Prozess in Eisenstadt: Ein Burgenländer stellte daheim in einer Vitrine Nazi-Devotionalien zur Schau und verbreitete mit seinem Handy antisemitische „Witze“. Letzteres gibt der 36-Jährige zu: „Es war eine Blödelei. Ich habe mir nichts dabei gedacht.“
Nach einer halben Verhandlungsstunde ersucht der Angeklagte das große Schwurgericht in Eisenstadt um eine Pause. Die Fragen der Vorsitzenden sind dem 36-Jährigen auf den Magen geschlagen. Er enteilt, wenig später kann er sich weiter um Kopf und Kragen reden. Etwa, wenn es um sogenannte Judenwitze mit Hitler-Bezug geht, die er multimedial verbreitet hat: „Finden Sie so etwas lustig?“ – „Jetzt nimmer.“ – „Was bitteschön soll das heißen?“ – „Dass ich keine Angaben machen will.“
„Zu meinem Spielzimmer habe nur ich Zugang“
Bei der Hausdurchsuchung im Mittelburgenland stießen die Beamten auf eine Vitrine, in der der Mann NS-Devotionalien zur Schau stellte – von der deutschen Volksgasmaske über Bilder, Dolche, Stahlhelme und Abzeichen bis hin zu Totenkopf-Ringen und Munition. Für jedermann gut sichtbar. Aber: „Das ist mein Spielzimmer, dort bewahre ich auch meine Konsolensammlung und die Bausteine auf. Der Raum ist immer versperrt. Es war nie jemand drinnen, außer mir.“
Weiters wird dem unbescholtenen Angestellten vorgeworfen, er habe 26 einschlägige Bild- und zwei Videodateien auf dem Handy gespeichert und an 49 unterschiedliche Neonazi-Chat-Gruppen weitergeleitet, darunter ein Hitler-Foto mit dem Bildtext „Guter Junge“. Auch hier hakt Frau Rat nach. Die Antwort: „Es ist immer die Frage, wo Satire anfängt und aufhört.“
Private Führungen durch die Ausstellung angeboten
Die Sammelleidenschaft habe sich nach dem Tod des Großvaters entwickelt, der dem Enkerl „ein paar Stücke hinterlassen“ hat. „Dann wurden es mehr.“ – „Warum?“ – „Weil es Geschichte ist.“ Via Chats lud der 36-Jährige Gleichgesinnte ein, die Ausstellung bei ihm daheim zu besichtigen. „Dazu möchte ich mich nicht äußern.“
Nun wird der nächste Themenkomplex abgearbeitet. „Was wissen Sie über Hitler?“ – „Er hat Krieg geführt und dann ganz Europa hineingezogen.“ – „Was sonst?“ – „Dass es wissenschaftlich erwiesen ist, dass, wenn ein Gespräch länger dauert, man irgendwann immer auf ihn zurückkommt.“ – „Weiter!“ – „Dass die Demokratie ausgehebelt wurde und es keine freie Meinungsäußerung gab.“ – „Und zur systematischen Vernichtung der Juden fällt Ihnen Hitler gar nicht ein?“ – „Ah ja. Es war eine Sauerei, dass er Schuldige gesucht hat.“
Das Urteil – 15 Monate bedingte Haft plus 6000 Euro Geldstrafe – ist rechtskräftig. Die sichergestellten Gegenstände werden vernichtet. „Auch die vom Großvater?“ – „Ja!“
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