Nach der Gedenkfeier für einen getöteten Afghanen in Linz, der Zivilcourage gezeigt hatte und dadurch ins Visier eines kroatischen Messerattentäters geraten war, soll ein ehemaliges Mitglied der Welser Feuerwehr ein Hassposting auf der Facebook-Seite einer oberösterreichischen Regionalzeitung verfasst haben. Der Verdächtige wurde nun angezeigt.
Berührende Szenen hatten sich am vergangenen Freitag bei der Gedenkfeier für den am 14. März in der Linzer Bismarckstraße tödlich attackierten Mahmoud A. zugetragen. Etwa 400 Menschen – darunter auch der Linzer Bürgermeister und mehrere Stadträte – waren gekommen, um an den 26-jährigen Afghanen zu erinnern, der offenbar als Folge seiner Zivilcourage getötet wurde.
Wie berichtet, waren er und zwei seiner Landsleute (24, 21) einem 57-jährigen österreichischen Autolenker zu Hilfe geeilt, der ins Visier eines amtsbekannten Kroaten (34) geraten war, der zuvor einen Amoklauf angekündigt haben soll. Zwei der Afghanen wurden niedergestochen, Mahmoud A. erlitt dabei tödliche Verletzungen.
Ein auf Facebook veröffentlichter Bericht auf der Seite einer oberösterreichischen Regionalzeitung zur Gedenkveranstaltung wurde von mehreren Usern kommentiert. Ein Post sorgte allerdings für Empörung, denn ein Mann schrieb: „Einer weniger!“.
„Alter, du bist bei der Feuerwehr Wels und postest sowas. Der ist unschuldig attackiert worden und gestorben“, reagierte offenbar eine Bekannte des Mannes entsetzt auf dessen Eintrag.
Strafanzeige
Der Hasskommentar des Mannes hat nun ein juristisches Nachspiel. Die Welser Initiative gegen Faschismus (Antifa) erstattete bei der Staatsanwaltschaft Anzeige wegen Gutheißung einer Straftat und wegen Verhetzung.
„Offenbar wollte der Verfasser zum Ausdruck bringen, dass ihm die Tötung eines Afghanen – oder überhaupt eines Ausländers – richtig und wünschenswert erscheint“, sagt Antifa-Vorsitzender Werner Retzl. Hass im Netz müsse bekämpft werden, stellt er fest: „Wenn es so weitergeht mit der Verrohung der Sprache, ist Gewalt gegen Minderheiten bald wieder an der Tagesordnung.“
War früher schon auffällig
Als besonders brisant empfindet Retzl, dass es sich bei dem Verfasser um einen Feuerwehrmann handeln soll. Laut Antifa soll der Verdächtige schon mehrfach fremdenfeindliche Postings verbreitet haben.
„Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, muss die Feuerwehr Konsequenzen ziehen“, betont der stellvertretende Antifa-Chef Christian Stöbich. „Gerade in einer Blaulichtorganisation ist ein Hetzer untragbar. Unter anderem fragt man sich, welches Weltbild der Feuerwehrjugend vermittelt wird.“
Feuerwehr distanziert sich
Die Feuerwehr reagierte prompt: „Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Wels distanziert sich ausdrücklich von menschenverachtenden Aussagen bzw. Gedankengut und somit auch von den getätigten Aussagen jenes ehemaligen Mitglieds. Weder in unseren eigenen Reihen noch bei den Hilfesuchenden, die unsere Unterstützung benötigen, spielen Religion oder Herkunft eine Rolle“, heißt es in einer Aussendung. Man habe aber keinen Einfluss auf Aussagen von ehemaligen Mitgliedern.
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