Kritik an „Einfrieren“

Das entgeht Familien durch Budget-Sparmaßnahmen

Innenpolitik
09.05.2026 15:56
Porträt von krone.at
Von krone.at

Um Geld zu sparen, setzt die Regierung die automatische Valorisierung der Familienleistungen weiter aus. Durch die Nichtanpassung von Familienbeihilfe, Kinderabsetzbetrag und Schulstartgeld an die Inflation würden Familien mit zwei Kindern im kommenden Jahr 302 und 2028 425 Euro entgehen, rechnete das gewerkschaftsnahe Momentum Institut anlässlich des Muttertags am Sonntag aus. Momentum-Ökonomin Sophie Achleitner hält das Sparpaket für „sozialpolitisch rückwärtsgewandt“.

Familien mit einem Kind zwischen 10 und 18 Jahren würden laut dem Institut 2027 146 und 2028 206 Euro verlieren, bei Drei-Kind-Familien sind es 2027 475 und 2028 668 Euro, bei Vier-Kind-Familien 2027 653 und 2028 918 Euro. Bei den in die Rechnung einbezogenen Leistungen handelt es sich um Fixbeträge, die allen Eltern unabhängig vom Einkommen zustehen, erklärte das Momentum Institut die Auswahl.

Auch andere Beträge – etwa das Kinderbetreuungsgeld, dessen Höhe allerdings vom gewählten Modell abhängt – waren vom ersten Aussetzen der Valorisierung betroffen.

Die Einschnitte würden überproportional Mütter treffen – so werde das Kinderbetreuungsgeld zu 99 Prozent von Frauen bezogen, das Aussetzen des Teuerungsausgleichs bei der Familienbeihilfe belaste Frauen immerhin zu 55 Prozent.

Das Tortendiagramm zeigt die geplanten Einsparungen bei der Budgetkonsolidierung in Österreich nach Bereichen. Unternehmen tragen mit 2.161 Millionen Euro den größten Anteil, gefolgt von Sozialem und Beschäftigung mit 664 Millionen Euro sowie der Pensionsanpassung mit 550 Millionen Euro. Insgesamt werden 5,1 Milliarden Euro eingespart. Quelle: BMF.

Kritik auch an Kürzung bei Familienbonus
Geeinigt hat sich die Regierung zudem auf Kürzungen beim Familienbonus. Nicht betroffen sein sollen Familien mit Kindern unter vier Jahren und jene, in denen beide Elternteile berufstätig sind. Damit will die Regierung Beschäftigungsanreize schaffen, gleichzeitig soll in die Kinderbetreuung investiert werden.

  „Eine Familienleistung nun an die Erwerbstätigkeit zu knüpfen, ohne dass gleichzeitig ausreichend Betreuungsplätze (sowohl in der Kinderbetreuung als auch in der Langzeitpflege) vorhanden wären, verschärft die Lage für Familien zusätzlich“, hieß es aus dem Momentum Institut dazu. Österreich sei meilenweit entfernt von EU-Zielen hinsichtlich der Kinderbetreuung, ein Ausbau sei mehr als überfällig.

Mütter mit hoher Teilzeitquote
Österreich hat bei Müttern eine sehr hohe Teilzeitquote. Mit 69 Prozent liege man an der Spitze aller EU-Staaten, teilte das Momentum Institut auf Basis von Eurostat-Daten mit, der Durchschnitt beträgt 32 Prozent. Groß ist mit 37 Prozentpunkten auch der Unterschied der Teilzeitquote zwischen Müttern und Frauen ohne Kinder. Bei den Männern gibt es dieses Phänomen nicht, sie arbeiten etwas häufiger in Teilzeit, wenn sie keine Kinder haben.

„Das ist keine individuelle Entscheidung, sondern strukturelle Versäumnisse zwingen Frauen und Mütter oft in Teilzeitarbeit“, kommentierte Achleitner. Es gebe einen chronischen Mangel an leistbaren Kinderbetreuungsplätzen, die mit Vollzeitarbeit vereinbar sind, außerdem sei die unbezahlte Sorgearbeit nach wie vor ungleich verteilt.

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