Prozess in Südkorea

“Sewol”-Untergang: Ingenieur bekennt sich schuldig

Ausland
17.06.2014 21:11
Im Prozess gegen die Besatzung der gesunkenen südkoreanischen Fähre "Sewol" hat ein Angeklagter zugegeben, die Passagiere im Stich gelassen zu haben. Er wolle sich nicht damit entschuldigen, "dass er die Passagiere nicht habe retten können, als das Schiff schnell zur Seite gekippt sei", sagte der Anwalt des ersten Schiffsingenieurs, wie die Nachrichtenagentur Yonhap am Dienstag berichtete.

Angesichts der schlechten Gesundheit seines Mandanten bitte er das Gericht allerdings um Gnade, erklärte der Anwalt am zweiten Verhandlungstag. Wegen Schuldgefühlen habe der Mann versucht, sich das Leben zu nehmen.

Unglück forderte fast 300 Tote
Drei Crewmitglieder, die zu den Anklagepunkten Stellung bezogen, bestritten dem Bericht der nationalen Nachrichtenagentur zufolge die gegen sie erhobenen Anschuldigungen. Bei dem Fährunglück am 16. April vor der Südwestküste Südkoreas waren mindestens 292 Menschen ums Leben gekommen. Noch immer gelten zwölf der ursprünglich 476 Insassen als vermisst. Die meisten Fahrgäste waren Schüler auf einem Ausflug.

Der Prozess gegen die 15 leitenden Crewmitglieder hatte vor einer Woche vor dem Bezirksgericht in der Stadt Kwangju im Südwesten des Landes begonnen. Elf Angeklagte einschließlich des Kapitäns hatten dabei den Vorwurf von sich gewiesen, sie hätten ohne Rücksicht auf die Sicherheit der Passagiere das sinkende Schiff frühzeitig verlassen.

Verurteilung könnte für Angeklagte den Tod bedeuten
Der Kapitän und drei andere sind wegen vorsätzlicher Tötung angeklagt. Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes droht ihnen die Todesstrafe. Die anderen Besatzungsmitglieder müssen sich unter anderem wegen Fahrlässigkeit und Verstoßes gegen das Gesetz zur Schiffssicherheit verantworten.

Kommenden Freitag soll auch ein Prozess gegen fünf Vertreter der "Sewol"-Reederei beginnen. Ihnen wird unter anderem Totschlag zur Last gelegt. Nach Angaben der Ermittler war die Auto- und Personenfähre zum Zeitpunkt des Unglücks extrem überladen. Nach dem verschwundenen "Sewol"-Eigner und einem seiner Söhne wird seit Wochen landesweit gefahndet.

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