Nach zwei enorm erfolgreichen Quotenhits schickt sich Thomas Stipsits wieder an als Inspektor Sifkovits Morde in Stinatz aufzuklären. Das „Eierkratz-Komplott“ (20.15 Uhr, ORF 1) ist die bereits dritte Verfilmung seiner Bücher. Im Gespräch mit der „Krone“ denkt er auch an sein eigenes Osterfest zurück.
„Krone“: Thomas, „Eierkratz-Komplott“ ist bereits der dritte Stinatz-Krimi, der nach deinen Büchern mit dir in der Hauptrolle verfilmt wird. Wie leicht geht eurem Team die Umsetzung so eines Films mittlerweile von der Hand?
Thomas Stipsits: Ja, total im positiven Sinne. Was wir beim zweiten Film schon gemerkt haben, war jetzt beim dritten noch klarer: Alle kennen ihre Figuren schon so gut, dass es wie von selbst läuft. Wenn wir Proben haben, entsteht enorm viel aus der Improvisation heraus. Eine Szene, die ich mit meiner Filmschwester Sabrina Reiter spiele, ist rein aus dem Blödeln heraus entstanden und blieb dann einfach drin. Zudem sind die Menschen in Stinatz so unglaublich nett zu uns. Wir haben wieder Mehlspeisen wie Schaumrollen gekriegt und ein alter Freund wollte mich dazu überreden, mit ihm schnell ein Seidel zu trinken. Das kann ich nicht immer machen, denn sonst komme ich gar nicht mehr zum Drehen.
Macht diese Freundlichkeit der Menschen auch was mit den Figuren im Film?
Der Ort hat aus uns allen was gemacht. Die meisten Leute dort kenne ich ja, aber wir sind als Produktionsteam noch stärker zusammengewachsen. Es ist schön zu sehen, dass viele Leute hinter den Kameras mit den Leuten im Ort zusammenwachsen.
Mittlerweile würden sich die Stinatzer wahrscheinlich wundern, wenn länger nicht mehr bei ihnen gedreht werden würde?
Ja. Sie fragen auch immer, wann es wieder weitergeht bzw. wann wir zurückkommen und weitermachen. Das ist alles sehr außergewöhnlich.
Dieses Mal ist die kriminelle Handlung passend zum Osterfest angesiedelt und es geht um die aussterbende Kultur des Eierkratzens. Du hast als Kind steirische und burgenländische Ostern erlebt – unterscheiden die sich stark voneinander?
Durchaus, aber ehrlich gesagt war ich die meiste Zeit im Burgenland. Meine Oma hat das Eierkratzen ewig betrieben und es wurde innerhalb meiner Familie weitergegeben. Das geht bei uns über viele Generationen in der Familie zurück. Jetzt, wo ich selbst Kinder habe, weiß ich, dass meine Eltern das mit mir schon sehr geschickt gemacht haben. Ich war in den Ferien bei der Oma im Burgenland und sie hatten ihre Ruhe. (lacht) Meine Oma hat immer am Stefanitag, am 26. Dezember, mit dem Eierkratzen angefangen und bis Ostern hast du dann die Kuchl vor lauter Eiern nicht mehr gesehen. Deshalb gab es dann lange auch so viel Eierspeise. Meine Oma hatte diese riesengroßen Email-Pfannen, die waren randvoll mit ausgeblasenen Eiern und ich habe sie zum Wirtshaus getragen. Ich habe das Eierkratzen auch probiert, aber mir fehlen Talent und Geduld. Ein falscher Druck und das Ei ist kaputt. Die Tätigkeit selbst ist für die Damen wie ein Fingerabdruck. Jede hat ihren ganz eigenen Stil und man weiß sofort, von wem welches Ei ist.
Ist diese Tradition im Burgenland noch immer stark verbreitet?
Aktuell sind es ca. drei Damen, die das noch regelmäßig machen, aber es gibt auch jüngere, die nachkommen. Ich finde es schön, dass diese Tradition erhalten bleibt. Meine Oma hat damals ein Ei um etwa 20 Schilling verkauft. Das war viel Geld, wenn eines kaputtging. Außerdem war das zu Zeiten, wo das Finanzamt noch nicht in jede Transaktion eingebunden wurde. Später ist sie dann draufgekommen, dass irgendwer in Wien ein Ei um 80 Schilling weiterverkauft hat.
Haben die drei Damen der „Kopftuchmafia“ das Eierkratzen für den Film erlernt, oder konnten sie es schon vorher?
Sie hatten ein Coaching, aber man sieht im Film auch, dass sie es nicht sind. Bei den Nahaufnahmen sieht man die Originalhände der Kratzerinnen. Unsere drei Damen waren selbst verwundert, wie schwierig das ist. Ich erinnere mich gut daran, dass ich früher auch dachte, das wäre so leicht, weil es der Oma so gut von der Hand ging. Sie hat nie geplant, welches Muster sie macht, sondern hat einfach angefangen und dann ist sich das immer irgendwie ausgegangen.
