Bruder erstach Täter

Vergewaltigte Schwester: “Hat es für mich getan”

Ausland
25.06.2014 17:26
Mit 23 Messerstichen soll ein 17-Jähriger in Deutschland Selbstjustiz geübt und den mutmaßlichen Vergewaltiger seiner Schwester ermordet haben. Jetzt hat sich zum ersten Mal das Opfer der Vergewaltigung geäußert. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Stern" zeigte die 26-Jährige am Mittwoch Verständnis für die Tat ihres Bruders: "Ich kann es echt verstehen", sagte sie in ihrem ersten Interview nach der Bluttat. "Er hat es für mich getan, seine Schwester. Er liebt mich sehr. Und er wollte mich immer beschützen."

Der 27-jährige mutmaßliche Vergewaltiger der jungen Frau war vor einer Woche unter einem Vorwand auf einen Parkplatz in Neuenburg am Rhein an der Grenze zu Frankreich gelockt worden. Dort warteten der 17-Jährige und sein Vater auf den Mann. Mit "großer Wut" stach der Bruder des Vergewaltigungsopfers dann auf den 27-Jährigen ein, er erlag noch am Tatort seinen schweren Verletzungen (siehe Story in der Infobox).

Bruder und Vater des Vergewaltigungsopfers sitzen seither in Untersuchungshaft. Der 17-Jährige hat die Tat bereits gestanden, ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Derzeit ist aber noch unklar, wie es zu der tödlichen Attacke auf den mutmaßlichen Vergewaltiger kam. Ob nur der Teenager oder auch der Vater an der Tat beteiligt war, ist ebenfalls noch Gegenstand der Ermittlungen. Die 26-Jährige behauptet jedoch im Gespräch mit dem "Stern", ihr Vater sei erst nach dem Angriff auf den Mann hinzugekommen.

"Ich kriege diesen Mann"
In ihrem ersten Interview erklärt die junge Frau zudem, dass ihr Bruder vor der tödlichen Selbstjustiz-Tat Rachegedanken geäußert habe. Als er von ihrer Vergewaltigung erfahren habe, sei er ausgerastet, so die 26-Jährige. "Er sagte: 'Ich kriege diesen Mann.'" Dass es dann tödlich enden würde, habe sich das Vergewaltigungsopfer allerdings nicht vorstellen können, wie sie gegenüber dem Nachrichtenmagazin sagt.

Ihren Angaben zufolge sei die Polizei über die Gefahr, die von ihrem Bruder ausging, im Bilde gewesen – bevor es zu der Bluttat kam. Ihr Vater habe die Polizisten kurz nach der Vergewaltigung gewarnt: "Finden Sie diesen Mann, denn ich weiß nicht, was passiert, wenn mein Sohn ihn findet." Polizei und Staatsanwaltschaft beharren jedoch darauf, von solchen Warnungen vor einem Racheakt nichts gewusst zu haben.

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