Ankläger sicher:

Boston-Bomben aus Weihnachtsdeko und Modellautos

Ausland
22.05.2014 11:34
Die Tsarnaev-Brüder haben die Bomben für das Boston-Attentat laut Staatsanwaltschaft aus Teilen von Weihnachtslichterketten und Modellautos hergestellt. Es habe sich um eine "relativ ausgeklügelte" Konstruktion gehandelt, hieß es am Mittwoch vor einem Gericht in Boston, wo dem überlebenden Dzhokhar (Bild) Tsarnaev der Prozess gemacht wird.

Drei Menschen wurden am 15. April 2013 von den Bomben beim Boston-Marathon getötet, über 260 zum Teil schwer verletzt. Zudem sollen die Tsarnaev-Brüder einen Polizisten erschossen haben. Der ältere Bruder Tamerlan wurde vier Tage nach dem Anschlag auf der Flucht von der Polizei getötet, Dzhokhar konnte verletzt geschnappt werden.

Am Mittwoch ging es laut Nachrichtenagentur AP um die Frage, ob einem Antrag der Verteidigung stattgegeben werden sollte. Diese verlangt, Dzhokhar Tsarnaevs Aussagen nach seiner Festnahme, die er gegenüber FBI-Agenten machte, nicht vor Gericht zuzulassen, da er ohne Anwalt befragt worden sei.

Ankläger: Gefahr durch mögliche weitere Bomben
Die Staatsanwaltschaft versucht dies zu widerlegen: Es sei notwendig gewesen, Tsarnaev sofort zu befragen, um "die Öffentlichkeit vor möglichem Schaden zu bewahren", heißt es in einem Gerichtsdokument. Schließlich gibt ein Zeuge, den die Tsarnaev-Brüder im Auto entführt hatten, an, die Verdächtigen hätten behauptet, weitere Bomben in New York zu zünden.

Auch eine Botschaft, die Dzhokhar Tsarnaev in dem Boot, in dem er schließlich gefunden wurde, geschrieben hatte, habe auf weitere Gefahren schließen lassen, so die Ankläger. Darin erklärte der heute 20-Jährige, die US-Regierung töte Unschuldige und er und Muslime müssten etwas dagegen unternehmen.

Befragung im Spital ohne Anwalt
Erst bei der Befragung durch die Agenten - direkt nach der Festnahme im Krankenhaus - habe Dzhokhar Tsarnaev angegeben, dass es keine weiteren Bomben gebe und die beiden Brüder allein gehandelt hätten. Tsarnaevs Anwälte behaupten, die Befragung habe 36 Stunden gedauert und dem Verdächtigen seien weder seine Rechte vorgelesen worden noch habe er einen Rechtsvertreter gehabt. Der 20-Jährige habe jedoch immer wieder nach einem Anwalt gefragt und um Ruhe gebeten, nachdem er bei der Flucht angeschossen worden war.

Den FBI-Beamten zufolge wurde Tsarnaev aber weder genötigt noch misshandelt - man habe mit seiner Befragung gewartet, bis er sich ein wenig erholt hatte, und habe ihm immer wieder Zeit zum Ausruhen gegeben. Laut der Staatsanwaltschaft sagte vor Tsarnaevs Befragung zudem eine Krankenschwester den Beamten, er habe keine Gehirnverletzungen und auch seine Medikamente könnten seine mentalen Fähigkeiten nicht beeinträchtigen. Es geht hier auch um die Frage, ob Dzhokhar Tsarnaevs Verletzungen ihn zu einer ungewollten Aussage gebracht haben könnten.

Tsarnaev droht die Todesstrafe
Zwar brauche man Dzhokhar Tsarnaevs Aussagen nicht zwingend für eine Verurteilung, heißt es vonseiten der Staatsanwaltschaft, doch wolle man sich das Recht der Verwendung nicht absprechen lassen. Auch der Forderung der Anwälte, die Tsarnaev drohende Todesstrafe gleich ganz abzuschaffen, hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch widersprochen. Ob sich die Verteidiger mit einem ihrer Appelle vor Gericht durchsetzen, bleibt abzuwarten.

Tsarnaev ist in 30 Punkten angeklagt. Ihm werden unter anderem der Einsatz von Massenvernichtungswaffen, vierfacher Mord sowie Verschwörung vorgeworfen. Zwar ist die Todesstrafe im Bundesstaat Massachusetts verboten, doch Tsarnaev wurde dort nach Bundesrecht angeklagt. Hinrichtungen auf Bundesebene sind selten, denn zumeist werden sie von einzelnen Staaten verfügt. Seit den 1970er-Jahren gab es nur drei Fälle - zuletzt 2003.

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