Dieses Mal gehört sogar die Mutter von Inspektor Sifkovits unter Mordverdacht. Ist der Fall deshalb persönlicher und intimer als je zuvor?
Es ist halt blöd, wenn das Eiermesser der Mama im Mordopfer steckt. Sifkovits kann nicht glauben, dass seine Mutter wirklich jemanden umgebracht haben könnte, aber es entstehen ein paar Ungereimtheiten, die ihn tatsächlich an seinem Urteil zweifeln lassen. Diese Szenen zu spielen war besonders schön.
Waren beim letzten Stinatz-Krimi noch ein paar Musicalszenen zu sehen, gibt es dieses Mal Anleihen an Horrorfilme. Macht es besonders Spaß, sich bei solchen Dingen auszutoben?
Das schreibe ich mir aber nicht auf die Fahne, das war eine Idee unseres Regisseurs, dem Dani Prochaska. Ich finde es aber schön, dass sich das mittlerweile ein bisschen als wiederkehrendes Element etabliert hat, dass man aus dem üblichen Schema ausbricht. Das gibt dem Film eine neue, zusätzliche Farbe. Ich habe auch Stimmen gehört, die meinten, der Gesang beim zweiten Film hätte nicht sein müssen, aber das hat doch sehr gut gepasst. Ich finde es toll, wenn man Überraschungen filmisch immer wieder sehr gut umsetzen kann.
Was hat Ostern prinzipiell für dich für eine Bedeutung? Hat sie sich in Wien, dem Bundesland, das wohl am wenigsten traditionell zelebriert, abgeschwächt?
Ehrlich gesagt ja. Als Kind habe ich Ostern geliebt. Das Nesterlsuchen draußen im Garten war großartig. Dann hatten wir eine Häsin, die Gabi. Und der Opa hat immer gesagt, sie wäre der Osterhase. Das war wirklich süß, weil er sich dabei so viel Mühe gemacht hat. Am Ostersonntag hat er die Gabi immer aus dem Gatter genommen und versteckt, damit ich nicht weiß, wo sie ist. Sie musste ja weg, um alle Nester zu füllen, aber natürlich ist das alles mit den Jahren ein bisschen eingeschlafen. Mit den Kids haben Momente wie Ostern oder Weihnachten aber wieder ein Revival. Wir haben auch einmal in Griechenland Ostern gefeiert, so original mit Plastiktisch am Strand, das war super. Aus Österreich haben wir Geselchtes mitgenommen und das dort am Strand gegessen. Griechische Ostern sind ein Riesenevent.
Hast du als Kind länger an den Osterhasen oder das Christkind geglaubt?
Das weiß ich nicht mehr so genau, aber das hat sich ziemlich sicher parallel zueinander aufgelöst. Bei meinen Kids hatte ich aber wirklich mal einen tollen Osterzufall. Sie haben mich gefragt, warum man den Osterhasen nie sieht und ich habe gesagt, er hätte so viel zu tun, dass er keine Zeit hat, länger wo zu bleiben. Irgendwann schaut mein Sohn Emil bei der Terrassentür raus und da sitzt ein fetter Feldhase und ging nicht weg. Das war natürlich ein super Zufall und der Beweis, dass es den Osterhasen wirklich gibt.
Deine Stinatz-Krimis sind ja fast ein bisschen so etwas wie ein positiver Kulturkampf. Ein Kampf gegen das Vergessen von Traditionen und Bräuchen wie in dem Fall das Eierkratzen. Schwingt bei jedem Kapitel auch ein bisschen der Wunsch mit, diese Dinge jüngeren Menschen zugänglich zu machen und am Leben zu erhalten?
Stinatz hat, was Traditionen betrifft, sowieso einen wunderbaren Zugang. Als Sechsjähriger ist es mir auch am Nerv gegangen, dass um 6 Uhr in der Früh schon überall Lärm war und die kroatische Messe so früh angefangen hat. Aber Dinge wie das Eierkratzen oder auch die Klänge einer Tamburica haben eine Vergangenheit und ich finde es toll, dass diese Traditionen so liebevoll gepflegt werden. Zumindest subjektiv habe ich das Gefühl, dass eine junge Generation wieder großes Interesse an diesen Dingen hat. Sie verspürt Freude daran, weil sie dadurch aus der Schnelllebigkeit der Gegenwart herausgeholt wird. Das klingt jetzt wahnsinnig altklug, aber ist nicht so gemeint. Menschen gefällt es auch vermehrt, länger an Dingen zu arbeiten und sich auf etwas zu konzentrieren. Gleichzeitig bekämpft man dadurch die Landflucht in den Dörfern. Es ist schön, wenn die Leute wieder zusammenkommen und das Gemeinsame nicht nur auf WhatsApp stattfindet.
Hast du über die Jahre selbst Hobbys oder Routinen entwickeln, die dich runterholen und Geduld erfordern?
