Nachtkritik: Mit dem „Rheingold“ starten die Osterfestspiele ihren neuen „Ring des Nibelungen“. Am Ende gibt es Riesenjubel für die nach Salzburg zurückgekehrten Berliner Philharmoniker und ihren Chefdirigenten Kirill Petrenko. Kirill Serebrennikow muss für seine Inszenierung dagegen auch Buhs einstecken.
Man könnte es beinahe Solo für Orchester nennen, was da am Freitag in der Felsenreitschule zu hören und erleben war. Nach dreizehn Jahren Pause, saßen die „Berliner“, für die Herbert von Karajan einst das Oster-Festival gegründet hatte, wieder in einem Orchestergaben im Festspielbezirk, um Oper zu spielen.
Intendant Klaus Bachler gelang es, die nach Baden-Baden abgewanderten Musiker wieder nach Salzburg zu bringen. Den Neuanfang machte dabei „Rheingold“, der Vorabend zu Richard Wagners „Ring des Nibelungen“-Tetralogie.
Berlins Chefdirigent Kirill Petrenko kennt Wagners Opus Magnum seit Jahrzehnten bestens. Auch das Orchester hat schon einmal, unter Simon Rattle, das Werk bei den Salzburger Osterfestspielen aufgeführt. Gemeinsam haben sie aktuell eine ungeheuer differenzierte Interpretation des „Rheingold“ erarbeitet: Da herrscht herrlichste Transparenz und orchestraler Feinklang, von der Es-Dur-Ursuppe des Beginns über das Schimmern des Rheingolds bis hin zum Gang über den Regenbogen ins neu erbaute Walhall.
Kirill Peterenko fährt dabei durchaus sparsam und wohldosiert die große Orchestermaschinerie auf, nimmt gerne auch etwas flottere Tempi, vermeidet Pathos, lässt geradezu kammermusikalisch aufspielen. Das schuldet er wohl auch der relativ unbekannten, jungen oder weniger Wagner affinen Sängerbesetzung.
Dabei gönnt sich als prominentester Sänger Christian Gerhaher in diesem „Rheingold“ seinen ersten Wotan-Ausflug. Er entledigt sich der Aufgabe mit großem Anstand, bleibt aber dennoch mehr König des Kunstliedes als Richard Wagners Göttervater. Die übrige Besetzung zeigt in einigen zentralen Rollen dann eklatante Schwachstellen. Also gilt die ganz große Aufmerksamkeit dem Orchestergraben.
Denn auch die Inszenierung von Kirill Serebrennikow, der die germanische Götterwelt nach Afrika verlegt und zu einer eigenartig hölzernen Ethno-Show umdeutet überzeugt nicht übermäßig. Am Ende muss der Regisseur und sein Team auch Buhs einstecken. Dafür räumen die „Berliner“ beim Publikum ganz groß ab – und das zu Recht.
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