Glücksgriff im Irak
Namen von ISIL-Kämpfern auf USB-Sticks erbeutet
Es seien die detailliertesten Informationen über ISIL (Islamischer Staat im Irak und in der Levante), die man bisher gefunden habe, beschreibt ein irakischer Geheimdienstmitarbeiter gegenüber dem "Guardian". Gelungen sei der Coup, weil irakische Soldaten zwei Tage vor dem Angriff von ISIL auf Mosul vergangene Woche einen der wichtigsten Kuriere der Terrorgruppe, Abu Hajjar, festnahmen.
Nach einem nächtlichen Verhör habe er schießlich den Anführer des ISIL-Militärrats, Abdulrahman al-Bilawi, verraten, so die Iraker. Er habe auch den Sturm auf Mosul prophezeit: "Ihr wisst nicht, was ihr getan habt. Mosul wird diese Woche ein Inferno sein." Al-Bilawi sei wenige Stunden später von der irakischen Armee in seinem Versteck nahe Mosul getötet worden. Dort und im Haus von Hajjar habe man über 160 USB-Sticks gefunden - eine wahre Schatztruhe für die Behörden.
Gewaltiger Datenschatz
Schließlich seien darauf unter anderem die Namen sowie die Kampf-Aliasse aller ausländischen Kämpfer im Dienste von ISIL gespeichert, so der Geheimdienstler. Zudem seien alle hohen Anführer mit Namen aufgeführt sowie ihre Codewörter, genau wie die Initialen von Quellen in irakischen Ministerien und ein voller Finanzüberblick. "Wir alle waren erstaunt, genau wie die Amerikaner", so ein Geheimdienstmitarbeiter. "Niemand von uns kannte den Großteil der Informationen."
Irakische Spezialisten sowie jene vom US-Geheimdienst CIA seien noch dabei gewesen, die Daten zu entschlüsseln und zu analysieren, als sich Abu Hajjars Vorhersage bewahrheitete und ISIL-Kämpfer in nur drei Tagen in Mosul und Tikrit einfielen und Kirkuk bedrohten.
Terrorgruppe nun fast zwei Milliarden Euro schwer
Das Vermögen der Terroristen dürfte sich durch den blutigen Feldzug massiv erhöht haben - zum Beispiel durch BanküLerfälle und das Plündern von Militärvorräten. Vor Mosul habe ISIS insgesamt 875 Millionen Dollar (647 Millionen Euro) besessen, danach 1,5 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) mehr.
Schon zuvor war in Geheimdienstkreisen bekannt, dass sich ISIS aus zahlreichen Quellen finanziert, vor allem über Ölfelder im östlichen Syrien. Auch Schmuggel, etwa Tausende Jahre alte Antiquitäten von archäologischen Ausgrabungen, finanziert den Terror.
Neue Informationen kein Allheilmittel
Ob die neuen Informationen im Kampf gegen ISIL viel ausrichten können, bleibt trotz der Fülle an Details abzuwarten. Schließlich sei es höchst frustrierend, dass ausgerechnet die Informanten in irakischen Ministerien nur mit Initialen genannt wurden, so der Geheimdienstmitarbeiter. Doch man werde sie finden - insbesondere die, die von den Terroristen als "wertvoll" markiert wurden. Bei anderen dagegen sei "faul", "unentschlossen" oder "braucht Beobachtung" zu lesen.
Auch die Namen der ausländischen ISIL-Kämpfer seien zum Großteil bekannt gewesen, heißt es. Ihre arabischen Kriegs-Aliasse könnten bei der Suche dennoch hilfreich sein. Das ist auch dringend nötig, denn derzeit scheint ISIL im Irak kaum zu stoppen zu sein.
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