In „Herzklang – Zurück zu mir“ (4. April, ORF 1, 20.15 Uhr) bekleidet die Kärntner Schlagersängerin Melissa Naschenweng ihre erste Filmhauptrolle und spielt sich quasi selbst. Im „Krone“-Interview verrät sie, worauf es dabei besonders ankam, wo bei diesem Heimatfilm die Parallelen zu ihrem eigenen Leben gezogen werden und was sie von der Idee hält, irgendwann einmal „Tatort“-Kommissarin zu werden.
„Krone“: Melissa, nachdem du in „Pulled Pork“ und „Neo Nuggets“ bereits aktiv ins Filmbusiness hineingeschnuppert hast, spielst du in „Herzklang“ als Schlagersängerin Melanie Buchauer nun deine erste Hauptrolle. Wie hat sich das für dich angefühlt?
Melissa Naschenweng: Das ist natürlich eine ganz andere Herausforderung, als wenn man nur ein oder zwei Tage in eine Rolle reinschnuppert. Ich habe mich gut vorbereitet, aber den Text zu lernen ist immer noch etwas anderes, als dann mit den anderen Schauspielern gemeinsam zu spielen. Wie es wirklich läuft, merkt man erst, wenn gedreht wird. Von dem her war bis zur letzten Sekunde viel Anspannung da, aber es waren sechs extrem coole Drehwochen, bei denen ich das Glück hatte, viele tolle Leute an meiner Seite zu haben. Ich konnte mich in der Rolle selbst verwirklichen und war von Tag zu Tag sicherer. Bei der Szene mit dem Heiratsantrag musste ich mich sammeln, weil das so lustig war. Der Unterschied zur Musik ist groß. Dort geht viel Freestyle und in einem zweistündigen Live-Set passieren viele Sachen, die man nicht vorhersehen kann. Vieles passiert spontan, das ist beim Film anders. Da geht es um Disziplin, weil man eine bestimme Emotion öfters gleich treffen muss. Das war herausfordernd.
Theoretisch hättest du dich in dieser Rolle als Melissa Naschenweng aber gleich selbst spielen können …
Ja, aber das ist auch nicht so leicht, glaub mir das. (lacht) Natürlich war im Hintergedanken, dass man vieles aus meinem eigenen Leben herauszieht und in die Rolle einfließen lässt. Die Geschichte wurde von meinem Werdegang inspiriert, aber der Strang mit der Familie ist zum Beispiel frei erfunden. Die privaten Aspekte stimmen dann doch nicht und das hat es für mich wieder spannend gemacht.
Wo liegen dann die größten Parallelen und Ähnlichkeiten zwischen Melanie Buchauer und Melissa Naschenweng?
Sie ist sehr zielstrebig und emotional und wenn sie etwas fühlt, dann spricht sie es gleich direkt aus. Zudem gibt es im Leben immer ein paar Personen, die dich von sich abhängig machen und dich ausnutzen wollen, das habe ich auch schon erleben müssen – so wie viele andere auch in meiner Branche. Ich habe auch beim Songtext des Titelliedes vom Film mitgeschrieben und die Zeile, dass der Schmerz dort ist, wo es wehtut und brennt, ist real. Ich will den Leuten damit die Hoffnung schenken an sich zu glauben. Es ist nie zu spät, neu anzufangen. Es ist nie zu spät, an sich selbst zu glauben und dort, wo es gerade am meisten wehtut, tut sich wahrscheinlich auch der coolste Weg auf. Melli ist am Anfang ein abhängiges Mädel, aber sie lernt, mit sich selbst etwas anzufangen und entfaltet sich. Das war bei mir auch so.
Melanie Buchauer pendelt zwischen ihrem Leben als Schlagerstar und naturverbundenes Bauernmädel hin und her. Ein Gedankengang, den du selbst gut nachvollziehen kannst?
Ich brauche im Leben beides. Meine Heimat und die Natur, aber auch das Bühnenleben und Melanie geht es dabei nicht anders. Ich will in meinem Leben den Spagat schaffen, dass man daheim mitarbeitet und einfach mal den Mund aufmachen kann, am nächsten Tag schöner angezogen dann auf der Bühne steht und Menschen unterhält. Das eine schließt das andere nicht aus, denn der Mensch dahinter bleibt derselbe. Die Drehbuchschreiber sind da auch super auf mich eingegangen, das hat alles perfekt gepasst.
