Die französischen Rechtspopulisten rund um Marine Le Pen haben in der ersten Runde der Kommunalwahlen stark abgeschnitten und mehr Gemeinden erobert als je zuvor. Gut ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl gelten die Ergebnisse – vor allem dann, wenn sie auch im zweiten Durchgang Bestand haben, als richtungsweisend.
Kandidaten der Partei Rassemblement National (RN) hätten in 24 Orten bereits in der ersten Runde gewonnen, sagte Vize-Parteichef Sébastien Chenu am Montag dem Sender RTL. In 60 weiteren Kommunen lägen RN-Kandidaten an der Spitze, fügte er hinzu. Fraktionschefin Le Pen sprach bereits von einem „riesigen Sieg“ für die Partei. Nach Ansicht von Parteiobmann Jordan Bardella haben viele RN-Kandidaten „gute Aussichten auf einen Sieg“ in der zweiten Runde.
RN: „Sind der beste Wall gegen Linke und Linksextreme“
Es erging aber auch der Aufruf an konservative Kandidaten, Wahlbündnisse mit dem RN einzugehen. „Wir sind der beste Wall gegen die Linken und die Linksextremen“, sagte Chenu. Er schloss nicht aus, dass der RN „in Einzelfällen“ selber Kandidaten zurückziehen könne, um konservative Kandidaten zu unterstützen. Bardella hatte am Vorabend noch betont, dass die RN-Kandidaten, die für die zweite Runde qualifiziert sind, alle antreten sollten.
Die Kandidaten für die zweite Runde am kommenden Sonntag müssen sich bis Dienstagabend entscheiden. Wie groß der Erfolg des RN tatsächlich ist, lässt sich erst danach ablesen. Angesichts der 35.000 Gemeinden ist die Zahl der RN-Bürgermeister sehr gering. Aber die Tatsache, dass sie in mehreren Großstädten an der Spitze oder weit vorn liegen, zeigt ihre zunehmende Verwurzelung in der Fläche.
Fünfkampf um Paris
In Paris qualifizierten sich gleich fünf Kandidaten für die zweite Runde. Der sozialistische Kandidat Emmanuel Grégoire lag laut dem von der Stadt in der Nacht auf Montag veröffentlichten Endergebnis nach dem ersten Durchgang mit 38 Prozent der Stimmen vorn. Die konservative Kandidatin, Ex-Kulturministerin Rachida Dati, kam demnach auf 25 Prozent. Neben den beiden haben drei weitere Bewerber die Zehn-Prozent-Hürde überschritten: der Mitte-Rechts-Kandidat Pierre-Yves Bournazel, die linkspopulistische Kandidatin Sophia Chikirou und schließlich auch die rechtsextreme Kandidatin Sarah Knafo, die es mit 10,4 Prozent der Stimmen so eben schaffte. Die 32 Jahre alte Knafo bot der konservativen Dati umgehend ein Wahlbündnis „von Frau zu Frau“ an.
Historisches Tief bei Wahlbeteiligung
Der RN war in rund 650 Kommunen angetreten, 2020 waren es lediglich 410 gewesen. Die Vorgängerpartei FN hatte 1995 erstmals drei Gemeinden erobert. 2014 kam der RN auf sein bisher bestes Ergebnis mit Bürgermeistern in elf Städten. 2020 eroberte der RN Perpignan, seine bisher größte Stadt. Regional betrachtet sind die Rechtspopulisten vor allem in Südfrankreich stark. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 57 Prozent, sieben Punkte weniger als 2014. Es handelt sich um ein historisches Tief, mit Ausnahme der Wahl von 2020, die während der Corona-Pandemie stattfand.
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