Die belarussische Autorin Volha Hapeyeva lebt seit Jahren im Exil. Im Gedichtband „Trapezherz“ schreibt die frühere Grazer Stadtschreiberin eindrucksvoll über eine Suche nach Halt.
Volha Hapeyeva ist eine Nomadin - die Sorte, von der es derzeit Millionen gibt. Nicht ganz freiwillig hat die belarussische Autorin ihre Heimat verlassen und lebt im Exil. Sie pendelt von Stipendium zu Stipendium, von einer fremden Heimat in die nächste - unter anderem war sie 2019/20 als Stadtschreiberin in Graz. Doch ankommen kann sie nirgends so wirklich, und auch die alte Heimat gibt keinen Halt: „manchmal halte ich mich an der luft fest“, beschreibt sie in ihren neuen Gedichtband „Trapezherz“.
Sehnsucht und Wehmut
Denn was Hapeyeva von ihren entwurzelten Leidensgenossinnen und -genossen unterscheidet, ist die Art und Weise, wie sie über dieses unfreiwillige Nomadentum schreiben und ihm Poesie abringen kann: „und auf ihrer suche lernte sie sprachen / ihre zunge berührte den gaumen / ihren eigenen und den von anderen“ kann man da lesen.
Es liegen Sehnsucht und Wehmut in diesen Gedichten, deren Sprache sich oft wie ein Nebel über den Blick auf die Welt legt. Viele Gedichte in „Trapezherz“ beginnen mit scheinbar belanglosen Beobachtungen und kippen spät - oft erst im letzen Satz - in eine ganz andere, tiefere Ebene.
Sehr politische Gedichte
Andere Gedichte wiederum tragen ihre Agenda vom ersten Satz weg vor sich her. Denn Hapeyeva schafft es trotz all der sinnlichen Verschleierung, derer sie sich bedient, auch, den Blick auf die politischen Realitäten ihres Lebens klar auszuformulieren. Über ihre Heimat Belarus etwa schreibt sie: „denn der staat sorgt sich ja richtig um einen / also / hört er nicht auf, zeitungen und bücher zu überprüfen / er löscht die liste der schädlichen berufe nicht / er schafft die todesstrafe nicht ab / und behandelt andersdenkende / indem er sie zu einem spaziergang mit in den wald nimmt“.
Spannender Spagat
Hapeyeva schafft in „Trapezherz“ eindrucksvoll den Spagat zwischen berührend und schmerzhaft, zwischen Sprachspiel und Erschütterung, zwischen Direktheit und Abstraktion, zwischen Politischem und Privatem. Einmal mehr beweist sie damit, dass sie zu den bedeutendsten belarussischen Autorinnen ihrer Generation gehört.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.