Der Subtitel des Films heißt „Zurück zu mir“. Ist es dir als Melissa Naschenweng längst auch gelungen, immer wieder zu dir zurückzufinden nach großen Tourneen und viel Applaus, oder war das eh nie ein Problem?
Ich glaube, man wird nie damit fertig, sich selbst zu finden. Wenn man am Anfang einer Karriere viel unterwegs ist und extrem viele Leute auf einen einreden, wird man schnell einmal verleitet. Jeder weiß, wie man ausschauen, was man spielen und was man tun soll. Ich hatte am Anfang noch nicht das Standing, mein Ding so durchzuziehen, wie ich es für richtig halte. Alles im Leben ist ein Findungsprozess, aber jetzt gerade habe ich tatsächlich das Gefühl, dass ich mich schon gefunden habe. Es kommt aber sicher irgendwann wieder der Moment im Leben, wo ich in eine andere Richtung abbiegen möchte – das macht das Leben lebenswert.
Was sind die wichtigsten Lehren, die du aus deiner bisherigen Karriere gezogen hast und die vielleicht auch in den Film eingeflossen sind?
Dass man nicht auf andere hören, sondern auf sein eigenes Bauchgefühl vertrauen soll. Das habe ich viel zu lange gemacht und die Leute da draußen merken das, wenn man sich selbst nicht vertraut. Das wird sofort bestraft. Die Menschen spüren, wenn man nicht authentisch ist. Ich bin im echten Leben genauso, wie ich auf der Bühne bin. Natürlich gibt es viele Menschen, die Figuren spielen können, aber das bin nicht ich. Wenn ich authentisch bin und Spaß habe, dann habe ich auch Erfolg - wenn nicht, dann entsteht eine sonderbare Leere.
Konntest du während der Dreharbeiten auch deine alten Kenntnisse am Land und auf der Alm auffrischen?
Es war natürlich ein bisschen so wie früher und jetzt wird mir der Papa daheim wieder strenger über die Schulter schauen, ob ich eh alles richtig mache. (lacht) Das ist im Endeffekt wie Radfahren, man verlernt es nicht. Wir haben daheim aber keine Schafe, sondern nur Hendl. Ich habe sie früher immer mit dem Futter erwischt, damit sie nicht weglaufen. Ich habe auch in der Früh immer die Eier geholt, das hat großen Spaß gemacht.
Konntest du von deinen Erfahrungen aus deinen ersten Nebenrollen schon Dinge mitnehmen, die du hier, in der ersten Hauptrolle, gut für dich einsetzen konntest?
Für mich war schon wichtig zu verstehen, dass von einem Drehtag am Ende nicht mehr als vier bis sechs Minuten Nettomaterial übrigbleiben. Oder drei bis fünf, wenn wir es realistisch sehen. Mir kamen dafür aber sicher auch meine Musikvideodrehs zugute, weil ich da auch oft zwölf bis 14 Stunden pro Tag am Set war. Da lernt man, wie man an die Sache rangeht, wie man Pausen nützt oder Szenen unterschiedlich auslegen kann. Die zwei kurzen Rollen davor waren schon wichtig, aber ehrlich gesagt, hätte ich ohne sie auch nie eine Hauptrolle riskiert.
Hat Melanie Buchauer etwas an sich, was du als Melissa Naschenweng gerne hättest?
Das ist eine gute Frage. Wir sind uns in vielen Bereichen sehr ähnlich, aber ich würde mir für Melanie wünschen, dass ihre Rolle weitererzählt wird und sie ein bisschen mehr Meinungsfreiheit hat. Sie verzeiht sehr leicht und ist dahingehend vielleicht ein bisschen zu milde, aber ansonsten sind wir uns sehr ähnlich.
Sie wird mit den Erfahrungen lernen, sich zu wehren.
Mit Sicherheit. Wenn man Erfolg hat, kann man sich darauf verlassen, dass da draußen Leute herumstehen, die mitnaschen oder das ausnützen wollen. Dass man am Anfang nicht gleich völlig unabhängig ist, ist normal. Das muss man sich mit der Zeit erarbeiten.
Kann man aus „Herzklang“ mehrere weitere Filme machen? Siehst du Potenzial, dass es mit der Geschichte von Melanie Buchauer weitergeht?
Es wäre schon lustig, die Geschichte weiterzuerzählen und es wäre sicher möglich.
Du wärst bei einem Quotenerfolg also nicht abgeneigt, die Rolle noch einmal zu spielen?
