Ein Jahr danach

Wie es nach Zucker-Aus im Marchfeld weiter geht

Niederösterreich
16.03.2026 11:00

Nachdem im März 2025 Agrana entschied, die Zuckerproduktion in Leopoldsdorf einzustellen, gibt es wieder Lichtblicke. Doch dafür muss die Gemeinde den Gürtel sehr eng schnüren.

Ruhig ist es um das Fabriksareal der Zuckerfabrik geworden. Die Schlote dampfen nur mehr in der Erinnerung, das Areal ist jetzt ein Logistik-Knoten für Agrana. Als im März 2025 die Zuckerfabrik endgültig die Produktions-Tore schloss, verloren mehr als 150 fixe Mitarbeiter ihren Job, hunderte Saisonarbeiter mussten weiterziehen. Ein Sozialplan, Pensionierungen, Neuorientierung folgten. Heimischer Zucker wird jetzt nur mehr in Tulln produziert. 

Die „Krone“ war zu Besuch bei Bürgermeister Clemens Nagel im einst „süßen“ Marchfeld. Der SPÖ Ortschef hat 2019 das Amt übernommen – nicht ahnend, dass im Jahr darauf gleich eine Pandemie kommen würde. „Aber auch das haben wir gut gemeistert.“ Nach dem Aus der Zuckerproduktion sind „Investitionen im Ort jetzt schwierig“, räumt er ein. Viele der Beschäftigten, die ihren Job verloren haben, haben neue Anstellungen gefunden. Doch die Wehmut über die geliebte Fabrik sitzt tief. 

Pandemie, Krieg,Energiekrise, Inflation und Firmenshließungen treffen gerade Gemeinden besonders ...
Pandemie, Krieg,Energiekrise, Inflation und Firmenshließungen treffen gerade Gemeinden besonders hart, weiß Ortschef Clemens Nagel.(Bild: Anna Kindlmann)

Was das Gemeindebudget „bitter“ macht
Die Fabriksschließung hat aber laut Ortschef Nagel eine andere Problematik freigeschaufelt: den Gemeinden geht es nicht gut. Die fehlende Kommunalsteuer reißt jährliches Minus von 400.000 Euro ins Gemeindebudget. Acht Millionen hat Leopoldsdorf im Marchfeld jährlich zur Verfügung. Doch es sind die hohen Umlagen, die der Marchfelder Gemeinde ein Dorn im Auge sind. Für Spitäler oder Kindergärten müssen Ortschaften jährlich immer mehr an das Land zahlen. „Ein Kindergarten für unter 2-Jährige geht sich aber bei uns trotzdem nicht aus“, so der Bürgermeister.

Zitat Icon

Als Ortschef muss ich für die Menschen da sein. Das bedeutet, sowohl Sparmeister als auch Entwickler zu sein.

Bürgermeister Clemens Nagel

„Will Budget selbst in der Hand haben“
Von einem Euro, den  Leopoldsdorf vom Finanzausgleich über den großen Steuertopf vom Land bekommt, muss der Ortschef ca. die Hälfte wieder zurückzahlen. Der laufende Betrieb müsse aber erhalten bleiben: „Dass Straßen prepariert werden, Schulwege beaufsichtigt werden – bei solchen Dingen kann man nicht sparen“. Dennoch werden aber die Aufgaben der Gemeindechefs immer mehr. Die schwarz-blaue Kindergartenoffensive für unter 2-Jährige im ganzen Bundesland sei das beste Beispiel dafür. Hier gehöre eine von vielen Orten ersehnte Reform heran. „Ich möchte selbst unser Budget als Gemeind ein der Hand haben“, sagt er zur Krone.

Züge und Schnellstraßen-Wunsch
Wieder im Ort gibt es statt Zucker nun Hoffnung durch Züge. Stadler Austria hat mittlerweile am ehemaligen Agrana Areal angefangen, Werkshallen aufzustellen. „Ich finde es sehr gut, dass Stadler zu uns will, den auch wir sind eine Gemeinde, die von Wien gut mit dem Zug zu erreichen ist“. Vorerst solle hier laut Stadler ein Testzentrum für ÖBB-Doppelstockzüge einziehen. Gleichzeitig würde auch der langersehnte Bau der S8 dem Ortschef die Lage wieder „versüßen“, so Nagel. Denn eine Schnellstraße könnte auch weitere Firmenstandorte im Marchfeld nach sich ziehen. 

Szenenwechsel nach Tulln
Zuckersüßes Leben im weiten Land

Das Süße hat nicht nur am Frühstückstisch seinen Ursprung in Tulln. Ein „Krone“-Lokalaugenschein zeigt wie wichtig, regionale Produktion ist.

Als „bittersüße Schatten“ liegt das eben erst von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterzeichnete Freihandelsabkommen Mercosur über der AGRANA-Produktionsstätte im Herzen Niederösterreichs. Denn hier wird gleichsam Löffel für Löffel – im Kaffee und mehr – das Leben der Niederösterreicher versüßt . Und das bei dieser immer übermächtigerer Konkurrenz „Es ist ein ungleiches Ringen von David gegen Goliath. Wir kämpfen für unsere Landwirte“, appelliert Stephan Büttner der Chef der Rübenveredlungsstätte im Tullnerfeld.

4400 Rübenbauern liefern an Agrana
Zwischen Feldern und dampfenden Kesseln entscheidet sich tatsächlich ein Stück österreichischer Lebensmittelversorgung. Was hier veredelt wird, landet direkt auf Frühstückstischen, in Joghurts der heimischen Lebensmittelhändler oder sogar in der Kosmetik. Für Naschkatzen und -kater mit süßem Heimatbewusstsein gut zu wissen – auch die Manner-Schnitten, süß-kulinarische Identität der Heimat, kitzeln den Gaumen mit diesen Ingredienzien

„Krone“-Redakteur Mark Perry hat sich die Agrana-Zuckerproduktion in Tulln angesehen.
„Krone“-Redakteur Mark Perry hat sich die Agrana-Zuckerproduktion in Tulln angesehen.(Bild: Agrana)

Was beim „Krone“-Lokalaugenschein ganz offensichtlich ist: Der Agrarkonzern zeigt eindrucksvoll, wie aus landwirtschaftlichen Rohstoffen hochwertige Lebensmittel und industrielle Vorprodukte werden und warum dabei jede einzelne Zuckerrübe zählt. Rund 4400 Rübenbauern liefern ihre Ernte an die Verarbeitung. Die Zahlen der jüngsten Kampagne sind beeindruckend: 25.000 Hektar Anbaufläche, 1,9 Millionen Tonnen Zuckerrüben, die im Werk Tulln verarbeitet wurden!

Gentechnikfreie Süße
Bei Fruchtzubereitungen gilt das Unternehmen sogar als Weltmarktführer. Das Süße aus Tulln ist garantiert gentech-frei.Was viele Konsumenten nicht wissen: Bei der Produktion wird nahezu der gesamte agrarische Rohstoff verwertet. Neben dem eigentlichen Zucker entstehen wertvolle Produkte, die als Futter- oder Düngemittel genutzt werden. Büttner klar: „Der heimische Wiener Zucker ist vom Feld bis zur Packung gentechnikfrei. Und hinter jedem Löffel Zucker steckte weit mehr als nur Süße: nämlich Landwirtschaft und heimische Wertschöpfung.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Niederösterreich
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt