Eigentlich sind Goldschakale am Balkan, im Nahen und Mittleren Osten, in Vorderasien und in Indien beheimatet. Doch wer aufmerksam unterwegs ist, kann dem wolfsähnlichen Wildhund auch im Burgenland begegnen – sogar dort, wo man ihn am wenigsten erwartet.
Neulich, am helllichten Tag in Wimpassing an der Leitha: Nur wenige Meter von der Ortseinfahrt und einer Wohnsiedlung entfernt, taucht plötzlich ein seltsames Tier am Straßenrand auf. Lautlos schiebt es sich aus einem Feld, bleibt kurz stehen und mustert aufmerksam die Umgebung. Lange Beine, eine schmale Schnauze, große, spitz aufgerichtete Ohren und ein buschiger Schwanz – ein Anblick, der selbst erfahrene Naturbeobachter stutzen lässt.
Auf den ersten Blick wirkt das Tier wie ein räudiger Fuchs, ein ausgemergelter Jungwolf oder ein herrenloser Schäferhund auf Futtersuche. Das struppige beige-graue Fell hängt zottelig am Körper. Doch der Eindruck täuscht. Denn was hier mitten im Burgenland unterwegs ist, galt vor wenigen Jahrzehnten noch als absolute Ausnahmeerscheinung: ein Goldschakal.
Im Burgenland fühlt er sich pudelwohl
Solche Begegnungen werden immer häufiger. Der geheimnisvolle Wildhund aus dem südosteuropäischen Balkanraum hat unseren Lebensraum längst erobert. Kein Wunder: Milde Winter, reichlich Nahrung und die abwechslungsreiche Landschaft bieten ideale Bedingungen.
„Der erste Goldschakal Österreichs wurde 1987 in der Steiermark registriert. Im Burgenland tauchte das Tier erstmals 1994 in der deutsch-kroatischen Gemeinde Schandorf/Čemba (Bezirk Oberwart) auf. Mittlerweile streifen die anpassungsfähigen Jäger flächendeckend durch Felder, Schilfgürtel, Wälder – und immer öfter auch entlang von Dörfern und Siedlungen. Gesicherte Nachweise gibt es aus allen Ecken des Landes – von Kalch bis Nickelsdorf“, sagt Roman Bunyai.
Zwischen April und Mai ist Wurfzeit. In dieser Zeit bringt die Fähe, so wird ein weiblicher Schakal genannt, bis zu neun Welpen zur Welt.
Roman Bunyai
Der 50-jährige Förster und ehemalige Landesjägermeister leitet die Servicestelle Jagd und Fischerei im Amt der burgenländischen Landesregierung und koordiniert zudem die zentrale Meldestelle für Großraubtiere. Sie wurde eigens eingerichtet, um Sichtungen von Schakalen, Wölfen oder Luchsen bekanntgeben zu können. Sie sind wichtig, um die Population der Tiere im Auge zu behalten.
Längere Beutesuche
Auch wenn Goldschakale eigentlich sehr scheue und primär dämmerungs- und nachtaktive Tiere sind, wagen sie sich zurzeit auch tagsüber aus ihren Verstecken. „Zwischen April und Mai ist Wurfzeit. In dieser Zeit bringt die Fähe, so wird ein weiblicher Schakal genannt, bis zu neun Welpen zur Welt. Während der Jungenaufzucht ist der Bedarf an Futter naturgemäß höher. Schließlich braucht das Muttertier extra Nahrung für die Milchproduktion und in Folge auch für die Welpen. Der enorme Hunger der Jungfamilie zwingt die Tiere dazu, länger und häufiger auf Nahrungssuche zu gehen. Deshalb dauern Beutezüge aktuell oft über die Morgendämmerung hinaus“, weiß der Experte.
Heiß auf Essensreste, Beeren und Fallobst
Diese Säuge- und Aufzuchtsphase sei für die Goldschakale – die übrigens monogam in einer festen Partnerschaft leben und ihren Nachwuchs gemeinsam großziehen – körperlich sehr fordernd. Hinzu kommt der Wechsel vom Winter- zum Sommerfell. Das zehre an der Substanz. Deshalb wirken die Körper Tiere auch so ausgemergelt, und ihr Fell so struppig.
Aber wovon ernährt sich ein Goldschakal? „Er ist ein Nahrungsgeneralist und Opportunist, der sowohl Pflanzen als auch Insekten, Mäuse und Vögel verspeist.“ Da er überaus lern- und anpassungsfähig ist, habe der Allesfresser außerdem längst begriffen, dass er in menschlicher Nähe in der Regel einfacher zu einer Beute kommt als in der freien Wildbahn. „Komposthaufen, Essensreste oder Fallobst in Hausgärten sind oft so verlockend, dass der Goldschakal auch plötzlich nahe von Häusern auftauchen kann“, so Bunyai.
Auge in Auge mit dem Exoten
Dass das freilich vielerorts für Verunsicherung sorgt, ist verständlich. Doch keine Sorge! Gefährlich für Menschen gelten die Wildhunde allerdings kaum. Experten beschreiben sie als äußerst furchtsam und zurückhaltend. Wenn man einem Exemplar begegnet, sollte man ruhig stehen bleiben, das Tier aus der Distanz beobachten und ihm einen Fluchtweg offen lassen.
Und was, wenn man einen Hund bei sich hat? „Da gilt dasselbe. Gefährlich wird der Goldschakal in der Regel auch einem Hund nicht – außer als Überträger von Krankheiten wie Staupe oder Fuchsbandwurm. Deshalb: Hunde immer an die Leine!“
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