03.06.2014 09:22 |

Tian'anmen-Proteste

China verschärft vor Massaker-Jahrestag die Zensur

Stärker als je zuvor blockiert Chinas Zensur den Zugang zu Google-Diensten. Die Sperren stehen möglicherweise im Zusammenhang mit dem bevorstehenden 25. Jahrestag des Pekinger Massakers am Tian'anmen-Platz vom 4. Juni 1989 an diesem Mittwoch, könnten aber auch langfristig angelegt sein, wie Experten am Dienstag meinten.

Vor dem Jahrestag der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung am Tian'anmen-Platz wurden die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft. Dutzende Kritiker wurden landesweit festgenommen, unter Hausarrest gestellt, verhört oder verwarnt, um jede Erinnerung an die Opfer des brutalen Militäreinsatzes zu verhindern, wie Menschenrechtsgruppen kritisierten. Auch beklagten ausländische Korrespondenten in China "zunehmende Behinderungen und Einschüchterungen" bei ihrer Berichterstattung vor dem heiklen Jahrestag.

"Es ist die bisher strengste Zensur"
Die Zensur behindert seit dem Wochenende fast alle Google-Dienste wie Suche, Gmail oder Maps, wie die Webseite Greatfire.org berichtete, die Chinas "Große Firewall" verfolgt. "Es ist die bisher strengste Zensur, die angewandt wurde." Google teilte laut Medienberichten nur mit: "Wir haben ausgiebig geprüft und es gibt keine technischen Probleme auf unserer Seite."

Der Internetriese verschlüsselt seit März alle Suchen aus China, doch stören die chinesischen Behörden jetzt schon die Verbindungen zu Googles Internetprotokoll-Adressen, wie Greatfire.org berichtete. Seit sich Google 2010 aus China zurückgezogen hat, um sich nicht weiter selber zensieren zu müssen, wurden Nutzer automatisch auf die Google-Suchseite in Hongkong umgeleitet, was jetzt auch nicht mehr funktioniert.

Millionen Betroffene trotz geringem Marktanteil
Zwar hat Google ohnehin keinen großen Marktanteil in China, doch dürften laut Experten zig Millionen chinesische Internetnutzer von den massiven Störungen betroffen sein. Marktführer in China ist die Suchmaschine Baidu, die ihre Suchen zensiert.

Ohnehin sind in China soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie YouTube oder Webseiten von Menschenrechtsorganisationen und ausländischen Medien wie der "New York Times" oder der Nachrichtenagentur Bloomberg geblockt.

Viele Chinesen umgehen die chinesischen Sperren mit Tunneldiensten, doch sind die Störungen solcher VPN-Verbindungen vor dem Jahrestag offenbar noch einmal intensiviert worden, wie Nutzer beklagen. Auch ausländische Unternehmen in China sind von Behinderungen betroffen.

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