Eröffnung der Diagonale in Graz: Das Intendanten-Duo sprach sich gegen den Sparkurs in Kultur aus. Hilde Dalik erhielt den Großen Schauspielpreis und sparte nicht mit Kritik an der Politik und ihrer eigene Branche. Und Sandra Hüller beeindruckte im Eröffnungsfilm „Rose“.
Momente der Freiheit sind in Zeiten, in denen Krieg und Krisen täglich näher rücken und die Deutungshoheit immer öfter bei denen liegt, die am lautesten brüllen, nicht einfach zu finden. Kann ein Festival wie die Diagonale Räume für solche Momente schaffen?
Ja, sagen die Intendanten Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh bei der Eröffnung am Mittwoch in der List-Halle in Graz: „Ein Festival ist keine Arena für Likes, sondern ein offener Ort der Begegnung, der Auseinandersetzung, der Kritik – ja, vielleicht sogar der Ratlosigkeit. Aber einer produktiven Ratlosigkeit, die neugierig machen sollte, Fragen aufwirft und Lust auf Reibung erzeugt“, sagen sie.
Doch solche Räume der Freiheit schaffen zu können, sei in Zeiten sinkender Kulturbudgets nicht mehr selbstverständlich, argumentieren sie: „Eine Filmkultur, die von Vielfalt lebt, lässt sich nur schwer in die Logik kurzfristiger Sparmaßnahmen pressen. Wer an der Finanzierung spart, spart am Ende an der Vielfalt. Und Vielfalt ist beim Film kein dekorativer Zusatz. Sie ist sein Lebenselixier“, plädieren sie unter anderem auch für den Erhalt der ORF-Landesabgabe, die ja in beträchtlichem Ausmaß in die Kultur fließt.
In eine ähnliche Kerbe schlug auch Hilde Dalik in ihrer Dankesrede für den Großen Schauspielpreis der Diagonale: Sie verwies einerseits auf all die Hürden, die sie als Frau in der Filmbranche nehmen musste (und die sich erst langsam abbauen). Andererseits unterstrich sie aber auch die Bedeutung der geplanten Streaming-Abgabe für die heimische Filmkultur – in anderen europäischen Ländern gibt es diese schon lange, in Österreich wartet die Branche noch auf deren Umsetzung.
Auch Markus Schleinzer, Regisseur des Eröffnungsfilms „Rose“ nutzte die Chance, bei seiner Rede bei der Eröffnung auf Ungerechtigkeiten in der Branche hinzuweisen. Einerseits fordert auch er die Streaming-Abgabe – „wir stehen an der Wand und wissen nicht, wie wir im Herbst drehen sollen“, sagt er. Und auch die Weiterführung der ORF-Landesabgabe zur Absicherung des Kulturbetriebs in der Steiermark und die Abschaffung des Zuverdienstverbots für Arbeitslose waren Themen, die er ansprach, ehe sein Film dann gezeigt wurde.
Beeindruckender Eröffnungsfilm
Dass der Weg zur Freiheit voller Abwege ist, muss auch Rose im gleichnamigen Eröffnungsfilm der heurigen Diagonale erkennen. Um zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Frau frei leben zu können, blieb nur ein Weg: „In der Hose war mehr Freiheit, also bin ich in die Hose“, erklärt sie am Ende ihr jahrelanges Leben als Mann. Sie zog in den Krieg, wurde verwundet, trat das Erbe eines verstorbenen Kameraden an, heiratete eine Frau, ja wurde sogar Vater. Doch der Stich einer Biene führt dazu, dass die hart erarbeitete Freiheit sich in Luft aufzulösen beginnt. Letztlich endet der Stich tödlich.
Es ist ein berührendes und erschütterndes Drama, das Regisseur Markus Schleinzer mit „Rose“ vorlegt – inspiriert von vielen wahren Geschichten über Frauen, die in einem Leben als Mann die Freiheit suchten. Und er hätte keine bessere Schauspielerin als Sandra Hüller für diese Rolle finden können – über weite Strecken spielt sie die Rose subtil und still, lässt trotzdem durchblicken, dass in ihr ein Feuer brennt, dass nach ihrer Verhaftung auch ausbricht. Zurecht hat Hüller dafür bei der Berlinale den Silbernen Bären erhalten.
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