Das Dartsspielen. Bis man da halbwegs gut wird, braucht man viel Geduld und Geduld ist in meinem Beruf nie verkehrt, weil man an einem Drehtag enorm viel Tagesfreizeit hat. In der Zeit trainiere ich eben meine Darts-Fähigkeiten. Mittlerweile kann ich mit Stolz behaupten, dass ich nächstes Jahr in der niederösterreichischen Landesliga antreten werde.
Wie gut muss man dafür sein?
Da spielen schon richtig gute Jungs mit, wo ich nicht so leicht ranschnuppern kann. Aber zwischen daheim üben und ein Match spielen herrscht noch immer ein großer Unterschied. Daheim verwende ich beim Spielen eine App, wo ich meine Leistungskurve verfolgen kann. Ich spiele daheim ungefähr einen 70er-Average und bei den Matches pendle ich zwischen 60 und 65.
Im „Eierkratz-Komplott“ baust du auch deinen Lieblingsverein Austria Wien schön ein. Sind das die kleinen Bonmots, die besonders glücklich machen?
Ja natürlich, wobei die Originalversion wäre noch größer gewesen, aber sie fiel leider dem Schnitt zum Opfer. Wir hatten ein Zitat von Hans Krankl drin, wofür wir ihn extra angerufen haben, ob das für ihn okay wäre. Es gab eine Szene, wo der Sifkovits mit seiner Mutter spricht, aber sie ihm nichts entgegnet. Dann sagt der Sifkovits: „Mama, sag doch was“. Und die Mama sagt: „U2. Donauinsel.“ Weltklasse. (lacht) Lieder bleib es nicht drinnen.
Hat es eine besondere Bedeutung, dass der Schlagersong „Ein kleines bisschen Zärtlichkeit“ gleich mehrfach vorkommt und eine prominente Position im Film einnimmt?
Nein, das weiß ich zumindest nicht, aber Roy Black erinnert mich immer an meine Oma. Die hatte immer Kassetten von ihm abgespielt, das ist mir noch sehr präsent. Ich finde die Figur des Roy Black wahnsinnig spannend und wenn man mich fragen würde, ob ich jetzt lieber ein Lied von Sido oder Roy Black hören würde, würde ich sofort Roy Black sagen. Beim ersten Buch der Stinatz-Krimis war er auch schon ein wichtiger Teil und das ist irgendwie geblieben. Roy Black hat sich im Laufe der Krimis zu einem dramaturgischen Element entwickelt, was ich sehr schön finde. Er ist eine Legende mit einer tollen Stimme. Dazu könnte ich gut weinen.
Gibt es schon einen genauen Plan, wann das vierte Buch „Allerheiligen-Fiasko“ verfilmt wird?
Der Plan ist, dass ich heuer einen Kinofilm drehe und dann 2027 den vierten und fünften Stinatz-Krimi auf einmal, weil das fünfte Buch im Herbst erscheint und am vierten anschließt, was die Jahreszeiten betrifft. Da geht es dann über Weihnachten hinein ins neue Jahr und so ein Doppeldreh macht natürlich auch aus budgetären Gründen Sinn. Man muss nicht zweimal alles organisieren, aufbauen und abbauen, sondern kann durchdrehen. Die Geldfrage wird beim Film leider auch immer wichtiger.
Was kannst du mir über den Kinofilm erzählen?
Da spiele ich eine an Roy Black angelehnte Figur, die ich schon immer spielen wollte. Ein Schlagersänger, der vor 20 Jahren sehr erfolgreich war und jetzt in einer großen Sinnkrise steckt. Es geht auch um die Ambivalenz, dass der Typ, den ich spiele, eigentlich nie Schlagermusik machen wollte, aber jetzt damit großen Erfolg hat. Daraus entsteht eine wahnsinnige Sinnkrise mit viel Reibung. Erfolg mit etwas haben, das man eigentlich nicht mag, ist gefährlich.
Das klingt ein bisschen wie „Rimini“ aus 2022.
Der Film wird hauptsächlich in Italien spielen, worauf ich mich auch sehr freue. Außerdem haben wir eine der bestmöglichen Hauptdarstellerinnen dafür bekommen: eine Eselin. Der Typ geht den Franziskusweg auf den Spuren von Franz von Assisi, weil er vorher einen Absturz erleidet. Da trifft er dann auf eine Eselin, die nicht mehr von ihm weggeht und woraus sich eine echte Freundschaft entwickelt. Ich habe das Bild schön gefunden, weil ich selbst immer einen Esel haben wollte. Das Bild, dass Esel über Jahrtausende hinweg die Last der Menschen getragen haben, gefällt mir auch. In dem Fall trägt er die psychische Last dieses Typen – das wird alles sehr toll.
Ein Dreh mit Tieren ist sicher etwas ganz Besonderes.
Das Tolle an einer nonverbalen Gesprächspartnerin ist, dass du die Gedanken viel besser mitteilen kannst. Er erzählt der Eselin dauernd Dinge, aber die reagiert natürlich nicht wirklich darauf, was eine besondere Situation ergibt.
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