Mahdi P. liegt nach einer Not-OP in einem Zimmer des Linzer Unfallkrankenhauses. Der 24-jährige Afghane war am Samstag in der Bismarckstraße einem Messerattentat zum Opfer gefallen, nachdem er und zwei Landsmänner einem österreichischen Lenker zu Hilfe gekommen waren. Er kann noch immer nicht fassen, dass sein bester Freund dabei erstochen worden ist.
„Der Mahmoud war mein bester Freund, er war für mich wie ein Bruder. Ich kann es noch nicht so recht glauben, dass er tot ist“, sagt Mahdi P. am Dienstagnachmittag beim Besuch der „Krone“ am Spitalsbett. Sein Hals und Teile seines Kopfes sind dick einbandagiert, sein aus der Steiermark angereister Bruder Mohammad (27) und Freund Amin aus Niederösterreich stehen ihm zur Seite.
Der Mahmoud war mein bester Freund, er war für mich wie ein Bruder. Ich kann es noch nicht so recht glauben, dass er tot ist.

Mahdi P.
Bild: Jürgen Pachner, Krone KREATIV
„Ich hab‘ seit der Not-Operation am Samstag nicht mehr schlafen können, obwohl ich jede Nacht drei bis vier Tabletten einnehme. Was uns passiert ist, spielt sich ständig vor meinen Augen ab und beschäftigt mich“, erzählt der 24-jährige Tankstellenmitarbeiter, der dem Tod nur knapp entronnen sein dürfte. „Ich hatte einen Schnitt von den Ohren bis zum Hals und hab‘ sehr viel Blut verloren.“
Millimeter zwischen Leben und Tod
Chirurgen des Unfallkrankenhauses nähten die tiefe Wunde wieder zusammen, mehrere Beutel Spenderblut mussten P. verabreicht werden. Wäre der Schnitt nur ein paar Millimeter weitergegangen, hätte es seinen Kehlkopf erwischt und er wäre gestorben. „Ich habe sehr viel Glück gehabt, dass ich noch lebe“, betont der in Linz lebende Afghane.
2015 war er gemeinsam mit Mahmoud A. nach Österreich geflüchtet. „Wir hatten seither immer engen Kontakt. Dass der Freund getötet wurde, erfuhr er von dessen Bruder. „Ich hab‘ ihn noch am Boden liegen gesehen, bevor man mich ins Krankenhaus gebracht hat.“
„Er ist uns nachgelaufen“
Dass der Verdächtige auf sie einstechen würde, damit habe er nicht gerechnet. „Er ist uns nachgelaufen, hat uns plötzlich mit zwei Messern von hinten attackiert – das war schockierend.“ Er hofft, dass der Kroate (34) nun viele Jahre hinter Gittern muss, wirkt dabei besorgt.
„Solche Menschen dürfen nicht mehr rauskommen“, betont sein Bruder Mohammad, der Mahdi P. nach der Entlassung aus dem Krankenhaus mit in die Steiermark nehmen will, um ihn gesund zu pflegen. Ob Mahdi nach der Genesung weiter bei der Linzer Tankstelle arbeitet, ist ungewiss: „Ich könnte mir vorstellen, vielleicht eine Pflegeausbildung zu machen.“
Über den mutmaßlichen Täter wurde am Dienstag wie erwartet die U-Haft verhängt.
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