgerforum im Gemeinderat beschlossen. Die Stadtgemeinde spart so mehr als 100.000 Euro im Jahr. „Dabei haben uns alleine 2024 gut 2000-mal Jugendliche besucht, wir sprechen von etwa 350 Einzelpersonen“, erzählt Sozialpädagogin Martha Ortner, die zehn Jahre lang im Wave gearbeitet hat.

Eine wirkliche Gesprächsbasis, um eine gemeinsame Lösung zu finden, habe es mit der Lokalpolitik nicht gegeben, so Ortner. Dabei sei ein „niederschwelliger, kostenloser Raum für Jugendliche“ sehr wichtig. „Hier können sie sich im geschützten Rahmen mit Freunden treffen. Sie finden professionell ausgebildetes Fachpersonal, die Jugendlichen kommen mit allen Themen des Lebens, von Geldsorgen über die Jobsuche bis zu Schwangerschaften.“ Es habe auch Angebote abseits der Räumlichkeiten gegeben, etwa Ausflüge, Konzerte, Ferienprogramme.

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Ein Jugendzentrum darf keine Frage der Postleitzahl oder der Gemeindekasse sein.

NEOS-Klubobmann Niko Swatek

Zehn Jugendzentren in einem Jahr geschlossen
Leibnitz ist kein Einzelfall. Laut Recherchen der NEOS gab es vor fünf Jahren 71 Jugendzentren in der Steiermark, Anfang 2025 waren es noch 64 – aktuell sind es nur noch 54. Geschlossen wurden etwa Einrichtungen in Liezen, Rottenmann und Hartberg. „Zwei Drittel der verbliebenen Jugendzentren befinden sich im Großraum Graz“, so NEOS-Klubobmann Niko Swatek. Vor allem in ländlichen Regionen fehlt das Angebot.

Hintergrund: Immer mehr Gemeinden sind in Finanznöten und müssen sparen. Das Land Steiermark zahlt ein Drittel der Personalkosten – die Lücken in den Gemeindekassen kann man aber nicht füllen.

Für viele junge Steirer sind die Jugendzentren wichtige Anlaufstellen (Symbolbild).
Für viele junge Steirer sind die Jugendzentren wichtige Anlaufstellen (Symbolbild).(Bild: Gerhard Bartel)

Streetwork in zwei Bezirken vor dem Aus
Eingeschränkt wird das Angebot derzeit auch beim Streetwork. Die Mitarbeiter dort gehen direkt auf die Jugendlichen zu – in Parks, Einkaufszentren oder Skateranlagen. „Bei uns liegt der Schwerpunkt auf Suchtprävention“, berichtet Gregor Hoffmann, Geschäftsführer des Psychosozialen Netzwerks. Es verantwortet Streetwork in den Bezirken Murtal, Murau und Liezen.

„Der Zugang zu Suchtmitteln ist in den vergangenen Jahren erschreckend leicht geworden, das ist kein Randgruppenthema mehr“, sagt Hoffmann. Und dennoch muss er das Angebot drastisch zurückfahren. Grund: Der Gesundheitsfonds hat das Budget um 30 Prozent gekürzt. Die Streetwork-Anlaufstelle in Murau ist bereits geschlossen, jene in Judenburg folgt in Kürze. Bleiben noch je knapp zwei Dienstposten in Knittelfeld sowie in Liezen – die Finanzierung ist vorerst nur bis Herbst gesichert. Im Sommer drohen weitere Kündigungen. 

Finanzierung aus einer Hand gefordert
Auch in anderen steirischen Regionen wird das Streetwork-Angebot zurückgefahren, in Deutschlandsberg wurde es ganz eingestellt. Zum Teil sind Förderkürzungen durch das Sozialressort ausschlaggebend – das belegt das „Kompetenz-Wirrwarr“ (Swatek) im Bereich Jugendarbeit. Die NEOS fordern daher, dass kurzfristig die noch bestehenden Angebote gesichert werden, langfristig soll es in jedem Bezirk ein Jugendhaus als zentrale Anlaufstelle geben. Zudem soll die Finanzierung von Jugendzentren, mobiler Jugendarbeit und Streetwork aus einer Hand erfolgen. Swatek: „Wir glauben, dass das Jugendressort dafür am geeignetsten wäre.“

Landesförderungen

  • Die Finanzierungsströme bei der Jugendarbeit sind durchaus kompliziert und vielschichtig. Mehrere Abteilungen und politische Ressorts sind involviert.
  • Im Jänner beschloss die Landesregierung eine Förderung über 1,5 Millionen Euro für die sogenannte offene Jugendarbeit, konkret für 43 Jugendzentren und -räume. Je Anstellungsstunde werden 650 Euro mitfinanziert – ein Plus von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.  
  • Die Finanzierung von Streetwork wiederum fällt zum Teil in das Gesundheitsressort (Suchtprävention), aber auch in das Sozialressort. 

Auf „Krone“-Anfrage gibt es eine Stellungnahme von Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP) und FPÖ-Landesrat Stefan Hermann: „Eine mögliche Bündelung des Angebotes der mobilen Jugendarbeit ist aktuell bereits Gegenstand von Überlegungen seitens der Landesregierung und der zuständigen Abteilungen.“ Betont wird zudem, dass die Landesregierung im Jänner „mit der Anhebung der Kofinanzierung der Personalkosten bei Jugendzentren bewiesen hat, dass ihr die Jugendarbeit ein wichtiges Anliegen ist. Grundsätzlich muss jedoch festgehalten werden, dass die Entscheidung über den Betrieb eines Jugendzentrums im Rahmen der Gemeindeautonomie bei den Kommunen liegt – dem Land kommt hier eine unterstützende Rolle zu.“

Privater Verein soll Jugendarbeit in Leibnitz retten
In Leibnitz wollen Martha Ortner und ihr Kollege Max Pratter übrigens nicht aufgeben. Sie haben im Dezember den Verein OJAS (Offene Jugendarbeit Südweststeiermark) gegründet, um weiterhin – wenn auch in reduzierter Form – Anlaufstelle für Jugendliche zu sein. Über Spenden, Crowdfunding, Veranstaltungen und öffentliche Mittel soll die Finanzierung sichergestellt werden. Ab Mai mietet man einen Raum in der Kadagasse an, spätestens im Juni soll er eröffnet werden.

Man hat sich auch um die Räumlichkeiten des ehemaligen Wave bemüht, berichten Ortner und Pratter. Hier sei ja die Einrichtung weitgehend noch vorhanden. Aber die Stadtgemeinde hat das abgelehnt.

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