Die belarussische Autorin Volha Hapeyeva war 2020 Grazer Stadtschreiberin und legt nun mit „Wörterbuch einer Nomadin“ einmal mehr ein kluges, poetisches Buch über die (Un-)Möglichkeit eines grenzenlosen Lebens vor.
Volha Hapeyeva verweigert sich dagegen, als Exilantin bezeichnet zu werden. Die Autorin hat ihre Heimat Belarus zwar alles andere als freiwillig verlassen und seitdem in vielen Ländern gelebt – unter anderem ein Jahr als Stadtschreiberin in Graz. Aber sie sieht sich selbst als Nomadin, als Wandlerin zwischen Welten und Ländern – Belarus, Kreta, Japan, Deutschland.
Nicht zuletzt sieht sie sich aber auch als Nomadin zwischen Sprachen und Genres. „Im Zweifel ist die Sprache meiner Heimat“, hat sie der „Krone“ schon 2020 erzählt. Seit einiger Zeit schreibt sie nun auch auf Deutsch – in dieser Sprache ist auch ihr „Wörterbuch einer Nomadin“ entstanden, das sie nun im Grazer Droschl Verlag veröffentlicht hat.
Einzelne Wörter dienen ihr darin als Ausgangspunkt für literarisch-essayistische Streifzüge entlang ihrer persönlichen Geschichte. Doch das Wörterbuch ist weit mehr als nur poetische Autofiktion. Denn Hapeyeva denkt in diesem Buch mit großem literarischem Scharfsinn über Sprache, Grenzen und Identität nach und thematisiert immer wieder die Kluft, die sich zwischen der Selbstwahrnehmung und der Zuschreibung von außen auftut: Wie frei kann man in einer globalisierten Welt sein, wenn man nicht den richtigen Reisepass hat? Wie selbstbestimmt kann man sich als Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft bewegen?
Hapeyeva macht keine großen Vorwürfe, sondern blickt auf die Politik im Kleinen und seziert diese mit einer eindrucksvoll poetischen Geste. Das Resultat ist Literatur, die fordert, aber eben auch wunderbare Erkenntnisse zutage fördert. „Wörterbuch einer Nomadin“ (200 Seiten, 24 Euro) ist im Grazer Droschl Verlag erschienen.
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