Ich habe das auch gemacht, weil es meiner Karriere dient und ich gerne meine Musik spiele. Es war nicht so, dass ich sechs Wochen aus meinem normalen Job aussteige und dann irgendwas in eine Richtung gemacht habe, die für mich keinen Sinn ergibt. Wir haben für den Film extra ein Lied geschrieben und das werde ich auch in mein musikalisches Programm aufnehmen. Wer kann schon behaupten, dass er sich quasi selbst gespielt hat und dann auch noch seine Musik in den Film bringt? Es ist etwas Besonderes und es würde mich reizen, wenn es so weitergeht – aber lassen wir uns einfach überraschen. Es ist schon cool, dass diese Rolle so passiert ist. Man muss auch einmal zufrieden sein. (lacht)
Bist du prinzipiell auf den Geschmack gekommen und möchtest du abseits der Rolle als Melanie Buchauer weiterhin als Schauspielerin reüssieren, oder bleibt der Hauptfokus bei der Musik?
Der Hauptfokus bleibt definitiv bei der Musik. Die Angebote müssen passen und ich habe sicher Zeit für ein paar kurze Ausflüge, aber auf lange Sicht gesehen lege ich alles in die Musik. Man sollte sich schon ganz auf eine Sache konzentrieren, weil sonst alles darunter leidet, dass man zu viel macht. Wenn mein Kalender es zulässt und ich ein Projekt cool finde, wäre ich aber sicher nicht abgeneigt.
Gibt es einen bestimmten Charakter oder eine bestimmte Rolle, die du als Schauspielerin gerne bekleiden würdest?
Eigentlich nicht. Ich wollte immer Musik mit Heimat vermischen und dahingehend ist „Herzklang“ das perfekte Projekt. Das hat so gut gepasst, wie soll man das jetzt noch toppen?
Melissa Naschenweng als „Tatort“-Kommissarin – wie klingt das für dich?
Ich weiß nicht. Da muss man sich schon auch selbst richtig einschätzen können und ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt zu mir passt. Ich glaube, ich bin bei den soften Rollen sehr gut aufgehoben.
ORF-Programmdirektorin Stefanie Groiss-Horowitz hat im Vorfeld betont, dass man mit „Herzklang“ den klassischen Heimatfilm in die Moderne holen möchte. Bist du prinzipiell ein Fan von Heimatfilmen?
Na sicher. Es geht um schöne Bilder und schöne Eindrücke und in einer Welt wie der momentanen ist es umso schöner, dass es solche Filme gibt. Dazu gibt es meistens eine Geschichte, die romantisch und noch ein bisschen lustig ist. Man kriegt was für das Herz und für die Lachmuskeln, dazu sieht man die Schönheit der Natur in Österreich. Dann sind in unserem Fall auch noch zwei Charaktere drinnen, die wunderbar harmonieren. Wir haben wirklich alles gegeben – jetzt hoffen wir, dass der Film auch die Leute interessiert.
Was waren für dich beim Dreh die größten Herausforderungen?
Das war sicher die Szene mit dem Heiratsantrag. Das war eben so witzig geschrieben, dass ich beim Filmen die ganze Zeit lachen musste. Das ist mindestens zehn Mal so gegangen, aber ich konnte es nicht ändern. Bei lustigen Szenen ernst zu bleiben ist noch viel schwieriger, als eine traurige Szene zu spielen, wenn man gar nicht traurig ist. Das hat sich für mich so angefühlt wie früher beim Sternsingen. Wenn man den Spruch auf den Lippen hat, aber plötzlich ist da ein Loch und man weiß nicht weiter.
Wie geht es bei dir in diesem Jahr sonst so weiter? Was ist mittelfristig alles geplant?
Auf jeden Fall unendlich viele Konzerte – zumindest gefühlt und dann gibt es natürlich auch wieder was in der Schublade, über das ich jetzt noch nicht reden darf. Dann arbeiten wir auch wieder an neuer Musik, bei uns wird eigentlich nie gerastet. Das ist mitunter das Coole an diesem Beruf: Man weiß nie genau, was passieren wird, aber man kann immer was tun, immer den nächsten Schritt gehen. In erster Linie freue ich mich darüber, dass ich mit meiner Band wieder auf der Bühne stehe, denn die Liveaktivitäten haben wir zuletzt stark zurückgefahren. Ich brauche wieder mehr Stress und Herzklang. (lacht)
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