Taliban wollen Rache

400 Tote bei Angriff auf Entzugsklinik in Kabul

Außenpolitik
17.03.2026 06:40
Porträt von krone.at
Von krone.at

Bei einem Luftangriff durch Pakistan auf eine Klinik für Drogenabhängige soll es in der afghanischen Hauptstadt Kabul laut Taliban mindestens 400 Tote gegeben haben. Pakistan wies die Anschuldigungen zurück: Man habe militärische Einrichtungen und sogenannte „Infrastruktur zur Unterstützung von Terroristen“ angegriffen.

250 weitere seien verletzt worden, schrieb der stellvertretende Taliban-Sprecher Hamdullah Fitrat auf der Plattform X. Die Angaben beider Konfliktparteien ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Das pakistanische Informationsministerium erklärte auf X, es habe Angriffe auf militärische Einrichtungen, Infrastruktur zur Unterstützung von Terroristen sowie Ausrüstungs- und Munitionslager in Kabul sowie in der Provinz Nangarhar im Osten des Landes gegeben. Die Angriffe würden „präzise“ durchgeführt, um Kollateralschäden zu vermeiden, hieß es.

Die nach afghanischen Angaben in Kabul getroffene Klinik soll über 2000 Betten verfügen. Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Afghanistan, Richard Bennett, zeigte sich in einem X-Post „bestürzt über jüngste Berichte über Luftangriffe Pakistans in Afghanistan und die daraus resultierenden zivilen Opfer“.

Zivile Opfer in fast drei Wochen andauerndem Konflikt
Fernsehbilder des afghanischen Fernsehsenders Tolonews zeigten nach den Angriffen weiträumige Feuer- und Rauchsäulen und große Menschenmengen bei Bergungsarbeiten in zerstörten Anlagen. Erst vor wenigen Tagen hatte Pakistan Ziele in Afghanistan angegriffen. Bei Luftschlägen in Kabul gab es laut der UN-Hilfsmission in Afghanistan (UNAMA) Tote und Verletzte. Bis einschließlich vergangenen Freitag seien in dem Konflikt seit Ende Februar in Afghanistan mindestens 75 Zivilisten getötet und 193 verletzt worden, teilte UNAMA damals mit.

Afghanistan wiederum hatte zuletzt auch Ziele in Pakistan angegriffen, etwa in der Hauptstadt Islamabad.

Taliban: Keine Zeit für Diplomatie
Bereits im vergangenen Herbst war es zu gegenseitigen Angriffen gekommen. Ein nachhaltiger Frieden konnte bei verschiedenen Gesprächsrunden nicht erreicht werden. Pakistan wirft den in Kabul regierenden islamistischen Taliban vor, Terrorgruppen zu unterstützen. Die Taliban weisen die Vorwürfe zurück.

Die jüngste Eskalation des Konflikts folgte auf pakistanische Luftangriffe am 22. Februar in zwei afghanischen Provinzen. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif sprach Ende Februar von einem „offenen Krieg“.

Zuletzt hatte China versucht, in dem Konflikt zu vermitteln. Auch die – militärisch unterlegenen – Taliban hatten auf einen Dialog gedrängt. Mit den neuerlichen Luftangriffen auf Kabul könnte sich das ändern.

Der Sprecher der Taliban-Regierung, Sabiullah Mujahid, sagte dem Sender Tolonews nach den jüngsten Angriffen auf Kabul, nun sei nicht die Zeit für Diplomatie. Afghanistan werde zurückschlagen, sagte er.

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